18.4.14

Judenverfolgung auf prorussisch


Der Präsident Russlands, Wladimir Putin kennt für die Mitglieder der Übergangsregierung in der Ukraine nur eine Bezeichnung:
Faschisten. 

Russischstämmige Bürger werden von diesen Faschisten bedroht sagt Putin; weshalb er zehntausende Soldaten an der russisch/ukrainischen Grenze zusammengezogen hat und einige von denen  schon mal über die Grenze schauen und Terroristen in der Ukraine höchst professionell ausrüsten und leiten lässt. 
Ihre Aufgabe besteht in der Besetzung von  Verwaltungsgebäuden im Osten der Ukraine. Die mit petersburger Dialekt sprechenden Ortsunkundigen Antifaschisten sollen in ihrem Kampf gegen den Faschismus auch mal in ein Theater einmarschiert sein und sich nach dem Bürgermeister erkundigt haben. 
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16.4.14

Marginalie: Die ARD, Tebartz van Elst und das neue Tagesschau-Studio

Die Affäre um den ehemaligen Limburger Bischof Tebartz van Elst im Spiegel der ARD:
Der Protz-Bischof sagt Adieu: "Der kommende Bischof [...] wäre gut beraten, auch das ganze Domkapitel auszutauschen, wenn die Herren nicht von selber auf die Idee kommen, geschlossen zurückzutreten. [...] daß in der Führungsetage des Bistums Limburg Zivilcourage ein Fremdwort ist. Zugegeben, Zivilcourage in der katholischen Kirche ist kein Selbstläufer. Zu sehr ist hierarchisches Denken bei vielen kirchlichen Protagonisten verankert. [...]"

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13.4.14

Quis custodiet ipsos custodes? Ein Gedankensplitter zu Edward Snowden, der NSA, dem Feind meines Freundes und nicht zuletzt auch Angela Merkels CDU


Edward Snowden ist ein Verräter. Daran kann nach Wortdefinition nicht wirklich ein Zweifel bestehen, ihm waren Geheimnisse anvertraut, die er verraten hat und hat damit seinem Arbeitgeber und seinem Land erheblichen Schaden zugefügt. Amerikanische Diplomaten werden Jahre brauchen um auch nur einen Teil des Vertrauens zurückzubekommen, dass zerstört wurde und die Effizienz der NSA dürfte international deutlich und über sehr lange Zeit reduziert sein.
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10.4.14

Mecker-Marginalie: Mal wieder "zeitgemäßer Liberalismus"


Es geht also wieder einmal um den "zeitgemäßen Liberalismus", was in etwa so klingt wie "modernes Christentum". Freilich: Eine Ideologie sollte nicht in Stein gemeißelt sein und jede Veränderung man könnte auch freundlicher formulieren: Weiterentwicklung als Angriff auf die allein selig machende, reine Lehre ablehnen. Indessen: Ein Wohlfühlgedankensystem ohne Gott ist kein Christentum, und eine Freiheitsidee, die diesen Begriff bis zur Unkenntlichkeit entstellt und ihn als positiv konnotierte Hülle für eine Mogelpackung missbraucht, ist kein Liberalismus.
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9.4.14

Gefallene Mädchen, der Abstieg der Domina und die Erfolgsgeschichte der Queen


Vermutlich wissen Sie, liebe Leserin, lieber Leser, was ein Koberer ist. Angehörige dieses Berufsstandes versuchen, Menschen auf der Straße durch Überredungskünste in ein Etablissement der – sagen wir mal – eher anrüchigen oder zumindest nicht familiengerechten Vergnügung zu locken.

Vielleicht sind Sie durch die Überschrift gekobert, also dazu verleitet worden, sich auf diesen Artikel näher einzulassen. Ich hoffe nur, dass der Titel bei Ihnen keine Erwartungen geweckt hat, die der Beitrag nicht erfüllen kann und auch gar nicht zu erfüllen gedenkt. Das Rotlichtmilieu soll im Folgenden nämlich nicht im Mittelpunkt stehen, obwohl wir sogleich einer Dirne – oder besser gesagt – der Dirne begegnen werden.
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7.4.14

Zitat des Tages: Feministinnen im Kampfmodus – Brüderle zur Causa Himmelreich


Ich bin heute noch überzeugt, dass ich die politische Debatte anders nicht überstanden hätte. Da kommen Sie mit der Wahrheit nicht weiter, wenn Frauenrechtlerinnen wie Alice Schwarzer im Kampfmodus sind.
Der Spitzenkandidat der FDP für die Bundestagswahl 2013, Rainer Brüderle, in einem Interview in der heutigen Ausgabe des Handelsblatts (die dem Verfasser vorliegt); das Gespräch wird auszugsweise auf dem Online-Portal der Zeitung referiert.
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6.4.14

Marginalie: The show doesn’t go on – Zum Ende von „Wetten, dass …?“


Wie das ZDF mitteilt, wird „Wetten, dass … ?“ zum Ende dieses Jahres Fernsehgeschichte sein. Dreimal soll das einstige Flaggschiff des Mainzer Senders noch über die Bildschirme flimmern, dann fällt der Vorhang und breitet den Mantel gnädigen Schweigens oder seligen Erinnerns über ein Dritteljahrhundert deutscher Unterhaltungshistorie.

Jüngeren Semestern wird kaum zu vermitteln, welche Anziehungskraft die Samstagabendshows jedenfalls in den 80ern, vielleicht auch noch Anfang der 90er-Jahre ausübten. Da saß die ganze Familie gebannt vor der Mattscheibe und schaute „Einer wird gewinnen“, „Auf Los geht’s los“ oder eben „Wetten, dass…?“ Am Montag wurde das, was Kulenkampff, Fuchsberger, Elstner und Gottschalk in die Wohnzimmer getragen hatten, in der Schule, im Büro oder der Werkstatt Gegenstand des kollegialen Smalltalks. (Anmerkung zur unvollständigen Auflistung der „Wetten, dass …?“-Gastgeber: Lippert wird wegen zu kurzer Moderationstätigkeit nonchalant übergangen, die Nominierung Guttenbergs blieb eine Fußnote im Almanach der Ideen, und Lanz kam erst zu der Zeit, als die Party bereits vorbei war.)

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5.4.14

Andrea Nahles und das Geld: Geschenkt. Und nicht verdient. Eine Meckerecke

Andrea Nahles (SPD) verwaltet mit dem Ministerium für Arbeit und Soziales den mit Abstand größten Einzelposten des Bundeshaushaltes. Für 2013 betrug er 119,2 Mrd. Euro. Zum Vergleich: der Bundeshaushalt betrug 2013 inkl. der Nettoneuverschuldung von 17,2 Mrd. Euro insgesamt 302 Mrd. Euro. 
­Nun hat Frau Nahles, seit sie im Amt ist, ja schon ordentlich vorgelegt. "Geliefert" sagt man wohl neuerdings in Politikerkreisen. Neben dem Mindestlohn ("Tarifautonomiestärkungsgesetz"; Orwell wäre vermutlich begeistert) hat auch das "Rentenpaket", die sogenannte Rente mit 63, das Kabinett bereits passiert.
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4.4.14

Warum der Vorwurf der "Zensur" in Deutschland verfehlt ist

Was mich in öffentlichen Diskussionen, insbesondere wie sie im linken und grünen Meinungsspektrum geführt werden oft ärgert, ist die Neigung zur Inflationierung moralisch aufgeladener Begriffe für politische Zwecke und zur Diskursunterdrückung. Da ist schon die Skepsis gegenüber der "Homo-Ehe" ein Ausdruck (und beweisend!) für eine homophobe Haltung; wer auf Probleme mit bestimmten Einwanderergruppen hinweist gilt als xenophob usw.  Es gibt diese Neigung zur Inflationierung (oder richtiger: Entpräzisierung) von Begriffen auch in Diskussionen innerhalb des liberalen, insbesondere aber des konservativen Spektrums. Schnell ist man hier mit dem "Zensur!"-Vorwurf dabei oder daß die Meinungsfreiheit von Individuen oder Gruppen eingeschränkt werde und dergleichen mehr. Ich halte diese Vorwürfe in der Regel für maßlos übertrieben und in der Sache für falsch.
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1.4.14

Feu tricolore (5): Manuel Valls – ein „rechter“ Sozialist und Frauenschwarm im Hôtel Matignon


Manchmal lohnt es sich zu warten: Anfang November des letzten Jahres hatte ich – nicht zuletzt angeregt durch diesen interessanten Artikel in der FAZ – einen Beitrag über François Hollandes zunehmende Unbeliebtheit und die Zukunftschancen des damaligen Innenministers Manuel Valls geplant. Folgende Zeilen waren bereits entworfen (ich habe sie für den vorliegenden Beitrag geringfügig ergänzt, aber ihre Essenz beibehalten):

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31.3.14

Fragen zu allen Dingen überhaupt (1): Sind das Steuerhinterziehen und das Plagiieren bei universitären Abschlussarbeiten gleich verwerflich?


Man kann den Steuerhinterziehern nur gratulieren: Sie haben es in die erste Liga der Kriminellen geschafft. Waren früher Mord und Totschlag, Bankraub mit Geiselnahme, Kindesentführung, Sexualverbrechen oder organisierter Menschenhandel erforderlich, um die für einen Krimi notwendige Fallhöhe zu erreichen, taugt für das zwangsabgabefinanzierte „Pädagogikfernsehen“ (Oliver Jungen in der FAZ) nun auch derjenige als Bösewicht, der größere Summen am Fiskus vorbeischleust.

Historiker einer späteren Generation werden wohl mit Erstaunen feststellen, wie in unserer Zeit aus der lästigen Pflicht des Steuerzahlens eine moralische Verbindlichkeit gegenüber dem Vaterland und gleichsam ein Fetisch der veröffentlichten Meinung konstruiert wurde, ganz zu schweigen davon, dass es der Staat zur Aufklärung von Finanzdelikten mit dem Strafgesetzbuch nicht mehr so genau nimmt und die in seinem Namen tätigen Hehler auch noch für einen Orden vorgeschlagen werden.

Den vorläufig letzten Akt in diesem Stück absurden Theaters bildeten die den Mündern von Medienschaffenden und Politikern entströmenden Wortspenden zum Fall Uli Hoeneß. Vor wenigen Tagen hat nun die Saarbrücker Zeitung in einem (leider nicht online zugänglichen) Artikel geschrieben, dass Annette Schavan „den Hoeneß machen“ solle. Die Klage der ehemaligen Bundesministerin für Bildung und Forschung gegen die Aberkennung ihres Doktortitels war vom Verwaltungsgericht Düsseldorf abgewiesen worden.
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30.3.14

Hausaufgabe der Kirchen und nachhaltiger Fehler. Gastbeitrag von Ludwig Weimer

Jetzt lag das evangelisch-katholische Papier 22 „Gemeinsame Verantwortung für eine gerechte Gesellschaft“ im Briefkasten: feierlich gedruckt, so dass seine inhaltlichen vereinten Schwächen umso dreifarbig-deutlicher hervorstechen. Wen erschüttert die Formulierung einer These wie: Wirtschaftliches Wachstum in den Dienst für den Menschen stellen?

Ich will vor allem auf ein einziges textimmanentes Problem aufmerksam machen, weil ich es für das wichtigste halte.

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25.3.14

Marginalie: Ursula von der Leyen und Private Paula´s Krapfen

Die Bundeswehr hat Schwierigkeiten mit dem Nachwuchs, soll heißen als "attraktiver Arbeitgeber" in Erscheinung zu treten. Insbesondere seit Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht sind die Abbruchquoten derer, die freiwilligen Wehrdienst leisten, stark gestiegen. Daß dies auf eine bei jungen Menschen gesunkene allgemeine Frustrationstoleranz und Bereitschaft zum Hinnehmen von Härten zurückzuführen, oder daß die mangelnde Attraktivität der Truppe gar auf  jahrzehntelangen politisch und medial transportierten Radikalpazifismus zurückzuführen sei, mag man offensichtlich nicht so sehen; das wäre wohl zu naheliegend. Dafür plant  die Bundesministerin der Verteidigung, Ursula von der Leyen, die Zugangsvoraussetzungen zur Bundeswehr zu überprüfen, was heißen soll: herabzusetzen. Hier hat sie im bundesdeutschen Bildungssystem freilich ein gutes Vorbild, wo man bereits seit langem nach der Maxime handelt: kommt ein Schüler nicht mit, dann senke die Standards für alle.
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24.3.14

Zitat des Tages: Mit Dank an die Krim-Krise


Fast muss die Wirtschaft der Krim-Krise dankbar sein. Die unerwartete Machtprobe, in die der russische Präsident die Europäer zwingt, führt der Koalition vor Augen, wie schnell die Wirklichkeit einen anderen Verlauf nimmt als geplant.

Heike Göbel in einem auf FAZ.net abrufbaren Artikel.


Kommentar: Heike Göbels lesenswerter Beitrag zieht eine wenig schmeichelhafte 100-Tage-Bilanz der Großen Koalition. Man wird den dortigen Ausführungen kaum widersprechen können. Treffend wird darin die Positionierungsstrategie des Regierungsjuniorpartners charakterisiert:

Die SPD hat sich die Schlüsselressorts für Wirtschaft und Soziales gesichert, um wieder als Schutzmacht des (kleinen) Bürgers sichtbar zu werden. Und zwar ganz handfest. Immer geht es ums Geld: höhere Niedriglöhne, abschlagsfreie Frührente, gedeckelte Mieten, günstiger Grünstrom – im Subtext jedes Gesetzentwurfs findet sich Umverteilung, wie auch immer verbrämt.

Mit Frank-Walter Steinmeier besetzt die SPD auch das Auswärtige Amt. Handfestigkeit in der Ressortführung kann man ihm wohl schwerlich vorwerfen, ebenso wenig rhetorische Bestimmtheit, wie folgende Passage aus einem Interview mit der WELT nahelegt:
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22.3.14

Die Farbe der Freiheit. Ein Gastbeitrag von nachdenken_schmerzt_nicht

Nach Artikel 13 unseres Grundgesetzes ist die eigene Wohnung unverletzlich, ihre Privatheit also ein Grundrecht. Dieses Grundrecht kann nach Absatz 4 nur bei "Gefahr im Verzug", unter besonderen Bedingungen also, außer Kraft gesetzt werden. Eine richterliche Anordnung muß in jedem Fall nachgeholt werden. – Nicht so jedoch, wenn der grüne Moralist antritt die Welt zu retten.
Der Bremer Umweltsenator Dr. Joachim Lose plant einen neuen Gesetzentwurf, durch den "Beauftragte einer Behörde" autorisiert werden sollen, ohne weiteren Beschluß Privatwohnungen zu betreten. Dies ist aus seiner Sicht notwendig, um zu verhindern dass freie Bürger das Falsche tun: "Klimaschädliche" Elektroheizungen in ihren Wohnung zu installieren. Wenn es also darum geht den Menschen auf den "rechten Weg" zu bringen, kann auch das Grundgesetz nicht das letzte Wort sein.
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20.3.14

Marginalie: Krimsekt

Zu dieser kleinen Marginalie hat mich der großartige Text vom Kollegen Doeding inspiriert, der treffend die Boykottfarce um Produkte aus den "Siedlungsgebieten" beim Namen nennt.

In vielen Ländern der EU ist die anscheinend größte Sorge von politisch interessierten Verbrauchern, aus Versehen ein Produkt aus einer jüdischen Siedlung in der Westbank zu kaufen und - Gott bewahre - wömiglich gar zu verspeisen.

Die ansonsten mehr als unauffällige EU-Außenbeauftragte Lady Ashton tut, was eine Politikerin in Deutschland (vulgo: Claudia Roth) nicht besser tun könnte: Sie nimmt die Sorgen der Menschen ernst.

Nun ist aber die EU gerade von dieser Herzensangelegenheit abgelenkt und befasst sich mehr oder weniger intensiv mit den Geschehnissen in der Ukraine. Nachdem wir uns im vorigen Absatz erst daran erinnert haben, dass überhaupt über eine Außenbeauftragte verfügen, so tritt diese plötzlich wieder in Aktion:
European foreign policy chief Catherine Ashton has strongly condemned Russia for its role in the "so-called" referendum in Crimea, which she described as "illegal and in clear breach of the Ukrainian constitution".

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19.3.14

Die Demokratie als Brückentechnologie

Zettel war es sehr wichtig auf die seiner Meinung nach bestehende Anfälligkeit der Piratenideologie zum Totalitarismus und zur Tyrannei hinzuweisen. Mehr noch, gerade gegen Ende seines Lebens lag es ihm sehr am Herzen möglichst viele Menschen vor dieser, seiner Meinung nach schon fast zwangsläufigen Entwicklung der Piratenpartei zu warnen und zu diesem Zwecke auf ältere Artikel seinerseits zu diesem Thema hinzuweisen.
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18.3.14

Oxfam, der Sozialismus und die Juden

Es ist schon ein bemerkenswerter Vertrauens- und Reputationsvorschuß, den Nichtregierungsorganisationen (sog. NGOs) bei Medien und Öffentlichkeit genießen. Ich nehme an, daß dieser Vertrauensvorschuß auf einem klassischen logischen Fehlschluß basiert. Wenn man, oft zurecht, annimmt, daß Regierungsorganisationen partikulare (Eigen)interessen vertreten und diese öffentlichkeitswirksam sowie selektiv artikulieren, so meint man hiervor bei NGOs anscheinend weitgehend sicher zu sein. Bei NGOs, so der öffentliche Tenor, werden zumeist hehre, idealistische und altruistische Motive, die der "Allgemeinheit" dienten verfolgt. Der Fehlschluß liegt in der Zuordnung von "abhängigen Partikularsrinteressen" zum Konzept "Staat", so daß "Freiheit von staatlichem Einfluß" in der Vorstellung dann automatisch auch zur Freiheit von derartigen Abhängigkeiten wird. Solches nimmt man selbstverständlich auch bei Oxfam an, einem Verbund verschiedener Hilfsorganisationen, der sich nichts Geringeres als eine gerechtere Welt auf die Fahne geschrieben hat.
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16.3.14

Zitat des Tages: Der verklärte Blick auf die DDR


Auch nach 25 Jahren Aufarbeitung ist es uns offenbar nicht gelungen, in der Gesellschaft zu verankern, dass die DDR eine menschenverachtende Diktatur war. Die Hauptschuld daran trägt die Linkspartei, die den DDR-Verklärern immer wieder politischen Rückhalt gibt. Man braucht nicht einmal ein schlechtes Gewissen zu haben, wenn man die SED-Diktatur lobt. 
Hubertus Knabe, Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, zitiert in diesem Welt-Artikel. 

Kommentar: Man kann diese Einsichten nicht oft genug wiederholen, zumal im wiedervereinigten Deutschland ein Vierteljahrhundert nach dem Mauerfall Ostalgie und die Relativierung des vom real existierenden Sozialismus begangenen Unrechts eine verbreitete gesellschaftliche Einstellung zu sein scheinen. „Es war nicht alles schön in der DDR“, fasst wiederum die Welt diesen verharmlosenden Blick auf die Vergangenheit treffend zusammen und erläutert die mittlerweile im Mainstream angekommene apologetische Haltung gegenüber dem schlechteren Deutschland folgendermaßen:
Jedem Gesamtdeutschen im Jahr 2014 kommt die DDR, wenn sie so quellenunkritisch aus ihrer Aktenlage und aus den Erinnerungen ihrer Insassen rekonstruiert wird, irgendwie idyllisch vor. Die selbstbewussten Frauen, Nackte an den Stränden, Arbeit, Sicherheit und Freizeit. Selbst die Mangelwirtschaft wirkt, wenn man sie heute sieht, wie ein vom Staat gelenktes großes Downgrading. [...]
Da erscheint das Aber [der überwachende und bevormundende Unrechtsstaat] gar nicht mehr so schlimm, beinahe wie ein aufregendes Abenteuer.
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15.3.14

Ein paar Gedanken zu freien Gedanken oder warum unsere Eltern alle Rassisten waren.


Wussten Sie schon, dass die allermeisten unserer Eltern, Großeltern, Tanten und Onkel im Grunde ihres Herzens Rassisten waren, die gleichzeitig islamophob, homophob und obendrein noch was gegen Kinder hatten? Obendrein waren sie hinterwäldlerisch, ungebildet und -wichtig heutzutage- ausgesprochen dumpf. Glauben Sie nicht, lieber Leser? Dem ist aber so, wie ich Ihnen gerne im Weiteren erklären möchte. Aber seien Sie vorsichtig, womöglich entdecken Sie, dass Sie eventuell  auch das eine oder andere Attribut für sich in Anspruch nehmen können, wenn Sie nur lange genug leben.
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14.3.14

Der Uli und der Michel


Ganz Deutschland diskutiert seit gestern kurz nach 14 Uhr über das Urteil im Hoeneß-Prozess. Den einen ist es zu milde, den anderen zu streng, viele geben sich damit zufrieden. Aber kaum jemand gibt zu Protokoll, überhaupt kein Interesse an diesem Thema zu haben - obwohl das sonst auch ein beliebter Reflex bei "großen" Themen ist. 

Aber es geht schließlich um Steuern, und das lässt niemanden kalt, wie ich in einem früheren Artikel zum selben Thema ausgeführt habe.

Ich will hier auch nicht die Frage erörtern, ob Uli Hoeneß Gerechtigkeit widerfahren ist, denn diese bekommt man von der Justiz bekanntlich nicht, sondern allenfalls ein Urteil. Statt dessen werde ich das Thema "Steuern als Volksobsession" an Hand einer kleinen Geschichte wieder aufgreifen.

Das deutsche Einkommenssteuersystem lässt sich mit einer Familie mit unmündigen Kindern vergleichen, in der der Vater Staat dem deutschen Michel zuerst sein gesamtes erwirtschaftetes Einkommen wegnimmt und dann ein Taschengeld für seine persönlichen Lebenshaltungskosten zugesteht. 
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13.3.14

Meckerecke: Wie die "Welt" den Rechtsstaat versteht

Die interessantesten Reflexionen zum Fall Ulrich H., die ich heute in den unendlichen Weiten der digitalen Sphäre gelesen habe, finden sich bei Rayson und im Blog zum Medienrecht des Rechtsanwalts Kompa. Dieser weist völlig zutreffend darauf hin, dass das heute vom Landgericht München II verkündete Strafurteil noch nicht rechtskräftig ist und deshalb zugunsten von H. nach wie vor die Unschuldsvermutung gilt.

Selbst wenn das Urteil heute rechtskräftig geworden wäre, könnte niemand daran gehindert werden, seine Solidarität mit H. zu bekunden. Ein Strafurteil ist ja keine umfassende und abschließende Bewertung des Charakters eines Menschen, sondern eine Sanktion für eine oder mehrere seiner Handlungen.
 
Bei der WELT scheint man da irgendetwas nicht ganz verstanden zu haben. Wie sonst ist die Unterschrift „,Mia san mia’ statt Rechtsstaat“ unter einem Video zu erklären, das H.-Unterstützer bei einer Versammlung vor dem Münchner Justizpalast zeigt? Wohlgemerkt: Die Sprechchöre fanden vor dem Gerichtsgebäude statt und nicht im Verhandlungssaal. Als im Verfahren über die dritte Startbahn des Münchner Flughafens die Urteilsverkündung durch Pfiffe und das Absingen der Bayernhymne unterbrochen worden war, ist man bei der WELT nicht auf eine solche Schlagzeile gekommen - von deren bavarophobem Unterton ganz zu schweigen. 

Noch einmal zum Mitschreiben für das Personal des Globusblatts: H. genießt die – gemäß Ziffer 13 des Pressekodex – auch für die gedruckte Meinung verbindliche Unschuldsvermutung. Wer sich vor dem Gerichtsgebäude bei H. für dessen Verdienste um einen bekannten deutschen Fußballverein bedankt und seiner Sympathie für den Angeklagten Ausdruck verleiht, ist nicht schon allein deshalb ein Feind des Rechtsstaats.
Noricus

Änderung 14.03.2014, 06.05 Uhr: Die Verpflichtung der Presse auf die Unschuldsvermutung findet sich in Ziffer 13 des Pressekodex und nicht - wie hier zunächst irrtümlich vermerkt - in Ziffer 16.

© Noricus. Für Kommentare bitte hier klicken.

12.3.14

Zitat des Tages: Die Dialektik der Sperrklausel


Die Hürde für den Einzug in die Knesset wird künftig nicht mehr bei zwei, sondern bei 3,25 Prozent liegen. Die Koalition um Ministerpräsident Netanjahu begründet diese Wahlrechtsnovelle mit der Verbesserung der Regierbarkeit Israels und einer Vermeidung der Zersplitterung des Parlaments. Kritiker sehen darin einen Versuch, arabische Parteien beziehungsweise palästinenserfreundliche Fraktionen von der Teilnahme an der Gesetzgebung auszuschließen. Michael Borgstede schreibt in der WELT:
Praktisch macht das Gesetz der arabischen Minderheit also genau jenen Meinungspluralismus unmöglich, den die zahlenstärkere jüdische Mehrheit für sich selbstverständlich in Anspruch nimmt.
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10.3.14

Gute Ressentiments, böse Ressentiments


In Rainer Werner Fassbinders skandalumwittertem Stück Der Müll, die Stadt und der Tod beteuert der Spekulant Hans von Gluck, nachdem er seiner Abneigung gegen einen jüdischen Konkurrenten in drastischen Worten Ausdruck verliehen hat:
Das ist kein Witz. So denkt es in mir.
Henryk M. Broder schrieb zu dieser Passage einmal im SPIEGEL:
Kein Antisemit reflektiert seine Ressentiments, grübelt, wie "es" in ihm denkt.
Dies dürfte zwar auf die allermeisten Fälle zutreffen. Doch ein Ding der Unmöglichkeit ist das reflektierte Ressentiment keineswegs. Bisweilen wird ein Mensch des Umstands gewahr, dass es in ihm denkt, dass er gewisse Einstellungen und Vorurteile hegt, die sich der Ratio und dem Verstand widersetzen.
Ein Beispiel für ein reflektiertes Ressentiment hat die Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff jüngst in einer Rede im Dresdner Schauspielhaus geliefert. In ihrem Vortrag mit dem Titel Von der Machbarkeit. Die wissenschaftliche Bestimmung über Geburt und Tod sprach sie sich gegen die künstliche Befruchtung (und die in Deutschland für den eingreifenden Dritten ohnehin strafbare Leihmutterschaft) aus und bekannte, dass ihr
das gegenwärtige Fortpflanzungsgemurkse derart widerwärtig erscheint, dass ich sogar  geneigt bin, Kinder, die auf solch abartigen Wegen entstanden sind, als Halbwesen anzusehen. Nicht ganz echt sind sie in meinen Augen, sondern zweifelhafte Geschöpfe, halb Mensch, halb künstliches Weißnichtwas. Das ist gewiss ungerecht, weil es den Kindern etwas anlastet, wofür sie rein gar nichts können. Aber meine Abscheu ist in solchen Fällen stärker als die Vernunft (Seite 12 f).
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6.3.14

Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Zur Fastenaktion der EKD

Während die Katholiken am Aschermittwoch daran erinnert weden, dass sie Staub sind und zum Staub zurückkehren werden und der Verzicht auf persönlichen Genuss im Vordergrund steht, tendiert die evangelische Kirche zur publikumswirksamen Aktion.* Verzichtet wird ebenfalls, aber nicht auf so etwas Banales wie den sonntäglichen Schweinsbraten oder das Feierabendbier. 


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4.3.14

Und sie verstehen sich doch – Deutsche Sprache, fremde Sprache


Man stelle sich folgenden, nicht ganz frei erfundenen Sachverhalt vor: Ein junger Mann bayrischer Provenienz, er mag etwa zwanzig Lenze zählen, betritt am Morgen nach einer durchzechten Nacht eine rheinländische Bäckerei. Sein noch etwas vernebelter Blick schweift über die verschiedenen Köstlichkeiten, die eine Wiederauffüllung seines durch den Ausnüchterungsprozess arg beeinträchtigten Nährstoffbudgets verheißen. Plötzlich bleiben seine Augen an einer runden, besonders fetthaltigen Variante des Teigwarengeschlechts hängen. Ohne sich zu entsinnen, dass er fern der Heimat weilt, ruft er der Verkäuferin fast lüstern entgegen: „Zwei Krapfen bitte!“

Stille. Einen Moment lang geschieht nichts. Und just in dem Moment, als sich unser junger Freund seines sprachlichen Fauxpas bewusst wird, entgegnet ihm die Verkäuferin in rheinischem Frohnaturen-Ton: „Ach, Sie meinen Berliner. Bei uns heißen die Berliner.“
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3.3.14

Der Schatten von München

Manche fühlen sich aktuell, noch unter dem frischen Eindruck des 100-Jahre-Gedenkens, an den Ausbruch des ersten Weltkriegs erinnert. Aber das paßt eigentlich überhaupt nicht - es stehen sich keine kriegsbereiten Großmächte gegenüber, denen nur ein Zündfunke fehlt.

Beklemmend sind dagegen die Parallelen zum März 1939. Hitler läßt die Wehrmacht in tschechisches Gebiet einrücken und annektiert das Land. Obwohl er im Münchner Abkommen von 1938 Frieden versprochen und den Bestand des Nachbarlands zugesagt hatte. Die westlichen Großmächte hatten auf Appeasement gesetzt und müssen ohnmächtig zuschauen, wie der Diktator sich über alle völkerrechtlichen Abmachungen hinwegsetzt und sie zum Gespött macht.

Auch Putins Angriff auf die Ukraine ist ein klarer Bruch der Vereinbarungen, in denen Rußland 1994 in Budapest die Grenzen des Nachbarlands garantiert hatte. Und wieder müssen die westlichen Großmächte, die auf Abrüstung gesetzt hatten, der Skrupellosigkeit des Diktators ohnmächtig zuschauen.

Man kann noch einige Parallelen mehr finden. Der verletzte Stolz einer Großmacht, die wesentliche Einbußen hinnehmen mußte und die neue Friedensordnung wieder zu ihren Gunsten revidieren möchte. Die Ausnutzung von Minderheitenproblemen in den Nachbarländern. Und sogar der Versuch, mit einer prachtvollen Olympiade internationalen Ruhm zu gewinnen. Um dann die Panzer rollen zu lassen.

Aber Geschichte wiederholt sich nie mit völlig gleichen Ergebnissen. Putin ist nicht Hitler, obwohl seine Fixierung auf außenpolitische Machtpolitik fast ähnlich dominant ist. Und die Ukraine ist trotz ihrer internen Zerrissenheit kein hilfloses Opfer. Noch ist völlig offen, wie die Krise ausgeht.
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2.3.14

Putins Russland ist auch eine Bedrohung für Europa


Überall in der ehemaligen Sowjetunion leben russischstämmige Menschen. Ihre Vorfahren wurden, in den Ländern die der Sowjetimperialismus annektierte, angesiedelt, um die Identifikation der unterdrückten Völker zur eigenen Nation und Kultur zu brechen.
So sank, lt. Wikipedia, in der Estnischen SSR die Zahl der Esten von 88% vor dem Beginn des Zweiten Weltkrieges auf 61,5% im Jahre 1989, während die Zahl der Bürger mit ostslawischem kulturellen Hintergrund im gleichen Zeitraum von 8,2% auf 35,2% stieg.
Der Prozess der Russifizierung begann schon im russischen Zarenreich und wurde flankiert vom orthodoxen Staatskirchentum.
Wie auch in diesen Tagen orthodoxe Geistliche in mitten russischer Besatzer auf der Krim zu sehen sind. Bei denen es sich übrigens ebenfalls um russische Orthodoxe handeln müsste. Dazu aber später mehr.

Wladimir Putin könnte mit seiner für 2015 geplanten Gründung einer Eurasischen Union eine Wiederauflage der Sowjetunion anstreben, sagte im Dezember 2012 Hillary Clinton.
Unter diesem Blickwinkel betrachtet, ist nicht nur der Georgienkrieg 2008 Teil dieser Bestrebung durch Putins Russland, sondern vor allem seine derzeit im Vollzug befindliche Annexion der Krim, wo auf Regierungsgebäuden bereits von Militärs die russische Flagge gehisst wird.
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Zu Zettels Todestag (6): Rußland

Zum Abschluß unserer kleinen Gedenkserie zu Zettels Todestag geht es um ein recht aktuelles außenpolitisches Thema: Rußland.

Zettel hat über dieses Land, und insbesondere über die Politik Wladimir Putins, sehr viel geschrieben; sein letzter Artikel "Rußland auf hegemonialem Kurs" stammt vom 10. Januar 2013. Er stellt die Prognose von Stratfor für das Jahr 2013 vor, bietet Links zu früheren Artikeln und schlägt schließlich einen Bogen zur deutschen Energiepolitik.

Von den älteren Artikeln vermittelt besonders "Entkolonialisierung oder 'Selbstverstümmelung'? Rußlands auf dem Weg zurück zu einer imperialen Politik" vom 16. November 2008 einen guten Einblick in Zettels Deutung der neueren russischen Geschichte.

(Der von Zettel erwähnte Vortragstext von Igor Maximytschew ist leider nicht mehr im Netz auffindbar.)

Kallias
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1.3.14

Meckerecke: Gemeinsame Inkompetenz

Schon immer war den Hierarchen der Amtskirche ein mäßiger und bescheidener Lebensstil der ihnen untertanen Schäfchen ein Herzensanliegen. Luxus und Verschwendung waren schließlich Chefsache und jeder privat verprasste Dukaten fehlte womöglich hinterher beim Zehnten.
Inzwischen ist das Problem dringlicher geworden. Während deutsche Bischöfe mit ihren gottgewollten und steuerfinanzierten Bezügen (B7 bis B10, 9000 - 12000 €, zuzüglich Dienstwohnung und Dienstwagen) darben müssen, steigert der global entfesselte Kapitalismus den weltweiten Wohlstand. Da muß eingeschritten werden.

Egal was sie theologisch trennt, hier sind sich katholische und evangelische Bischöfe einig. "In gemeinsamer Verantwortung" veröffentlichen sie eine Sozialinitiative um dem wüsten Treiben Einhalt zu bieten, sie kritisieren "Gier und Maßlosigkeit". Und breiten auf vielen Seiten aus, was sie in den Parteiprogrammen von Grünen und Kommunisten so alles gefunden haben. In der Bibel werden sie jedenfalls nicht fündig geworden sein, wenn es um die angeblichen Ursachen der Finanzkrise oder die Beurteilung der deutschen Haushaltslage geht.

Man kann davon ausgehen, daß keiner der hohen Herren auch nur den Unterschied zwischen einer Aktie und einem Optionsschein kennt. Aber ganz sicher sind sie sich, daß der Handel mit diesem Teufelszeug irgendwie stärker staatlich kontrolliert werden muß.
Und demnächst liefert uns dann der Vorstand der Deutschen Bank eine Exegese der Offenbarung des Johannes ...

Aber abgesehen davon, daß sie sich ausführlichst zu allen möglichen Sachen äußern, von denen sie keine Ahnung haben: Welche "Verantwortung" beanspruchen sie denn hier?

Sollte jemand tatsächlich ihren Vorschlägen folgen - werden sie dann "mea culpa" anerkennen, wenn es dann schief geht? Wohl nicht. Sie werden sich in ihre Bischofspaläste zurückziehen und weiter über das Elend der Welt klagen.
Sie sind so wenig für das wirtschaftliche Geschehen in Deutschland verantwortlich wie ein Theaterbesucher für die Qualität der Aufführung. Die "gemeinsame Verantwortung" ist eine Floskel, Verantwortung übernehmen können sie nicht und wollen sie nicht.
R.A.

© R.A.. Für Kommentare bitte hier klicken.

Zu Zettels Todestag (5): Der Achtundsechziger

Im Jahre 1968 ist Zettel 30 Jahre alt gewesen. Kein Student mehr, noch nicht Professor. In einer kleinen Serie erinnerte er sich 40 Jahre später an diese Zeit. Ich habe die Artikel seiner Serie "Wir Achtundsechziger" leicht gekürzt zu einem zusammengefasst, deshalb Vorsicht: es folgt ein langer Schmöker!

Kallias
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28.2.14

Zu Zettels Todestag (4): Mehltau

Mehltau ist "ein weiszlicher schimmelüberzug, der pflanzen befällt und sie zerstört", so weiß es das Grimmsche Wörterbuch. Im übertragenen Sinn verwendete, vielleicht als erster, diesen Begriff Ferdinand Freiligrath (a.a.O.):

der wind der reaction
mit mehlthau, reif und alledem!
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Gedanken zur doppelten Staatsbürgerschaft


Man muss weder Sprachwissenschaftler noch Jurist sein, um die folgenden beiden Sätze aus dem zwischen CDU, CSU und SPD geschlossenen Koalitionsvertrag korrekt zu interpretieren:

Für in Deutschland geborene und aufgewachsene Kinder ausländischer Eltern entfällt in Zukunft der Optionszwang und die Mehrstaatigkeit wird akzeptiert. Im Übrigen bleibt es beim geltenden Staatsangehörigkeitsrecht. [Fundstelle: Seite 74, rechte Spalte]

Die Konjunktion und drückt völlig unmissverständlich aus, dass die beiden Merkmale „in Deutschland geboren“ und „in Deutschland aufgewachsen“ kumulativ (das heißt: sowohl als auch) erfüllt sein müssen, damit die in § 29 Staatsangehörigkeitsgesetz (StAG) normierte Pflicht zur Entscheidung zwischen der ausländischen und der deutschen Staatsangehörigkeit entfällt.
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27.2.14

Gleichheit oder Gerechtigkeit?

Wie jedes Jahr hat das DIW wieder zugeschlagen, wie üblich mit dem Ergebnis, daß die Welt angeblich immer schlechter wird. Und wie jedes Jahr wird das von den einschlägigen Medien gerne übernommen.

Junk science, junk journalism.

Es geht um das Vermögen in Deutschland. Und das ist - Überraschung - nicht gleich verteilt. Mancher hat mehr, mancher hat weniger. Was das DIW im Auftrag der Gewerkschaften für skandalös hält.

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Welche Gesellschaft wollen wir? Ein Gedankensplitter eines (vielleicht nicht mehr ganz) jungen Vaters zu Kindergärten.


Ein simples Bekenntnis: Vater werden lohnt sich. Es ist die heftigste, einschneidenste, aufwühlendste und schönste Erfahrung, die ich in meinem vielleicht nicht mehr ganz so jungen Leben machen durfte. Über das, was man schon in den ersten Wochen oder auch in den Wochen vor der Geburt erlebt könnte man ganze Bücher schreiben (netterweise haben das auch nicht wenige Leute getan. :) ). Dennoch habe ich auch einige kuriose oder zumindest seltsame Erfahrungen mit staatlicher und halbstaatlicher Meinung gemacht und ein paar wenige davon sind Basis für meinen heutigen Gedankensplitter.
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Zu Zettels Todestag (3): Die starken Verben schwächeln. Wie sich das Fauldeutsche ausbreitet

Eine von Zettels Serien hieß "Anmerkungen zur Sprache". Ihr erster Beitrag erschien am 19. November 2006, der letzte, den wir hier noch einmal bringen, am 30. Januar 2013.
Kallias
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26.2.14

Zu Zettels Todestag (2): Warum in Deutschland das Ost-West-Gefälle zu einem Nord-Süd-Gefälle wird

Bevor Zettel zu bloggen begann, diskutierte er lange Zeit in "Schrippes Forum", dessen Schließung für ihn der Anlaß war, "Zettels Raum" zu gründen. In Schrippes eher linkem Forum präsentierte er eine provokante These, die er "Zettels Gesetz" nannte, welches er sogar in eine quantitative Formel goß. 2007 kam er darauf zurück, allerdings (leider) nur in einer "qualitativen Variante". Es geht um die Ursachen für die unterschiedliche Wirtschaftskraft in der deutschen Regionen.

Am Ausgangspunkt, dem Nord-Süd-Gefälle, hat sich wenig geändert, wenn man etwa die von Zettel vermutlich zitierte Karte mit dieser neueren vergleicht.

Wieder mussten etliche Links repariert werden, was in einem Fall nicht gelungen ist: dem Hinweis auf die "Dynamik der wirtschaftlichen Entwicklung". Als Ersatz kann vielleicht ein Aufsatz von Konrad Lammers aus dem Jahr 2003 dienen, in dem das sich damals abzeichnende Nord-Süd-Gefälle in den Neuen Bundesländern beschrieben wurde.

Kallias
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25.2.14

Zettels erster Todestag

Heute vor einem Jahr starb der Gründer dieses Blogs, Zettel. Wer damals schon "Zettels Raum" gekannt hat, erinnert sich daran.

Von den zahlreichen Nachrufen finde ich die von Roland Herrig, Cora Stephan und "PPQ" am bewegendsten. Vielleicht möchten Sie ja den einen oder anderen davon nachlesen.

Wir bringen heute und in den kommenden Tagen einige seiner Artikel, jeweils stellvertretend für eines der Gebiete, die er sieben Jahre lang mit über 4000 Blogbeiträgen beackert hat. Heute zunächst ein Text aus Frühzeit des Blogs, in dem Zettel sich mit einem seiner Lieblingsthemen befasste, der Astronomie. Dazu gibt es einen ersten Diskussionsstrang.

Im zweiten Diskussionstrang haben Autoren von "ZR" ihre persönlichen Betrachtungen über Zettel eingestellt; wer möchte, kann eigene hinzufügen.

Kallias

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23.2.14

Juden wurde mehr geraubt. Gastbeitrag von Ludwig Weimer

Cornelius Gurlitt bleibt der rechtmäßige Eigentümer der von seinem Vater gesammelten und Juden geraubten Bilder. Die Rückerstattungsgesetze der Westalliierten von 1947-1949 und die Fristen können nicht mehr außer Kraft gesetzt werden. Raubkunst ist Eigentum geworden.Eine andere Moral kann jedenfalls durch das Recht nicht erpresst werden.

Zunächst ein weiteres Beispiel, und dann die Anwendung auf den größten Raub zwischen Christen und Juden.

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22.2.14

Marginalie: Elogen für einen alten Kameraden


Der Diktator von Simbabwe, Robert Mugabe, ist gestern 90 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass versuchte sich auch der demokratieabgabefinanzierte Rundfunk an einem Kurzporträt des Autokraten und machte dabei zumindest sprachlich keine besonders gute Figur.


In seinem Beitrag übersetzt Jan-Philippe Schlüter vom ARD-Hörfunkstudio Johannesburg die (in der eingebetteten Audio-Datei zwischen circa 00:00:12 und 00:00:18 hörbare) Lobhudelei des simbabwischen Staatsradios



A veteran politician with distinguished leadership qualities, Comrade Robert Mugabe …



folgendermaßen (Audio-Datei, circa 00:00:07 bis 00:00:12 sowie Transkription, Satz 2 des Haupttextes):



Kamerad Robert Mugabe, ein Politikveteran mit herausragenden Führungsqualitäten.
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21.2.14

Kurioses, kurz kommentiert: Deutsche Tugenden

"Datenkrake kauft Messenger" heißt es bei Focus online. Gemeint ist die Übernahme des Kurznachrichtendienstes WhatsApp durch Facebook für die beeindruckende Summe von 19 Milliarden Dollar. Bemerkenswert scheint mir, wie die deutschen Onlinemedien auf diesen Deal reagieren, nämlich in erster Linie mit Umstiegsempfehlungen. "Das sind die sieben besten WhatsApp-Alternativen" titelt Focus online, und um das Ansinnen zu unterstreichen, titelt ein parallel geschalteter Artikel in dem gleichen Medium "Vielleicht übernimmt Facebook eines Tages BMW". "5 Gründe, warum Sie WhatsApp löschen sollten" mahnt die Huffington Post. Die Gründe lauten übrigens: 1. Angst 2. Angst 3. Angst 4. Angst 5. Angst.
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19.2.14

Meckerecke: Wenn der Rechtsstaat ausgepfiffen wird


Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof (BayVGH) hat heute alle 16 Klagen gegen den Planfeststellungsbeschluss der Regierung von Oberbayern über die dritte Startbahn des Flughafen Münchens abgewiesen und die Revision zum Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) nicht zugelassen. Gegen Letzteres können die Kläger beim BVerwG Beschwerde einlegen.

Jedem empörten Zeitgenossen steht es natürlich auch frei, die Stadt München an das Ergebnis des Bürgerentscheids zu erinnern, mit dem sich das landeshauptstädtische Stimmvolk im Juni 2012 mehrheitlich gegen die Flughafenerweiterung ausgesprochen hat. Zwar ist ein Bürgerentscheid nach Art. 18a Abs. 13 Satz 2 Gemeindeordnung für den Freistaat Bayern (BayGO) jedenfalls nur ein Jahr bindend; da diese Frist abgelaufen ist, könnte der Münchner Stadtrat einen gegenteiligen Beschluss fassen. Doch liegt es aus demokratiepolitischen Gründen durchaus nahe, dass die Stadt München als Mitgesellschafterin der Airportbetreiber-GmbH weiterhin gegen den Bau der dritten Startbahn votieren beziehungsweise gemäß Art. 18a Abs. 2 BayGO einen neuerlichen Bürgerentscheid zu diesem Thema initiieren sollte. Selbstverständlich kann auch auf die anderen Gesellschafter – den Freistaat Bayern und die Bundesrepublik Deutschland – politischer, medialer und lobbyistischer Druck ausgeübt werden.
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17.2.14

Hintergründe des Edathy-Skandals

Der Edathy-Skandal zeigt für mich vor allem eines:
Der Parteien(hof)staat greift den Rechtsstaat an und demontiert ihn. 

Der aus meiner Sicht an Hehlerei grenzende Umgang mit den Steuer-CD's war ein erstes Zeichen, mit welcher Unverfrorenheit dies exekutiert wird. Dass auch die Arbeit der Justiz notfalls neutralisiert wird - nur ein weiteres Zeichen. 
Es ist nicht erschütternd, dass dies möglich ist, sondern dass es getan und keine Konsequenzen haben wird, die dieses Vorgehen auch nur als Problem für unsere Repräsentative Demokratie erkennt. 
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16.2.14

Toleranz und Akzeptanz


In einer pluralistischen Gesellschaft ist es unvermeidlich, dass unterschiedliche Lebensentwürfe, Moralvorstellungen und Verhaltensweisen gleichsam ungebremst aufeinandertreffen. Der Respekt vor der Freiheit des Andersdenkenden erfordert in einem liberal verfassten Gemeinwesen vor allem Toleranz: Gewisse Zumutungen für das eigene Wertempfinden bleiben einem nicht erspart. Für unerträgliche Handlungsmuster (und idealerweise nur für diese) ist als Ultima Ratio das Strafrecht da.


Nicht gefordert werden kann dagegen, dass jemand alles akzeptiert, was ein anderer tut und auch tun darf. Toleranz ist eine eher passive Einstellung, nämlich jene des Duldens, Hinnehmens und Nichteinschreitens, während Akzeptanz mit einer Bejahung, einem Gutfinden, einer Befürwortung, also einer aktiven Haltung verbunden ist.


In einem auf faz.net abrufbaren Feuilleton-Beitrag vertritt nun Stefan Niggemeier die Ansicht, dass bloße Toleranz gegenüber Homo-, Trans- und Intersexualität zu wenig, ja eine Beleidigung sei, und das Ziel nur die Akzeptanz dieser Sachverhalte sein könne. Meines Erachtens stellt sich hier schon die grundlegende Frage, wie diese Akzeptanz mit freiheitlich-rechtsstaatlichen Mitteln hergestellt werden soll: Natürlich kann der Staat die Gesetze im Sinne einer vollumfänglichen Gleichstellung nichtheterosexueller Lebensentwürfe anpassen. Er kann schulische Lehrpläne dementsprechend modifizieren (wobei Zweifel an der Sinnhaftigkeit dieser Maßnahme nicht gleich mit dem Homophobievorwurf beantwortet werden sollten). Interessengruppen können für die gesellschaftliche Anerkennung von Lesben, Schwulen und Transsexuellen werben. Allein, ob sich dadurch auch wirklich in allen Köpfen die Überzeugung Bahn bricht, dass Nichtheterosexualität etwas völlig Normales sei, lässt sich nicht mit Sicherheit vorhersagen.
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15.2.14

Kurioses, kurz kommentiert: Mia san Olympiasieger!


Auch das noch: Dass sich der FC Bayern regelmäßig für die Champions League qualifiziert, ist bekannt; dass das Bundesland Bayern seinerseits in der Königsklasse spielt und von der dafür zuständigen Stelle zur „Vorstufe zum Paradies“ erklärt wurde, ebenso. Und jetzt führt der Freistaat bei den Olympischen Winterspielen auch noch den Medaillenspiegel an, wie sich einem Blogbeitrag auf ZEIT-Online entnehmen lässt. „Rest-Deutschland“ kommt hingegen nur auf Platz 8.

Kommentar: Besser kann man den Unsinn des Edelmetall-Rankings wohl kaum erkennbar machen. Gerechtfertigt wäre lediglich ein Classement, in dem einzelne Athletinnen und Athleten aufscheinen. Denn anders als etwa bei einer Fußballweltmeisterschaft, in der eine deutsche Nationalmannschaft gegen die Teams aus anderen Staaten antritt, messen bei den olympischen Wintersportarten (in der Regel, die von Ausnahmen bestätigt wird) auch Landsfrauen und -männer ihre Kräfte gegeneinander. Daran, dass auch zwischen Verbandskolleginnen und -kollegen eine Konkurrenzsituation besteht, ließen aufbrechende Konflikte in den Reihen der deutschen Delegation keinen Zweifel.
 
Niemandem ist es verwehrt, sich über die Erfolge der heimischen Starterinnen und Starter zu freuen. Immerhin belegen die Podestplätze ja, dass die Sportförderung nicht irgendwo in den Tiefen des Eises und des Schnees verpufft. Doch die vom Medaillenspiegel genährte Illusion, dass da für Deutschland geskatet, gerodelt und gesprungen wird, ist eben genau das: eine Illusion. Jeder siegt für sich allein.

Noricus


© Noricus. Für Kommentare bitte hier klicken.

13.2.14

Für immer Kind



Eltern sind ihren Kindern unterhaltspflichtig. Das weiß jeder, und das ist nach dem Verursacherprinzip wohl auch ohne Weiteres zu rechtfertigen. Weniger bekannt dürfte sein, dass die Verbindlichkeit, Alimente zu zahlen, auch Kinder gegenüber ihren Eltern treffen kann. § 1601 BGB bestimmt diesbezüglich in lakonischem Duktus:

Verwandte in gerader Linie sind verpflichtet, einander Unterhalt zu gewähren.

§ 1602 Abs. 1 BGB stellt allerdings klar, dass lediglich ein bedürftiger Nachkomme oder Vorfahr sein eigen Fleisch und Blut zur Kasse bitten kann:

Unterhaltsberechtigt ist nur, wer außerstande ist, sich selbst zu unterhalten.
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12.2.14

Meckerecke: Steuerbürgers Moral und Staates Unmoral


Vor vielen Jahren hörte ich den Vortrag einer spanischen Linguistin, die es zum Gegenstand ihrer Forschung gemacht hatte, den Zusammenhang zwischen politischen und gesellschaftlichen Veränderungen einerseits und den Beispielsätzen in Wörterbüchern ihrer Muttersprache andererseits zu untersuchen. Es versteht sich, dass in diesem Kontext das Ende der Franco-Diktatur eine bedeutende Zäsur bildete und dass etwa auch die Enttabuisierung der Sexualsphäre und das Aufkommen von Lebensweisen jenseits des traditionellen Ehe- und Familienmodells in den Lexika ihren Niederschlag fanden.
In meinem alten Petit Robert wird das französische Wort réprobation in seiner Bedeutung „Missbilligung“ durch ein zum Schmunzeln anregendes Zitat des Gelehrten und Schriftstellers André Siegfried exemplifiziert, das da lautet:

Une secrète réprobation entoure en France celui qui paie l’impôt.

Eine geheime Missbilligung umgibt in Frankreich denjenigen, der Steuern zahlt.
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11.2.14

Ermittlungen gegen Sebastian Edathy (SPD) –fällt die nächste selbsternannte moralische Instanz?

Sehr plötzlich hat Sebastian Edathy (SPD) vor wenigen Tagen sein Bundestagsmandat mit sofortiger Wirkung niedergelegt; aus gesundheitlichen Gründen, wie er verlautbaren ließ. Gestern nun kam die nicht minder überraschende Meldung auf WELT-Online, daß seine Privat- und Büroräume von der Staatsanwaltschaft durchsucht worden seien; gegen ihn werde wegen einer „Straftat“ ermittelt. Das im Nienburger Wahlkreis Edathys erscheinende Lokalblatt „Die Harke“, auf das sowohl WELT als auch FOCUS verlinken, wird da schon deutlicher: es soll um Kinderpornographie gehen. Die Zeitung beruft sich dabei auf „Kreise der niedersächsischen Landes-SPD“, die für heute eine Stellungnahme angekündigt hat. Auch die Person des ermittelnden Oberstaatsanwaltes, der die „Zentralstelle zur Bekämpfung gewaltdarstellender, pornographischer oder sonst jugendgefährdender Schriften“ leitet, deutet in diese Richtung.
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Und willst Du nicht mein Bruder sein… oder „Was erlaube Schweiz?“


Und willst Du nicht mein Bruder sein, so schlag ich Dir den Schädel ein. Der Satz stammt wohl aus Mitte des 19. Jahrhunderts und geht noch auf die französische Revolution zurück, wo er sich noch etwas platter in Form von „Brüderlichkeit oder Tod“ findet. Im Lexikon findet man eine sehr passende Erklärung, dass er meist da verwendet wird, wo nicht Überzeugung und Worte zu einer Handlung führen sollen, sondern Gewalt.
Dieser Satz ist genau das, was mir durch den Kopf geht, seit es die Schweiz gewagt hat in einer Volksabstimmung die Freizügigkeit von Ausländern in Frage zu stellen.
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8.2.14

Mit Losungen und bezogener Stellung


"Unsere Athleten sind mündige Staatsbürger. Wenn sie ihre Meinung äußern wollen, können und sollen sie das selbstverständlich tun", sagte Vesper in einem "Welt"-Interview. 
Sollen sie das? Warum eigentlich? Warum sollen Sportler die wegen des Sports in ein Gastland reisen, ihre Meinung zu politischen Themen des Gastlandes kundtun? 
Und was hat das mit der Mündigkeit des Staatsbürgers zu tun?
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6.2.14

Divide et amprion!

Die wenigsten Menschen mögen gerne neue Stromleitungen.

Manche akzeptieren sie als notwendiges Übel, wie z. B. der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer, der im Juni 2013 im Bundesrat dem Bundesbedarfsplanungsgesetz für den Netzausbau zugestimmt hat.

Andere halten sie für eine unnötige Belastung der Anwohner und lehnen sie deshalb ab.  Wie z. B. der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer, der soeben ein "Moratorium" für neue Stromtrassen verkündet hat. 

Wie sagte schon der Kabarettist Bruno Jonas: "I mog an Herrn Seehofer, weil der hängt ned an seiner Meinung!"
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4.2.14

Alice im Wunderland. Oder wie jemand den letzten Rest Respekt verspielt.


Eine öffentliche Hatz. Rufmord. Das ist es, zumindest in der Eigenwahrnehmung von Alice Schwarzer, was derzeit öffentlich stattfindet, seit sich die Presse entschlossen hat über ihre -nennen wir es beim Namen- Steuerhinterziehung zu schreiben. Nun kann man dem deutschen Pressemob sicher vieles vor- oder nachwerfen, aber das eine Person, die ansonsten jedes bisschen Bühne und Aufmerksamkeit zu erreichen gesucht hat, sich darüber beschwert, dass auch mal über ihre eigenen Moralvorstellungen berichtet, klingt doch ein wenig absurd.
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2.2.14

Kerry droht Israel


Die Washington Post zitiert heute den amerikanischen Außenminister John Kerry auf der Sicherheitskonferenz in München wie folgt:
You see for Israel there’s an increasing de-legitimization campaign that has been building up. People are very sensitive to it. There are talk of boycotts and other kinds of things,” Kerry said. “Today’s status quo absolutely, to a certainty, I promise you 100 percent, cannot be maintained. It’s not sustainable. It’s illusionary. There’s a momentary prosperity, there’s a momentary peace.”
Sie sehen, was Israel betrifft, eine wachsende Delegitimierungskampagne, die sich aufbaut. Die Menschen sind sehr erregbar. Es gibt Gespräche über Boykotts und andere Arten von Dingen, sagte Kerry. Der heutige Status Quo, absolut gesehen und als Tatsache, dass kann ich Ihnen zu 100 Prozent versprechen, kann nicht aufrechterhalten werden. Das ist illusorisch. Es gibt einen momentanen Wohlstand, es gibt einen momentanen Frieden.
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1.2.14

Der virtuelle Wutpetent

Auch nach dem vorzeitigen Ende der Petition »Raus mit Markus Lanz aus meinem Rundfunkbeitrag!« ist das Interesse an dem Thema ungebrochen: Josef Joffe hat als Journalist der »alten Schule« in der ZEIT zum Rundumschlag ausgeholt, Stefan Niggemeier hat daraufhin in seinem Blog eine Antwort auf der eher persönlichen Ebene verfasst.

Im Kern geht es um die Legitimität von Vergleichen: Darf man die Petition als Mobbing bezeichnen? Darf man die Petition mit einem griechischen Scherbengericht vergleichen? Darf man gar eine Parallele zu den Kampagnen der Nazis gegen die Juden ziehen?

Es scheint mir in der Sache völlig unangemessen, die Nazi-Keule und die Antisemitismus-Keule gegen die Petenten zu schwingen: Wir leben in einem freien Land. Der Moderator Markus Lanz hat von der Petition nicht ansatzweise solche Greueltaten zu befürchten, wie die jüdischen Bürger in den 1930er Jahren.

Ein allgemeiner Vergleich mit den Methoden totalitärer Systeme kann angemessen sein, ein Bezug zum Mobbing drängt sich geradezu auf. Bevor man über die Zulässigkeit von Vergleichen nachdenkt, erscheint es aber sinnvoll, sich einige Gedanken über die Angemessenheit der Petition zu machen.

Eine Petition ist ja nicht einfach nur eine Bitte, eine kollektive Meinungsäußerung oder ein öffentlichen Votum. Eine Petition richtet sich immer an einen Souverän, der die Macht und die Zuständigkeit hat, über eine bestimmte Angelegenheit zu entscheiden. Solche Instanzen sind in Deutschland unter anderem der Bundespräsident, der Bundestag und die Ministerpräsidenten der Länder.

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25.1.14

Seit 200 Jahren ziemlich tot. Johann Gottlieb Fichte (†29. Januar 1814). Gastbeitrag von Ludwig Weimer

Weil ich nicht zur Philosophenzunft gehöre und der Jubiläums-Beitrag sich beschränken muss, blicke ich als Theologe nur auf eine einzige Vorlesung, nämlich die 16. der Reihe „Die Grundzüge des gegenwärtigen Zeitalters“, gehalten in Berlin 1805. Diese Vorlesung finde ich hochbrisant. Dort wird die Frage, wo steht die Zeit jetzt?, nicht mit einer Klage über den Verfall der Religion verbunden, sondern mit den Thesen illustriert:

1. Die Kritik an der Religion und der Verfall der Religion sind gar nicht zu beklagen. 2. Denn es ist nur „Religion“ da: Aberglaube, aber kein Christentum. 3. Das wahre Christentum ist noch gar nicht dagewesen. 4. Und das echte Christentum wäre?
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24.1.14

Lynchmob light

Und täglich meldet SpOn die Wasserstandsmeldungen: 50 000 Teilnehmer, 70 000 Teilnehmer, 130 000 Teilnehmer, die eine "Online-Petition" unterschrieben haben. Gefordert wird den ZDF-Moderator Lanz zu feuern, weil er Sarah Wagenknecht bei ihren Propagandatiraden ins Wort gefallen ist.

Nun kann man ja durchaus unterschiedlicher Meinung sein, was die Moderator-Qualitäten von Lanz betrifft. Es ist oft Geschmackssache, ob man Gegenfragen eines Journalisten als kritisches Nachhaken oder als unhöfliches Nicht-Ausreden-lassen sieht. Klar ist aber, daß Lanz mit allen Gesprächspartnern so umgeht, unabhängig von der politischen Couleur. Wer die Einladung in seine Sendung akzeptiert weiß, was ihn erwartet. Die Petitions-Erstellerin macht sich jedenfalls ziemlich lächerlich mit der Behauptung, Lanz würde einseitig nur gegen "links von der Mitte" vorgehen. Sie hat offenbar seine Interviews mit Lindner oder Lucke nicht gesehen.
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23.1.14

Martin Schulz als EU-Kommissionspräsident oder das Märchen vom Kreidefresser

Nun ist es also raus. Martin Schulz (SPD), aktueller Präsident des Europaparlaments, strebt nach höherem und weiterem. Er möchte EU-Kommissionspräsident werden und damit den Sozialisten José Manuel Barroso…eh nein. Barroso gehört der konservativ-bürgerlichen PSD Portugals an und hat Romano Prodi beerbt, seines Zeichens Wirtschaftswissenschaftler und Mitglied der bürgerlichen Democrazia Cristiana Italiens, der wiederum dem christsozialen Jacques Santer gefolgt war. Wenn das, was mit der Amtszeit Barrosos endet also gleichsam die konservativ-bürgerliche Phase der EU-Kommissionsleitung gewesen ist, dann mag man sich nun die bange Frage stellen, wie man sich die in naher Zukunft möglicherweise beginnende sozialistische Phase vorstellen soll. Zur Einstimmung einige Zitate von Martin Schulz:
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22.1.14

Zitat des Tages: Ökologie und Ökonomie


Die Energiewende ist ein Fass ohne Boden, weil sie zur Beute von unzähligen Subventionsrittern wurde. Die Profiteure (Bundesländer, Landwirte, Hausbesitzer, Handwerker, Investoren, Industrie, Ökoverbände etcetera) sind so mächtig, dass sich kein Politiker mehr traut, an den Besitzständen zu rütteln.
FAZ-Mitherausgeber Holger Steltzner auf der Online-Plattform seiner Zeitung.
 
Kommentar: Hat man das in den deutschen Leitmedien je zuvor so klar und deutlich formuliert gelesen? Für die Leserschaft dieses Blogs mag die oben angeführte Erkenntnis keine Neuigkeit sein; aber ist es nicht ermutigend, wenn Deutschlands Intelligenzblatt Nummer eins diese Tatsache so unumwunden ausspricht?
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21.1.14

Nebenbei bemerkt: das Schulobstgesetz wird geändert

Bekanntlich essen Kinder gerne Spaghetti, Salami und Pommes, vermutlich, weil diese Nahrungsmittel Stoffe enthalten, die dem Körper junger Menschen besonders gut tun. Obst und Gemüse sind viel weniger beliebt, was daran liegen dürfte, dass gewisse Inhaltsstoffe Kindern unzuträglich sind.

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20.1.14

Plädoyer für die aktive Sterbehilfe

Es gibt vermutlich wenige Themen, bei denen es so schwierig ist, keine dezidierte Position einzunehmen wie die Frage nach der Gestaltung des Lebensendes und der Frage, wie man mit dem Thema "Tötung auf Verlangen" umgehen sollte.  Aktuell positioniert sich CDU-Generalsekretär Peter Tauber bereits eindeutig dagegen und führt die ideologischen Leitbegriffe zur Diskussion, wie er sie sich offenbar vorstellt, ("gewerbsmäßige Tötung") sogleich mit ein. Auch Franz Müntefering, der vor wenigen Jahren seine Frau durch Krebs verloren hat, positionierte sich  gegen aktive Sterbehilfe. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) fordert darüber hinaus eine Verschärfung der gegenwärtigen Gesetze, indem auch die momentan noch straffreie Beihilfe zum Suizid (z. B. durch Bereitstellung geeigneter Substanzen) künftig unter Strafe gestellt werden soll. Man kann nur hoffen, daß die Debatte vor der kommenden Novellierung des entsprechenden Gesetzes nicht zu einem Glaubenskrieg ausartet, sondern an der Vernunft orientiert geführt werden wird.
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19.1.14

Gedanken über moralische Politik und politische Moral. Ein Gastbeitrag von nachdenken_schmerzt_nicht

Was ist Moral? - Der Mensch ist meiner Auffassung nach ein spirituelles Wesen, welches ohne einen sinnstiftenden geistigen Überbau nicht sein kann. Diesen Überbau kann man Religion nennen. Eigentlich immer ist er mit einem Gott, einem höheren Wesen verbunden, das nur manchmal anders genannt wird. Eine „säkularisierte“ Gesellschaft glaubt zum Beispiel lieber an so etwas wie „Mutter Erde“ ,das „Primat der Natur“ oder (frei nach Schiller) dass alle Menschen Brüder werden müssen.
Dieser (ich nenne es einmal) geistige Überbau der Menschen, ist der Ursprung ihrer Moral – denn logischer Weise sollte der „größte geistige Wert“ eines sozialen Gefüges auch darüber entscheiden was „gut“ und was „böse“ ist. Und die Entscheidung über „gut“ und „böse“ prägt das, was wir als Kultur verstehen ganz wesentlich. In dieser Logik ist für mich dann auch, nebenbei bemerkt, selbstverständlich, dass es absolut unsinnig ist zu versuchen, Kultur und Religion getrennt sehen zu wollen.
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 "Ein genialischer Mann mit tausend Unarten" 


So charakterisierte gegen Ende ihrer professionellen Verlagsbeziehung Lektor Kurt Marek gegenüber seinem Chef Ernst Rowohlt den wohl unzugänglichsten und beratungsresistentesten Autor seines Hauses: Arno Schmidt - dessen Bücher zwar in ihrer Radikalität, sowohl der ästhetischen wie auch in ihrer Schroffheit gegenüber allem Zeitgeistigen wie Traditionellem weit über alles hinausgingen, was nach der "Stunde Null" und der "Trümmerliteratur"angesagt gewesen war, die aber wie Blei in den Regalen lagen. Von seinem Erstlingswerk, dem "Leviathan", waren nach vier Jahren, bis Ende 1953, gerade einmal 400 Exemplare abgesetzt worden, von den nachfolgenden Bänden nicht einmal die Hälfte.

Im Grunde ist es dabei bis heute geblieben: ein Autor, der für den Großteil des Publikums ein Namen mit einigen, in diesem Fall sehr charakteristischen "Ecken & Kanten" ist, eher eine Marke als eine vertraute Präsenz, charakterisiert durch seine forcierte Modernität im Formalen: das Aufbrechen der Orthographie wie der verwendeten Sprache, in der wild die entlegensten Fundstücke aus verschollener Stubengelehrsamkeit mit groben Zoten durcheinanderschießen. Anspielungen und Zitate, die mitunter selbst Bücherfresser, wie "Schmidt= selber" einer war, hoffnungslos überfordern schlagen unvermittelt in apodiktische Verdammungen um, bei denen man das Gefühl hat, sie könnten alles und jedes treffen: die Klassiker des Literaturkanons wie Goethe oder Stifter ebenso wie den Zeitgeist der Gegenwart, die Politik sowieso, die Politiker noch mehr und die Religion en gros (als Prinzip also) wie en detail (also in allen ihren konkreten Ausprägungen) noch einmal in verschärftem Maße. Nicht jeder hat "AS" die bemühte Selbststilisierung zum "Schreckensmann", zum Berserker gegen Gott und die Welt, wie er sie beispielsweise bei Wezel oder Joyce vorgeprägt sah, abgenommen: zu sehr klang das nach einer forcierten Rolle. 















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16.1.14

Höhere Steuern gegen Kinderarmut? Ein Gastbeitrag von Christoph

Zwei Drittel (66 %) der Deutschen wären bereit, höhere Steuern zu zahlen, um die Kinderarmut zu bekämpfen. So steht es in einer Pressemitteilung des Deutschen Kinderhilfswerks, das eine entsprechende Umfrage beauftragt hatte. Nachrichtenseiten, Fernsehsender und Zeitungen berichten davon. Ähnlich viele Menschen finden, dass Kindergeld und die Hartz-IV-Sätze für Kinder zu erhöhen seien – dass Staat und Gesellschaft überhaupt zu wenig gegen Kinderarmut täten.

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15.1.14

Kontra: Warum ich nichts von DE-Mail halte.



DE-Mail ist zunächst mal eine interessante Idee: Die Möglichkeit Dinge elektronisch innerhalb von Minuten zuzustellen und das zu einem Bruchteil der Kosten einer gerichtlichen Zustellung, ja sogar mit Kosten, die sich unter dem eines Standard-Briefes bewegen. Es entfällt sogar die Notwendigkeit einen Brief auch nur auszudrucken. Bequem, schnell & günstig, so könnte man das Produkt bewerben.
Wenn da nicht, ja, wenn da nicht etwas Wichtiges fehlen würde: Sicherheit.

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14.1.14

Meckerecke: Von Unbedenklichkeitsbescheinigungen und Gesslerhüten


In Internetnutzerkreisen dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben, was ein Shitstorm ist. Dessen stimmungsmäßiger Widerpart, der sogenannte Candystorm, erfreut sich im Vergleich dazu einer geringeren Bekanntheit und einer niedrigeren Anwendungsfrequenz. Zielscheibe eines vielbeachteten virtuellen Zuckerlbombardements (Synonyme: Flauschstorm, Lovestorm) war die von der Parteibasis der Grünen als Bundestagswahl-Spitzenkandidatin verschmähte Claudia Roth.

Die Qualitätsmedien rümpfen zwar oft und gerne über die plebejischen Sitten im Neuland des World Wide Web die nach oben gerichtete Nase. Den Karamellenwurf vom Faschingswagen verschmäht aber auch der Premium-Journalist nicht, wenngleich er einen solchen Ermutigungsakt wohl eher mit einer Vokabel wie „Solidaritätsadresse“ bezeichnen würde.

Den jüngsten derartigen Verbalsupport erhielt der ehemalige Fußballprofi Thomas Hitzlsperger, der nun nach dem Ende seiner Sportlerkarriere seine Homosexualität öffentlich gemacht hat. Dieses Coming-out mochte man – im Vergleich zu anderen auf der Tagesordnung stehenden Themen – als reichlich uninteressant empfinden. Das Medienecho war nichtsdestoweniger enorm: Beim gefühlt fünfzigsten Artikel, der einem in den Online-Portalen der großen Tages- und Wochenzeitungen mit den immergleichen Textbausteinen „Mut“ und „Respekt“ entgegensprang, dürfte sich wohl bei vielen Betrachtern ein gewisser Überdruss eingestellt haben.
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