17.11.14

Alles wird gut. Oder besser. Ein Gedankensplitter zur Zukunft und wider den Fatalismus.



Liest man in Deutschland Zeitungen, schaut die eine oder andere mehr oder weniger investigative Nachrichtensendung oder gar eine politische Talkshow, so muss man unweigerlich zu dem Ergebnis kommen, dass nicht nur unsere Gesellschaft, nein, die ganze Menschheit kurz vor dem Kollaps steht und das der Homo sapiens nach einer kurzen Geschichte von knapp 6000 Jahren nun endlich von dem Antlitz dieser Erde getilgt werden wird. (Gerade letzterer Gedanke scheint bei dem einen oder anderen Umweltbewegten sogar eine nicht mal wirklich verhehlte Wunschvorstellung zu sein.) Aber selbst wenn man nicht zu den selbsthassenden Elementen der Gattung Mensch gehört, so wird man schnell angesteckt von diesem permanenten Schlechtreden der Zukunft. Und es ist inzwischen auch wirklich typisch deutsch in allen Entwicklungen gleich immer die Schlechteste aller Folgen sehen zu wollen und dieser Autor kann sich, als Angehöriger eben dieses Volksstammes, auch oftmals nicht davon frei machen. Und das obwohl bei tieferem Nachdenken eigentlich meistens eines klar wird: Dass das alles ganz großer Kappes ist.

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13.11.14

Hohe Haftstrafen ? Ein paar kleine Gedanken zu Proportion und moderner Justiz

Heute ist das Urteil im "Düsseldorfer Al Kaida Prozess" gefallen. Und wenn es nach der Schlagzeile einiger Nachrichtenmagazine geht, so sind dort Urteile mit hohen Haftstrafen verhängt worden. Liest man es dagegen nach kommen diesem Autor doch erhebliche Zweifel an der Sichtweise der deutschen Presse oder auch an der deutschen Justiz an sich.
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11.11.14

Die Evolution kennt keine Moral (Teil 2). Gastbeitrag von Ludwig Weimer

Terror, Kriege und Leid zeigen eine steigende Tendenz.

Die Frage war, ob die Naturwissenschaft gegen das Böse in der Menschenwelt helfen könne und ob sie dafür nicht auf einen anderen Bundesgenossen angewiesen sei. Zweifellos hat sie ja eine Mitverantwortung, da ihre Ausnutzung zu technischen Fortschritten auch die Gefahren erhöht.

Der Philosoph Hans Jonas war von dem Gedanken bewegt, wie sehr das Abenteuer des Lebens und des Geistes auf diesem Planeten in unsere Hände gelegt ist. Es sei die Pflicht der Wissensmacht, das kosmische Abenteuer nicht scheitern zu lassen. Er hatte eine bescheidene Hoffnung: Kein irdisches Paradies, aber eine „Weiterwohnlichkeit der Welt“.

Ob das Raumzeitabenteuer Mensch und Geist im Wollen eines außermateriellen Geistes begründet sei, sei eine Glaubenssache und kein Ergebnis der Naturwissenschaft, sagt er. Mit dem Menschen erscheinen das Wissen, die Freiheit und die Verantwortung. Die Unschuld des Lebens sei zuende, die Dinosaurier-Unschuld auch, es agieren nun Gut und Böse.

Die Schuld von Auschwitz belaste den Gott der Gläubigen, sie müssten ihn reinwaschen.

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10.11.14

Die Evolution kennt keine Moral (Teil 1). Gastbeitrag von Ludwig Weimer

Erstmals, am 12. November, landet eine Raumsonde auf einem Kometen, um ihn anzubohren, den 4,5 Milliarden Jahre alten Brocken 67P/C-G, einen Zeugen des Anfangsstadiums unseres Sonnensystems. Zehn Jahre ist sie gereist, eine Milliarde Euro kostet es. Die Erwartung ist groß: Enthält der Komet die Bausteine, aus denen auf der Erde das Leben entstand? Dann gibt es vielleicht im ganzen All die Chance?

Vielleicht glücken die Messungen, und wir wissen etwas mehr über das Leben. Wie aber kam der Geist in die Materie? Der Urknall, die Atome, die Galaxien brauchten noch keine Geistinformation. Es genügt, wenn unser Planet erst im Menschen über sich nachzudenken beginnt und Kultur, Moral, Religion, die Wissenschaften entwickelt.

Wie aber kam der Mensch evolutiv zu Geist, Technik und Ethik? „Die Evolution als der neue Demiurg kennt die Kategorie des Moralischen nicht“ (J. Ratzinger). Die Naturwissenschaft bleibt bei ihren Fragen.

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9.11.14

Deutscher Gedunk und zwei Beispiele, was der Fall der Mauer wirklich bedeutete

Gedenken in Deutschland ist eine ernste Sache. Verfolgt man die Medienberichterstattung, so geht es - gerade bei offiziellen Anlässen - um die "richtige" Form, die "richtigen" Worte. Darf der Biermann im Bundestag auf die Linke schimpfen; und wenn er es tut, darf ihm der Parlamentspräsident die Hand schütteln? Darf man Unrechtsstaat sagen, oder ist das jetzt "Interzonenautobahn"? Die kommentierenden Journalisten wirken wie Kiebitze beim Kartenspiel, die gespannt darauf warten, bis ein Spieler z. B. Herz ausspielt, um sogleich lauthals auszurufen, dass Eichel die bessere Wahl gewesen wäre.

Vor allem natürlich darum, wem gerade nicht gedacht wird. Die sind nämlich ausgeschlossen, und das ist dem deutschen Gedunk (frei nach B. Matzbach) unerträglich:

Kann man des Mauerfalls gedenken, wenn doch eine gar um vieles schröcklichere Mauer in der Westbank steht? Wie der Mauertoten, wenn an Europas Außengrenzen Flüchtlinge ums Leben kommen?  

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Die Justizialisierung der Verfassung und der Liberalismus

In Deutschland hat der klassischen Liberalismus generell einen schweren Stand. Gerade auch aktuell wird dies deutlich, in einer Zeit, in der nicht nur die sächsische FDP aus dem Landtag gewählt wird, sondern auch ganz offen in wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fragen ein Mehltau, der innere Harmonie und konformistisches Gemeinschaftsgefühl anstrebt, zunimmt statt abnimmt und Abweichlertum als zerstörerischer Egoismus gebrandmarkt wird, der im übrigen wie selbstverständlich als Hauptursache für all die kollektivistischen Verirrungen der Weltgeschichte angesehen wird.  

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8.11.14

Belege und Propaganda. Ein Nachtrag.


In der Diskussion um Putins außenpolitische Doktrin gab es ja immer wieder den Vergleich mit Hitler und dem sogenannten Nichtangriffspakt, der zur Aufteilung Polens und zur Annektierung der baltischen Republiken führte. Dieser Vergleich wurde in der öffentlichen Diskussion immer wieder zurückgewiesen, auch hier im Forum. 
Nicht zuletzt wegen mangelnder Belege, was ja auch zutreffend war. 

Nun gibt es einen Beleg. 
Es fing an mit einer zurückgenommenen Behauptung des ehemaligen polnischen Außenministers Sikorski bezüglich eines Angebots Putins an den ehemaligen polnischen Regierungschefs Tusk, die Ukraine untereinander aufzuteilen. 

Nun schreibt die NYT lt. t-online, dass Putin eben diesen Hitler-Stalin-Pakt verteidigt. 

Ich denke es ist von Bedeutung, die Sicht Putins auf diesen Aufteilungspakt bei einer Beurteilung seiner Außenpolitik zu berücksichtigen. 
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7.11.14

Der elende Rest


Danke Wolf Biermann!
Danke für diesen Auftritt im Deutschen Bundestag. Danke, dass Sie ausgesprochen haben, was kaum ein Parlamentarier zu sagen wagt. Nicht im Parlament und nicht in einer Talkshow.

Danke, diesen elenden Rest deutscher Diktatur der sich im Bundestag breit gemacht hat, obwohl er dort nichts zu suchen hat, zu benennen. Der sich wählen lässt, um eines Tages die parlamentarische Demokratie zu überwinden, wie er sagt. 
In ein Parlament das er verachtet. Dessen Ruf er mit antisemitischen und dem Terrorismus verbundenen Abgeordneten beschädigt. Die damals wie heute eine Diktatur in Deutschland errichten wollen.
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6.11.14

Die Telekom und die deutsche Email oder was manche von ihren Kunden denken.



„Deutsche Emails bleiben auf deutschem Boden“, so ähnlich könnte man den neuesten Beitrag der Telekom zum innerdeutschen Providerwettbewerb umschreiben. Ein etwas kurioses Ansinnen, das doch einer gewissen Reflektion bedarf. Doch der Reihe nach.
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5.11.14

Meckerecke: Das geistige Herz

In seinen großartigen Philippiken "Jedem das Seine" und "Vergesst Auschwitz" findet Henryk M. Broder scharfzüngige Worte gegen die "Erinnerungskultur". Schonungslos zeigt er auf, dass das Gedenken häufig zum Selbstzweck verkommt: 
Was das Gedenken an Auschwitz angeht, so ist längst der deutsche "Sündenstolz" (Hermann Lübbe) an die Stelle der deutschen Scham getreten – wenn es die je gegeben hat. Wir waren die größten Schurken, jetzt sind wir die größten Büßer.(...)
Ginge es nach mir, würde ich Auschwitz dem Erdboden gleichmachen. Auschwitz ist zu einem Disneyland der Gruselkultur verkommen. Zuletzt hat die Bundesrepublik 60 Millionen Euro zugesagt, um die Baracken vor dem Verfall zu retten und den verrosteten Stacheldraht zu ersetzen. Mich interessiert der letzte Holocaust so sehr wie der Auszug aus Ägypten. Mich interessiert, wie wir die Gegenwart meistern, den nächsten Holocaust verhindern. (...) 
Das Gedenken an die toten Juden hat sich vollkommen von den Opfern gelöst und dient nur noch dazu, den Tätern und deren Nachkommen ein gutes Gefühl zu verschaffen.
Nun ist in der Nacht von Samstag auf Sonntag aus der KZ-Gedenkstätte Dachau die Tür mit dem berühmten Schriftzug "Arbeit macht frei" in einem aufwendigen Raubzug abmontiert und entwendet worden. Im Verdacht stehen entweder Neonazis (die eine ähnliche Aktion vor fünf Jahren in Auschwitz verübt haben) oder - als Auftraggeber - Sammler von Artefakten mit mehr als makabrer Historie. Schtonk lässt grüßen. 

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1.11.14

Wie die gewünschte Konformität zur Vielfalt umgedeutet und Intoleranz als Toleranz verstanden wird. Ein Gastbeitrag von nachdenken_schmerzt_nicht


Mit 
Meine Homosexualität ist ein Geschenk Gottes 
und 
Ich bin Stolz darauf schwul zu sein 
wird Tim Cook zitiert, seines Zeichens Konzernchef von Apple. In den sozialen Netzwerken und Medien wird er dafür goutiert.
Bei mir stellte sich folgender Gedanke ein:
Was wäre wenn,…… irgendein Politiker, Konzernlenker, irgendein Mensch des öffentlichen Lebens mit folgendem Statement an die Öffentlichkeit träte: "Ich bin stolz darauf heterosexuell zu sein. Meine Heterosexualität ist ein Geschenk Gottes."
Ich wage vorauszusagen, dass es mediale und öffentliche Kritik und Empörung hageln würde, über Diskriminierung und das dahinter liegende Verachtens würdige Menschenbild. Der Untergang der freien und offenen Gesellschaft wäre mediales Dauerthema. Man würde assoziieren (und das womöglich nicht einmal zu Unrecht), dass der Sprecher solcher Zeilen Ressentiments hegt; Ressentiments gegen Menschen mit anderen Lebensentwürfen als seinem eigenen.
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29.10.14

Datenschatten

Die allgegenwärtigen Gefahren des Fortschritts waren den Grünen seit Gründung ein besonderes Anliegen. Und da sie trotz beständiger Verbotsforderungen auch irgendwie ein bißchen Bürgerrechtspartei spielen wollen, kümmern sie sich auch gerne um die Gefahren des Internets.

Freundlich begleitet von der "Qualitätspresse" will sich nun ein Herr Spitz als Datenschützer profilieren. Er hat dazu bei Firmen und Behörden nachgefragt, was diese über ihn speichern und präsentiert das Ergebnis nun der Öffentlichkeit.
Ein aus seiner Sicht "erschreckendes Ergebnis".
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27.10.14

Wenn die Quotis die Quote fürchten: Eine kleine Anmerkung zu Frauenquote und Mitbestimmung.


Ein kleines Streiflicht ist mir in der FAZ begegnet: Da rebellieren Betriebsräte gegen die Frauenquote in Aufsichtsräten. Das klingt auf den ersten Blick gar nicht so dramatisch, warum sollte sich ein Betriebsrat nicht auch zu Dingen äußern, die seinem Unternehmen eventuell schaden könnten? Oder die gegen den Willen seines Unternehmens einfach von der Politik installiert werden?
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25.10.14

Der Heilige Römische Rechtsstaat und Preußens Gloria

Das Bundesverfassungsgericht gilt gemeinhin als eine der größten Errungenschaften des demokratischen Nachkriegsdeutschlands. Die ausgeprägte Verfassungsgerichtsbarkeit gilt als eine der größten politischen Exporterfolge des deutschen Verfassungsstaates, wenngleich das Konzept eines eigenständigen Spezialgerichtes für Verfassungsfragen, das auch von sich in ihren Verfassungsrechten verletzt sehenden Individuen angerufen werden kann und dabei weitreichende Kompetenzen bis zur Normenkontrolle selbst legislativer Handlungen in sich vereint, zuerst in Österreich ausgearbeitet und ausgereift umgesetzt wurde.
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23.10.14

Arno Schmidt, wieder einmal: Tellingstedt, Oktober 2014

Arno Schmidt war, neben vielem anderem - ein zorniger Chronist der frühen Bundesrepublik, ein "Wortmetz", der die Sprache zu zerlegen & neu zusammensetzen wollte, ein Hüter entlegener literarischer "Privataltertümer" - auch, das, wass man ohne Umschweife einen Science-Fiction-Autor nennen darf. Allerdings haben seine Werke auch hier einen persönlichen *touch*, einen Dreh, der sie von allem, was in der Nachkriegsliteratur, und in der bundesdeutschen zumal, unterscheidet. Die längere Erzählung "Schwarze Spiegel" von 1951 schildert das Überleben und die misanthropische Erleichterung eines Erzählers im Jahr 1960, fünf Jahre nachdem ein Atomkrieg ihn von der lästigen Gegenwart des Restes der Menschheit befreit hat: "Das Experiment Mensch, das stinkige, hat aufgehört!" Der im so imaginierten Jahr 1960 entstandene Roman "Kaff auch Mare Crisium" spielt auf zwei Erzählebenen: zum einen in einem gottvergessenen Dorf in der niederdeutschen Wacholdersteppe, zum anderen in einer zeitlich nicht näher bestimmten, aber nahen Zukunft auf zwei Mondstationen, einer amerikanischen und einer russischen, in der die letzten Menschen die Vernichtung des Lebens auf der Erde überstanden haben. Schmidts letzter, nur zu einem Drittel fertiggewordener Roman "Julia, oder Die Gemälde" sollte in seiner zweiten Hälfte aus der Erzählgegenwart des Jahres 1979 zwanzig Jahre in die Zukunft überblenden.



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20.10.14

Die grüne Unzufriedenheit über die mangelhafte Schlagkraft. Nein, nicht der Bundeswehr, sondern der Marktwächter.


Was sagt eigentlich unsere deutsche Verbotspartei der Volkserzieherinnen und Volkserzieher zu den neuen Marktwächtern? Freut sie sich auf neue Betätigungsfelder? Auf neue Gängelungsgelegenheiten?

Nein. Sie ist unzufrieden. Außer einem "das fordern wir seit langem" und der  esoterischen Feststellung mit den Wächtern wäre der "Prokon-Skandal" abgewendet worden, keine Spur von Genugtuung. So sind sie eben. Was nicht identisch kopiert wird, findet keinen grünen Segen.

Da kann sich Union noch so verbiegen - falls das überhaupt noch geht.
So schnell lassen sich standhafte Grüne nicht den pflanzlichen Brotaufstrich vom selbst gebackenen Chapata nehmen. 
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19.10.14

Die Marktwächter


Am 12. Juni 2013 lehnte der Bundestag mit der Stimmenmehrheit von Union und FDP die Einführung von Marktwächtern ab.
"Die Marktwirtschaft ist nicht aus dem Lot geraten", war die Antwort von Ralph Brinkhaus auf den Antrag von SPD/Grünen/Die Linke. Er bezweifelte, dass die Verbraucherzentralen, die diese Überwachung bereitstellen sollten, den Markt objektiv beurteilen können.
Abgesehen von der immer dreister werdenden Vereinnahmung der Konsumenten  durch die sogenannten Verbraucherschützer, könnten die Pläne auch als eine Bevormundung des selbstverantwortlichen Bürgers gesehen werden. Aber angeblich wurden die Bürger ja befragt, dazu später mehr.
Allerdings nicht danach, ob sie nicht vielleicht ein höheres Risiko für eine größere Handlungsfreiheit gerne bereit wären in Kauf zu nehmen.

Das ist nun alles Schnee von gestern.
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16.10.14

Das Expertenunwesen. Ein kurzer Gedankensplitter zu Mogelpackungen und Sprachpanscherei.


Wenn ich ab und an Zeitung lese, dann fällt mir eine Sache auf, die mich zunehmend ärgert: Die Welt besteht zunehmend, zumindest nach Meinung der deutschen Medien, aus Experten. Und was für Experten.
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15.10.14

Sexualaufklärung abnorm. Eine Meckerecke


Ich weiß nicht, ob ich überhaupt jemals explizit aufgeklärt wurde. Geschweige denn, wer mich aufgeklärt hat. Jedenfalls haben mir meine Eltern definitiv nichts über Blümchen und Bienen erzählt, aber als, ich glaube in der 7. oder 8. Klasse, die menschliche Fortpflanzung im Biologieunterricht behandelt wurde, war mir der, ich nenne ihn mal, technische Aspekt schon durchaus  klar.
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14.10.14

Vertraulichkeit und Journalisten. Eine kleine Anmerkung zu den „Kohl Protokollen“ und der Jämmerlichkeit deutscher Verlage.

Helmut Kohl hat es in diesen Tagen nicht leicht. Sein selbst empfundenes Lebenswerk, die europäische Einigung, holpert sich die Straße lang, die von ihm wenig verehrte Kanzlerin schickt sich an seine eigene „ewige Kanzlerschaft“ zumindest zeitlich in den Schatten zu stellen und obendrein muss er sich mit einem wenig schmeichelhaften Buch herumschlagen, dass nie hätte erscheinen sollen. Die ersteren beiden Dinge sind eher unvermeidlich, letzteres dagegen ist eher ein Ausweis der Jämmerlichkeit unseres Staates und nicht zuletzt auch unserer Gesellschaft, die dies nicht stärker ahndet.

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11.10.14

Wie uns die Prohibition abhängig macht

Als am 16. Januar 1920, ein Jahr nach der Ratifikation der 18. Verfassungszusatzes, die Prohibition den den Vereinigten Staaten begann, hatte wohl keiner ihrer Befürworter und auch keine ihrer Befürworterinnen damit gerechnet, wie gründlich dieses "noble Experiment" zur Errichtung einer nüchternen Gesellschaft gescheitert ist.
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6.10.14

Zitat des Tages: Die subtile Begriffsverdrehung des Gregor Gysi

Wenn ich die DDR als Unrechtsstaat bezeichne, dann erkläre ich, dass die drei Westmächte das Recht hatten, die Bundesrepublik zu gründen, die Sowjetunion aber als Antwort nicht das Recht hatte, die DDR zu gründen.

Gregor Gysi, als Reaktion auf die Bedingung für eine rotrotgrüne Koalition seitens Bündnis90/Die Grünen, die Linkspartei müsse den unrechtsstaatlichen Charakter DDR anerkennen.
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30.9.14

Warum Distanzierungen nicht genug sind und man doch nicht mehr machen kann.


Mein geschätzter Mitautor Erling Plaethe hat seine Sicht zur Haltung der Islamverbände in Deutschland zur Barbarei der ISIS beschrieben. Er freut sich über die Stellungnahmen, die endlich eine klare Distanzierung zum Terror des „islamischen Staates“ erkennen lassen, eine Distanzierung, die selbst nach Aussage von Aiman Mazyek recht spät kommt. Ich möchte dem an dieser Stelle einen kleinen Kontrapunkt entgegenstellen.
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Vom Versuch zu verstehen, dass Islam nicht Islam ist.


Was der IS erreichen will und was auch schon das Ziel der Al-Qaida war - seinen Krieg nach Europa tragen - nimmt immer mehr Form an. Der IS steht an der türkischen Grenze und sammelt  dort seine Kräfte. 
Die politische Türkei, von der Regierung zum neuen Präsidenten Erdogan bis zur AKP, wird gezwungen sich zu positionieren. Die Türkei ist keineswegs so bereit sich gegen den IS zu stellen, wie dies die islamischen Verbände in Deutschland tun. Und das obwohl sie größtenteils von der Türkei bezahlt und gelenkt werden. 

Keiner weiß was der andere wirklich denkt. Noch weniger hat der eine Ahnung von einem religiösen Menschen, der eine anderen oder keiner Religion folgt.  Das Wort "Opfer" selbst vielfach geopfert. Skepsis ist deshalb durchaus angebracht.  
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28.9.14

Strategie auf Neudeutsch

Deutschland hat sich beharrlich gewehrt und geziert nicht bei der neuen Koalition der Willigen mitmachen zu müssen. Während das kleine Dänemark sieben F-16 Kampfflugzeuge schickt, Saudi Arabien gar einen leibhaftigen Prinzen im Kampfjet und die Arabischen Emirate eine Lady Liberty in einem solchen, hat Deutschland eine aktive Beteiligung kategorisch ausgeschlossen.
"Weder sind wir gefragt worden, das zu tun, noch werden wir das tun."
Das sagte unser Außenminister Frank-Walter Steinmeier am 11.9., dem Jahrestag der Terroranschläge auf New York, dem Pentagon und dem verhinderten Anschlag auf das Weiße Haus.

Deutschlands Beteiligung besteht nun erst einmal darin, Gewehre, Pistolen und Panzerfäuste in den kurdischen Nordirak zu schicken - mit Ausbildern. Die sollen den Kämpfern zeigen, wie man so etwas benutzt.
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25.9.14

Dummes, kurz kommentiert: Siggy Pop und die Programmiersprachen

Wer heute die Zeitung gelesen hat, der könnte über ein paar Aussagen von Sigmar Gabriel gestolpert sein. Mir sind vor allem zwei dieser Sätze aufgefallen: "Programmiersprachen gehören zu den Sprachen des 21. Jahrhunderts" und "Für mich wäre eine der Möglichkeiten, Programmiersprachen als zweite Fremdsprache in Schulen anzubieten."
Es sind zwei schöne, einfache Sätze, die die Technikaffinität unseres Vizekanzlers unterstreichen sollen. Und gleichzeitig sind sie unglaublich dumm und belegen genau das Gegenteil.
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24.9.14

Plädoyer für eine Anpassung des Lebkuchenangebotes gemäß den Gepflogenheiten vor dem Dreißigjährigen Krieg

Es ist Ende September. Der Altweibersommer oder Somst, wie ihn Zettel nannte, geht vorüber. Die Heizung läuft noch nicht, aber der Kamin wird jeden Abend angefeuert. 
Es ist in der Tat eine schöne Zeit, überall Farben und auch in der Kleidung schwingt noch der Sommer.
Es heißt Abschied nehmen von den warmen Jahreszeiten.
Um es sich leichter zu machen, kauft man wieder mehr Süßes. Gebäck zum Beispiel. Oder Marzipan. Ginge es nach mir, wäre das ganze Jahr über Marzipan-Zeit.
Und Lebkuchen-Zeit. 
Die gab es vor dem Dreißigjährigen Krieg in Nürnberg tatsächlich das ganze Jahr. Entbehrungen danach machten es notwendig die Zeit einzuschränken, in der das leckere Gebäck angeboten werden konnte.  
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21.9.14

Gut, dass wir die industrielle Revolution hinter uns haben. Ein kleiner Gedankensplitter zum Thema Sicherheit, Mündigkeit und selber denken.


Das Leben ist lebensgefährlich hat schon Erich Kästner vor vielen Jahren erkannt. Und weil das so ist, wird es auch jedes Jahr gerne wieder bestätigt, wenn Menschen an Krankheiten, dem Alter oder an Unfällen sterben. Gerade letztere werden dabei immer als besonders tragisch angesehen, weil man sie ja vielleicht hätte vermeiden können. Unfälle kann man doch schließlich verhindern, oder nicht?
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19.9.14

Zitat des Tages: Von Einheit der Parteien zur Einheitspartei

Ohne Einheit von Sozialdemokraten und Sozialisten bleibt Angela Merkel im Amt, solange sie das Wort "Kanzler" sagen kann.
Jakob Augstein


Kommentar:

Man kann Jakob Augstein vieles vorwerfen. Aber zwei Qualitäten sollte man ihm nicht absprechen.

Die erste ist die sprachliche Qualität seiner Texte.

Das zweite ist seine politische und historische Bildung.

Wenn also Augstein in einem Text über die anstehende Regierungsbildung in Thüringen nicht von Kooperation, Koalition, Schulterschluss oder einem vergleichbaren Begriff, sondern explizit von "Einheit von Sozialdemokraten und Sozialisten" spricht, passiert das nicht aus Versehen

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Zurück nach West Lothian


West Lothian war ein schottischer Wahlkreis vor den Türen Edinburghs. Bekannt durch die Frage, die sein Abgeordneter Tam Dalyell bei der Diskussion um die Etablierung eines eigenen schottischen Parlaments formulierte:
For how long will English constituencies and English Honourable members tolerate ... at least 119 Honourable Members from Scotland, Wales and Northern Ireland exercising an important, and probably often decisive, effect on English politics while they themselves have no say in the same matters in Scotland, Wales and Northern Ireland?
Wie lange werden es englische Wähler und Abgeordnete hinnehmen ... daß 119 Abgeordnete aus Schottland, Wales und Nordirland einen wichtigen, oft entscheidenden Einfluß auf die englische Politik haben, während sie selber bei den gleichen Themen in Schottland, Wales und Nordirland nichts zu sagen haben?

Denn die "Devolution" genannte Föderalisierung im Vereinigten Königreich erfolgte seltsam unsymmetrisch: Die historischen Länder Schottland, Wales und Nordirland bekamen eigene Parlamente mit weitreichenden Befugnissen, die ihnen deutlich mehr Autonomie ermöglichen als deutsche Bundesländer sie haben.
England dagegen blieb alleine dem gemeinsamen britischen Parlament unterworfen, hat keinerlei Eigenständigkeit, und die Regierung in London regiert mit einem Zentralismus direkt bis in die Gemeinden hinein, der auf dem Kontinent kaum vorstellbar ist.

Mit dem Scheitern des Unabhängigkeits-Referendums in Schottland wird sich diese Frage neu stellen.
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16.9.14

Arbeit lohnt sich nicht


"Wenn sich Arbeit nicht lohnt" ist der Titel eines Artikels von Christiane Link, der auf der Homepage hinter dem Link "Arbeit lohnt sich nicht" lauerte. Welcher Homepage? Sie werden staunen: Zeit.de
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15.9.14

Die Puppe in der Puppe

Der Preis für das unklarste und umstrittenste Konstrukt im Völkerrecht geht wohl eindeutig an das "Selbstbestimmungsrecht der Völker". Viele berufen sich darauf, aber es gibt nicht annähernd einen Konsens, wem dieses Recht eigentlich zusteht und wie man es nutzen darf.

Einen weitgehenden Konsens gibt es höchstens noch im Negativen: Es wäre wohl kaum sinnvoll und durchführbar, wenn alle der vielen tausend Völker dieser Erde, die meist bunt gemischt durcheinander leben, nun einen eigenständigen unabhängigen Staat mit klaren Grenzen etablieren würden.

Unklar ist auch, was eigentlich ein "Volk" genau sein soll. Gibt es in Lateinamerika wirklich 20 verschiedene Völker, die alle spanisch sprechen, katholisch geprägt sind und einen gemeinsamen historischen und kulturellen Hintergrund haben? Und in denen indigene Völker leben, von denen keines einen eigenen Staat hat? Nach welchen Kriterien soll eigentlich Österreich ein selbständiges Volk sein?
Ist die Bevölkerung der Krim eigentlich ein eigenes Volk, das über seine Zukunft selber entscheiden darf? Oder sind die Bewohner von Luhansk ein solches Volk?
Wieso eigentlich sollen die Bewohner des historischen Königreichs Schottland ein Volk sein, die Bewohner des historischen Königreichs Kent aber nicht?

Oder mal ganz generell gefragt: Wenn schon die Kriterien für "Volk" so undefiniert sind, wo fängt das Selbstbestimmungsrecht denn an, und wo hört es wieder auf?
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14.9.14

Manipulierte Schuldgefühle


"Nicht mehr zur Wahl zu gehen ist nach meiner Überzeugung nicht viel weniger unmoralisch als die Weigerung, seine Steuern zu zahlen."
Der frühere Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Hans-Jürgen Papier, von dem dieses Zitat stammt, hält es für eine moralische Mindestpflicht wählen zu gehen. Dies ist seine Überzeugung. Natürlich hat auch Herr Papier das Recht seine Meinung zu äußern, allerdings wiegt diese Meinung viel schwerer als von irgendeinem anderen Bürger der nicht Mitglied des obersten Gerichts in diesem Land war und über die Einhaltung des Grundgesetzes wachte.

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10.9.14

Schottische Schimären

Es ist völlig offen, wie das Referendum zur schottischen Unabhängigkeit ausgehen wird. Ob wir ein zweites Bannockburn oder ein zweites Darién erleben werden.

Aber ich finde es erstaunlich, wie diese Inselentscheidung in Deutschland Phantasien beflügelt.
Einige glauben, daß sich hier EU-Ablehnung Bahn bricht und die Eurokraten in Brüssel schon vor dem schottischen Votum zittern würden.
Andere meinen, daß Staatsskepsis dominiert, die Abspaltung Schottlands wäre "kein schlechter Weg, um den leviathanischen Tendenzen unserer Zeit entgegenzuwirken."
Und in allen möglichen Zeitungen fallen Journalisten auf die Propaganda des SNP-Chefs herein und spekulieren, daß die Schotten weiterhin das englische Pfund nutzen würden.

Solche Kommentare sagen wohl mehr aus über die Wünsche und Gefühlslage der Autoren als über ihre Kenntnis der schottischen Gegebenheiten.
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8.9.14

Putins Imperialismus


Als Anfang März der geschätzte Kollege R.A. in seinem Artikel "Der Schatten von München" Parallelen zwischen dem Vorgehen der deutschen Nationalsozialisten und Putin bei der Annektierung fremden Territoriums aufzeigte, war die Rede auf die ich eingehen will, schon gehalten, der Plan längst ausgearbeitet und auch die russischen Soldaten - über deren Funktion noch diskutiert wurde - bereits seit langem mit seiner Ausführung beschäftigt.
Was nur anhand von Indizien vermutet werden konnte, wurde mit der Zeit zur Gewissheit. Auch, dass der russische Präsident kein Problem mit der öffentlichen Behauptung des genauen Gegenteils der Realität hat um später die Realität dann doch einzuräumen - in Bezug auf die Anwesenheit von russischen Soldaten auf der gesamten Krim.
Am 29.8.2014 hörte man von ihm, ein Teil seiner Soldaten hätte sich in der Südukraine verirrt, weil die Grenze nicht eindeutig zu erkennen ist.

Die Ukraine fühlt sich nun genötigt sie bautechnisch sichtbar werden zu lassen.
Das wird aber den Russischen Präsidenten nicht davon abhalten, russische Soldaten zum "Schutz von Russen im Ausland" (seit einer Gesetzesänderung 2009 ohne Zustimmung des Föderationsrates) zu Auslandseinsätzen zu entsenden.
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6.9.14

Und am Ende will es wieder keiner gewesen sein...

... wenn eine totalitäre Bewegung das nötige Biotop entwickeln konnte, um ihre eigenen, uniformierten, ideologisch gefestigten Sicherheitskräfte zu rekrutieren und auf die Straßen zu schicken.
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Bremsen mit der NATO-Russland-Akte?

Deutschland hat ein sehr spezielles Verhältnis zu Russland. Als Geburtshelfer der kommunistischen Revolution unter Führung von Lenin versuchte es so den Ausgang des ersten Weltkriegs zu seinen Gunsten zu wenden - durch die Befriedung der Ostfront und der Beendigung des Zweifrontenkrieges. 
Die Folge war die Ausbreitung des Kommunismus auf ganz Europa.
Nach dem Ende der kommunistischen Herrschaft und der Sowjetunion hoffte nicht nur Deutschland auf einen Pakt mit dem langjährigen Feind. Ganz Europa tat dies.

Aber es gab auch Skeptiker. 
Länder wie Polen, die nach dem Überfall der Sowjetunion 1939 ihre Gebiete nicht zurückerhielten, dies aber mit einer neuen Friedensordnung in Europa akzeptierten. Oder wie die baltischen Staaten die durch Russifizierung ihrer Identität beraubt werden sollten und nun endlich ihre Souveränität zurückerhielten.
Diese Länder sind als Mitglieder der NATO wegen ihrer geographischen Lage Frontstaaten. 

Beides, Deutschlands spezielles Verhältnis und die Bedenken der Frontstaaten aufgrund der veränderten Sicherheitslage in Europa durch den Krieg Russlands gegen die Ukraine, bestimmten den NATO-Gipfel dieser Tage in Wales.
Deutschland verweist in der Auseinandersetzung mit Polen und den baltischen Staaten um eine Verstärkung der NATO an den östlichen Außengrenzen des Bündnisse immer wieder auf die NATO-Russland Akte, und bremst. 
Höchste Zeit sich diese mal genauer anzuschauen.
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29.8.14

Der Taxikrieg

Der Feind steht vor der Tür. Ein geldgieriger US-Konzern bedroht mit seinen minderwertigen und die Konsumentenrechte mißachtenden Dienstleistungen die Arbeitsplätze des personenbefördernden Mittelstands in Deutschland.
Oder ist es nicht doch so, daß eine kartellierte Branche ihre altbackenen Privilegien mit Hilfe des Staats verteidigen will und dabei einen innovativen jungen Startup kaputt macht?

"Sharing Economy" heißt der Modebegriff für eine neue Art Internet-basierter Dienstleistungen, bei denen die Startups als Vermittler auftreten, um freie Ressourcen ihrer Nutzer gegen Geld anderen Nutzern zugänglich zu machen. Vom Gästezimmer bis zum Rasenmäher. Oder eben zum Auto. Bzw. der Mitfahrgelegenheit im Privatauto eines anderen Nutzers.

Die konkrete Diskussion macht sich im wesentlichen an Uber fest. Gegen den machen die Taxifahrer mobil, weil sie verständlicherweise die billigere Konkurrenz fürchten. Und sie scheinen die Rechtslage auf ihrer Seite zu haben. Uber mißachtet bewußt bestehende Regelungen wie das Personenbeförderungsgesetz, und wird die Rechtsstreitigkeiten wohl verlieren.
Aber das muß nicht bedeuten, daß die Taxibetriebe gewinnen werden. Denn die öffentliche Diskussion kann auch dazu führen, daß die bestehende Regulierung reformiert oder abgeschafft wird.
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26.8.14

The Big X

I'm not a great movie director. I'm not an auteur, I'm a storyteller. I'm a craftsman.

Ich bin kein großer Filmregisseur. Ich bin kein Autorenfilmer. 

Ich bin Geschichtenerzähler. Ich bin Handwerker.
  

Ein vollbärtiger Lord, der mit dem Rolls-Royce zur Labour-Parteiversammlung fährt; ein Veteran der Royal Air Force, der sein Privatvermögen drangibt, um sich seinen pazifistischen Spleen zu erfüllen; ein Mann, der Humor und Understatement in sich vereint: - kurzum: der perfekte Engländer, wenn man sich einen solchen vorstellen will.

In Deutschland wird Richard Attenborough so gut wie ausschließlich mit einem seiner Werke in Verbindung gebracht - mit seinem 191-minütigen Lendenschurzepos Gandhi. Dass dem so ist, ist kein Zufall und hat weniger mit dem Film selbst als mit dem höchst fruchtbaren Boden zu tun, auf den er gefallen ist.

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24.8.14

Ist der Feind meines Feindes mein Freund?

Sollte aus einem Feind, der auch ein Feind eines anderen Feindes ist, ein Partner werden können?
Folgt man dem Rumoren im internationalen Blätterwald, ist dies bei nicht wenigen politischen Kommentatoren der Fall. Zuweilen wird eine neue Sicherheitsarchitektur gesehen, die dringend gebraucht würde
Es geht um ein Land, dass zu einer Achse des Bösen gezählt wurde. Nicht ohne Grund. Es finanziert die Terrororganisationen Hamas und Hisbollah die Israel vernichten wollen und auch der neu gewählte Präsident will den jüdischen Staat Israel beseitigen.
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21.8.14

Das Land ohne Außenpolitik (3)

Das 18. Jahrhundert war die Hochphase europäischer Diplomatie. Aus den mittelalterlichen Lehnsstrukturen waren handlungsfähige Staaten geworden, die auch ihre Konfessionsfragen weitgehend gelöst hatten. Speziell Frankreich hatte die internen Konflikte überwunden, die es seit dem frühen Mittelalter gelähmt hatten und war in wenigen Generationen zur mit Abstand stärksten Militärmacht des Kontinents geworden.

In dieser neuen Staatenwelt wurde nun über ein Jahrhundert lang um Provinzen und Prestige gekämpft, in immer neuen Koalitionen, mit Versprechungen, Verrat, Bündniswechsel, Krieg und Friedensverhandlungen. Und das deutsche Reich mußte feststellen, daß die traditionelle Binnenbezogenheit nicht mehr ausreichte. Die erste Bedrohung seit 700 Jahren, die durch die Türken, konnte noch rein militärisch zurückgeschlagen werden. Militärisch waren die Deutschen durch ihre internen Kriege gut vorbereitet. Aber für die Bedrohung durch die französische Expansion reichte es nicht, nur Truppen zu stellen. Da brauchte man auch europäische Bündnispartner.
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Ein starkes Stück. Ein Gastbeitrag von Stefan Sasse.

Der demokratische Prozess ist nicht immer einfach, und oft heißt es ja, dass alle Politik Lokalpolitik sei. Das ändert aber wenig daran, dass viele Leute ein Problem mit dem bundesrepublikanischen System haben. Ein Fallbeispiel: Berlin wird bekanntlich seit über einem Jahrzehnt schick. Das führt dazu, dass Immobilienspekulanten vormals eher unattraktive Liegenschaften aufkaufen, sanieren und an eine reiche Klientel verkaufen, was natürlich weniger vereinbar mit alternativen Lebensstilen und Sozialem Wohnungsbau ist. Dies führt bei den Alteingesessenen naturgemäß zu Widerstand. In der taz findet sich ein Interview mit Wolfgang und Barbara Tharra, die seit Mitte der 1960er in Berlin wohnen. Barbara Tharra hat einen Brief an Merkel geschrieben:
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18.8.14

Das Land ohne Außenpolitik (2)

Das alte deutsche Reich war ein sehr großes und vielgestaltiges Gebilde.
Mit vielen Völkern, Sprachen und religiösen Bekenntnissen. Auf dem Reichstag gab es Vertreter mit tschechischer, französischer, dänischer, polnischer oder italienischer Herkunft. Und die Unterschiede zwischen den deutschen Vertretern waren fast so groß: Für einen Schwaben war ein Pommer oder Sachse ähnlich fremd wie ein Däne oder Holländer. Entsprechend unterschiedlich waren auch die Gebräuche und lokalen Rechtsformen.

Aber damit konnten die Reichsangehörigen umgehen. Sie hatten Latein und später Hochdeutsch als gemeinsame Verkehrssprache. Sie gewöhnten sich eine gewisse Toleranz im Umgang mit fremden Sitten an. Und vor allem teilten sie ein im Grundsatz gemeinsames Rechtssystem.
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17.8.14

Das Land ohne Außenpolitik (1)

Am Abend des 10. August 955 riefen die Truppen der deutschen Stämme Otto I zum Imperator aus. Sein Sieg auf dem Lechfeld hatte die Ungarn entscheidend geschlagen. Zwei Generationen lang hatten sie Deutschland verheert, nach ihrer Niederlage schlossen sie dauerhaften Frieden. Nachdem vorher schon die Einfälle der Wikinger beendet werden konnten und Otto im Herbst 955 auch die Abodriten entscheidend besiegte, gab es für die Deutschen keine äußeren Bedrohungen mehr.
Das war ein ganz wesentlicher historischer Wendepunkt – auch wenn er den Zeitgenossen nicht bewußt war. Keiner von ihnen konnte ahnen, daß der Frieden nach außen über viele Jahrhunderte halten würde.

Eine völlige Anomalie in der Weltgeschichte – kein anderes großes Land hat Ähnliches erlebt. Und Deutschland ist bis heute von dieser historischen Erfahrung geprägt.
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15.8.14

Der Captain

Der Tod von Robin Williams hat in den Medien und noch mehr im Internet große Wellen geschlagen. Zu meiner Überraschung – der Name sagte mir überhaupt nichts. Seine wesentlichen Erfolge hatte er Ende der 80er zu einer Zeit, als ich wenig Zeit für Kino hatte. In manchen kleineren Rollen habe ich ihn wohl gesehen, aber nicht besonders wahrgenommen.
Aber offenbar hat insbesondere sein „Club der toten Dichter“ ganze Generationen deutscher Teenager schwer beeindruckt.
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12.8.14

Kulturfalter und Zitronenschaffende im Dienst der richtigen Sache

Am ersten August haben über 400 deutsche "Kulturschaffende" einen offenen Brief "An die Mitglieder des Deutschen Bundestages / An die deutschen Mitglieder des Europäischen Parlaments / An die deutsche Bundesregierung" veröffentlicht.

Der Inhalt ist so widerlich wie vorhersehbar, er ist aus den Forderungen sowie der Propaganda der Hamas eins zu eins übernommen: 
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3.8.14

Wirkungen der Raumplanung. Ein Gedankensplitter zu Bauland, Häusern und Mietwohnungen.


Deutschland ist ein sehr schwer verplantes und damit auch deutlich unfreies Land. Ein Gebiet das dabei nicht so oft diskutiert wird – erstaunlicherweise - ist die Frage was (!) man wo (!) bauen darf. Die Basis dessen ist weniger die Frage wem das Land am Ende gehört, als die Frage was eine Gemeinde in den sogenannten Bauleitplan reingeschrieben hat oder reinzuschreiben gedenkt. Simpel gesagt: Ob und was man auf einem Stück Land etwas bauen darf, entscheidet nicht (!) der Eigentümer eines Grundstückes, sondern der Staat. Eigentlich gibt es so gesehen kein wirkliches Eigentum an Grundstücken in Deutschland, aber das offen zu sagen wäre vielleicht zu auffällig.
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31.7.14

Über freie Assoziation, reale Taten und die deutsche Geschichte. Ein Gastbeitrag als Meckerecke von nachdenken_schmerzt_nicht.

Der wieder aufflammenden Nahost Konflikt ist in diesen Tagen ein zentrales Thema. Man redet sich die Köpfe heiß in einer Melange aus Emotionen, welche vorwiegend Israel als Täter und die Palästinenser als Opfer sieht. 
Vor diesem Hintergrund streitet man mitunter sehr heftig darüber, wo freie Meinungsäußerung endet und Antisemitismus beginnt. Immer wieder liest man davon, was (gerade) wir als Deutsche „dürfen“, „sollten“ und „müßten“ und von unserer besonderen Verantwortung, erwachsen aus der Geschichte. 
Zu der in anderem Zusammenhang schon oft gestellten Frage unseres Zeitgeistes, ob "wir denn als Deutsche" nichts aus unserer Geschichte gelernt hätten, erschließt sich mir dabei, vor diesem Hintergrund, überraschend klar eine Antwort:
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27.7.14

Israel hat keine Lobby

Israel hat keine Lobby. 
Wenn irgendwo auf der Welt sich ein Land mit einem tausendfachen Raketenbeschuss konfrontiert sieht, wird nicht in Frage gestellt, dass es sich verteidigt. Und zumindest die Fähigkeit des Angreifers weitere Raketen abfeuern zu können, einschränkt oder gar langfristig unterbindet.
Keiner würde dem Land einen Waffenstillstand aufnötigen, bevor es seine, für einen wirksamen Schutz seiner Zivilbevölkerung nötigen, militärischen Verteidigungsmaßnahmen abgeschlossen hat.
Kämen die Angriffe noch dazu von einer terroristischen Organisation, wäre natürlich auch  ihre Zerschlagung eine ebenfalls akzeptable Reaktion.
Nicht so im Falle Israels. 
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26.7.14

Danke für den gedeckten Tisch. Ein kleines Dankeschön an zwei verstorbene Brüder samt einer Bemerkung zum deutschen Neidimpuls.


Vor nicht einmal zwei Wochen ist Karl Albrecht gestorben. Er folgt damit seinem Bruder Theo, der bereits vor vier Jahren verstorben ist. Ich muss gestehen, ich habe beides zunächst nicht bemerkt, da beide ein zurückgezogenes und sehr privates Leben geführt haben. Darüber gestolpert bin ich eigentlich nur, weil ich zufälligerweise über einen, leider sehr typisch deutschen, Neidartikel bei Telepolis gestolpert bin. Doch dazu später.
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24.7.14

Dallas, Schleswig-Holstein


Der wilde, wilde Westen 
Fängt gleich hinter Hamburg an.

Truck Stop, 1980




Die großen Straßenfeger-Seifenopern der 80er Jahre, Dallas und Dynasty, handelten vom Kampf über die Kontrolle großer Ölkonzerne. Millionen deutscher Zuschauer in den Wohnstuben (TM: Harald Schmidt) verfolgten gespannt die fiesen Tricks von J.R. oder Alexis und schliefen mit der wohligen Befriedigung ein, dass das große Geld ja sowieso nur Ärger bringt und den Charakter verdirbt.


Die Seifenoper des Energiewende-Zeitalters erleben wir gerade. Gestern kam es in Hamburg zum Showdown bei der Prokon-Gläubigerversammlung, der zahlenmäßig am stärksten besuchten in der Geschichte des deutschen Insolvenzrechts.
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22.7.14

Billard über drei Banden: Erinnerung an das Ende eines Kometen



Vor zwanzig Jahren, am 22. Juli 1994, um 10 Uhr, 5 Minuten und 30 Sekunden Mitteleuropäischer Sommerzeit, schlug das Fragment W des Kometen Shoemaker-Levy 9 in die Atmosphäre des Planeten Jupiter - der letzte Treffer einer Reihe von insgesamt 21 Einschlägen, die seit dem 16. Juli mit einer Geschwindigkeit von gut 60 Kilometern pro Sekunde (also ungefähr 216.000 Kilometern pro Stunde) den größten Planeten des Sonnensystems getroffen hatten. Die Einschläge hinterließen dunkle Flecken in der oberen Atmosphäre des Planeten, wo dunkleres Material aus den tiefergelegenen Atmosphärenschichten durch die Schockwellen der Explosionen auf bis zu 24.000 Grad erhitzt und nach oben geschleudert wurde, die den Durchmesser der Erde erreichten und noch mehr als ein Jahr später auch in kleinen Fernrohren leicht ausgemacht werden konnten. Der Impakt des größten Fragments, G, am 18. Juli, setzte die Sprengkraft von 6 Millionen Megatonnen TNT frei - eine Energie, die dem sechshundertfachen des damaligen nuklearen Arsenals der Atommächte entsprach.








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13.7.14

Haltet den Hehler! Vom BND, der CIA und Muttis Empörung.


Vor ungefähr sechs Wochen hat in Zettels Raum ein Artikel gestanden, der sich mit der NSA Affäre beschäftigt hat. Der Tenor und die Essenz dieses Artikels ist gewesen, dass die Amerikaner, speziell hier Obama, nicht unbedingt besonders gut daran tun, die ganze Geschichte einfach auszusitzen. Zuviel ist durch Snowden bekannt geworden, zu massiv sind die massenhaften Rechtsbrüche und millionenfachen Verletzungen der Privatsphäre gewesen. Nicht nur das deutsch-amerikanische Verhältnis ist seitdem recht kräftig beschädigt worden, auch international haben die Amerikaner seit dem einiges an Scherben wegzuräumen gehabt. Und nun das: Jetzt wurde die CIA dabei „erwischt“ wie sie zwei deutsche Staatsdiener für Geheimdokumente bezahlt hat. Zum einen einen BND Mitarbeiter, zum anderen einen Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums. Und nahezu unerwartet kommt ein ordentliches Gepolter aus Berlin: Mutti ist „not amused“ und der oberste Vertreter der CIA in Deutschland wurde mal eben rausgeschmissen. Das zerdeppert schon das eine oder andere diplomatische Geschirr. 

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12.7.14

Ein Privileg

Privilegien - dieser Begriff hat heute im Deutschen keine positive Konnotation. Privilegien gelten heute pauschal als eine ungerechtfertigte Vorzugsbehandlung und entsprechend ist Kritik daran nicht selten.
Doch das Privileg, um das es im Folgenden geht, ist eigentlich kein Privileg, es ist eine Selbstverständlichkeit. Es ist keine Vorzugsbehandlung, die mit der Gleichheit vor dem Gesetz in Konflikt steht, sondern eine notwendige Konsequenz aus der staatlichen Verpflichtung die Grundrechte seiner Bürger zu achten. Und dies verbietet es ihm auch Private zu Handlungen zu zwingen, die Grundrechte der Bürger verletzen würden, handelte der Staat selber. (Es verbietet ihm aber nicht privatrechtliche Verträge durchzusetzen, die ohne Gewalt, Täuschung, Betrug oder Nötigung zustande gekommen sind, da in solchen Fällen die Betroffenen eingewilligt haben.)
Die Rede ist vom Providerprivileg.
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8.7.14

Aus der Schwalbenperspektive (4): Mythos Neymar

Wovon lebt eigentlich eine WM?

Von außergewöhnlichen Spielen? Mag sein, wie im Falle des Endspiels von Bern oder des "Jahrhundertspiels" zwischen Deutschland und Italien 1970. Aber wenn Sie gebeten werden, ein außergewöhnliches Spiel der WM 1994 zu nennen, würde Ihnen eines einfallen?

Vielleicht von besonders spektakulären Toren? Auch das kann der Fall sein, das Wembley-Tor 1966 ist so eines, oder Klaus Fischers Fallrückzieher im Halbfnale 1982 gegen Frankreich. Aber fallen wirklich bei Turnieren mehr tolle Tore als in den nationalen Wettbewerben? Sicher nicht.

Oder gar von Regelwidrigkeiten wie Maradonas "Hand Gottes" bei der WM 1986 oder Zidanes Kopfstoß gegen den frechen Italiener Materazzi im Finale 2006?

All das gehört sicher dazu. Aber das Entscheidende sind die Stars. Ich habe nicht gerade ein enzyklopädisches Fußballwissen, aber mir würde zumindest zu jeder WM seit 1954 eine oder mehrere Spielerpersönlichkeiten einfallen, die das Turnier geprägt haben. 

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6.7.14

Aus der Schwalbenperspektive (3): Wider die Langeweile

Während sich der Fußball ästhetisch von den Höhen der Leichtigkeit, Kombinationsfreude und Eleganz der vergangenen Jahre zum Zufallsfußball der 80er und 90er Jahre zurückentwickelt hat, mit seinen Flanken, Kopfballduellen, Abwehrriegeln, Manndeckungen, Kontern und Eckballtoren, zeigen sich in Brasilien einige Änderungen im Regelwerk, die nicht nur zweckdienlich sind, sondern dem Sport vielleicht sogar neuen Schwung verleihen könnten.

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2.7.14

Die Misere mit der Jugend. Ein kurzer Gedankensplitter.


In der FAZ ist gestern ein Artikel erschienen, der mir sehr gut geeignet erscheint, um die heutigen Probleme der "deutschen Mentalität" (so es eine gibt) zu beschreiben. Der Inhalt ist von seiner Tendenz nicht wirklich überraschend, allerdings sind seine Zahlen nach meinem Dafürhalten ziemlich alarmierend, wenn nicht rundheraus erschreckend. Verkürzt kann man sagen, dass der Artikel beschreibt, dass sich vom akademischen Nachwuchs heute nahezu ein Drittel (die Hälfte, wenn man Wissenschaft dazu nimmt) als Primärziel den Staatsdienst vorstellt, mehr als in die freie Wirtschaft streben.
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1.7.14

Keiner mag uns

Die FDP ("Freie Demokratische Partei") soll über einen neuen Parteinamen nachdenken, meint die Vizechefin Strack-Zimmermann. Im Wahlkampf sei ihr diese Erkenntnis gekommen, mit der sie an Kubickis Wort aus dem Jahr 2011 anknüpft, die FDP habe als "Marke generell verschissen".

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28.6.14

Von Verlegern und Wegelagerei. Und einer Randbemerkung zu erfolgreichen Konzernen.


Manche Sachen hören sich erst einmal grotesk an. Beim zweiten Lesen entpuppen sie sich dann als gar nicht so absurd. Ebenso gibt es Sachen, die hören sich grotesk an und auch das zweite Lesen ändert nichts an dieser Einschätzung. Und von dieser zweiten Gruppe gibt es wiederum ein paar Exemplare, die man schon als Realsatire betrachten muss.Ein solches Beispiel ist die derzeitige Diskussion um das sogenannte Leistungsschutzrecht  für Presseverleger.
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21.6.14

Serien in Zettels Raum: Umweltschutz reloaded. Und wenn er nicht gestorben ist, dann stirbt er auch noch heute.


Wer in den 80er Jahren in Deutschland gelebt hat und sich die Mühe gemacht hat auch mal eine Zeitung zu lesen oder die Glotze einzuschalten, der ist einem Begriff ganz sicher nicht entkommen: Dem Waldsterben.
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Gabriels Populismus


Es sind die aussagekräftigen Zitate von Politikern die einen Einblick in ihr Politikverständnis offenbaren. 
Also im Gegensatz zu den mit Floskeln überladenen Statements in Pressekonferenzen oder den Minireden in Interviews die nicht zu den Fragen passen. 
Nein, wenn der Bürger spüren soll, was für eine tolle Partei da gerade ein großzügiges Nachgeben mit einer Forderung verknüpft, lohnt es sicher genauer hinzuschauen.
So wie gestern. Da hat unser Bundesminister für Wirtschaft und Energie in seiner Funktion als SPD Vorsitzender und vielleicht auch ein bisschen in der als Vizekanzler, den es eigentlich nicht gibt, der aber umso öfter in vielerlei Munde ist, folgendes gesagt:
"Die SPD wird einen Kommissar der Union akzeptieren - sofern Martin Schulz zum Präsidenten des Europaparlaments gewählt wird."
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18.6.14

Eine Zusammenfassung eines Artikels von Stratfor zur Ausweitung des Syrienkrieges auf den Irak


In einem Artikel vom 17.06.14 analysiert Stratfor die unterschiedlichen Perspektiven der Nachbarländer des Iraks angesichts der Ausweitung des Krieges in Syrien auf den Irak. 
Ich denke sie sind interessant genug, um hier kurz zusammengefasst zu werden:
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14.6.14

Kurioses GANZ kurz kommentiert: Mindestalter

Laut dem Staatssekretär im Innenministerium Günter Krings plant die CDU derzeit einen Gesetzesentwurf, das Mindestalter für Prostituierte auf 21 Jahre anzuheben.

Kommentar: Das passive Wahlrecht für das Amt des Bundeskanzlers liegt bei 18 Jahren.

Meister Petz

© Meister Petz. Für Kommentare bitte hier klicken.

Der Krieg in Syrien hat den Irak erfasst


Über den Krieg in Syrien wurde auf Zettels Raum im Juli letzten Jahres berichtet. Damals war auch von der Al-Qaida Gruppe "Islamischer Staat im Irak und der Levante" (ISIL), auch genannt: "Islamischer Staat im Irak und Syrien" (ISIS), die Rede.
Diese Armee ist auf dem Schlachtfeld Syriens der stärkste Opponent Assads. Sie hat sich nicht abgespalten von Al-Qaida, sondern ihrem Führer al-Zawahiri und Nachfolger Osama bin Laden verdeutlicht, dass sie die Al-Nusra-Front als Al-Qaidas Führungsorganisation in Syrien nicht anerkennt, sondern über ihr zugeteiltes Gebiet des Irak hinaus, wirksam sein will.
Und das hat sie auch sehr erfolgreich getan. Sie kontrolliert seit Ende letzten Jahres den Norden Syriens und seit Januar 2014 die irakischen Städte Falludscha und Ramadi. In ein paar Tagen nahm sie Mosul und Tikrit ein und steht nun vor Bagdad. 
Im Fall von Falludscha war es noch dazu eine Rückeroberung. Hier wurde von 2004-2007 der Irak-Krieg Amerikas zum verlustreichen Kampf - gegen den ISIS. 
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13.6.14

Aus der Schwalbenperspektive (2): Sommermärchen®

Das Sommermärchen ist eine deutsche Erfindung. Während 2006 ein großer Teil sich endlich auf eine unpolitische Weise mit der deutschen Flagge und Hymne versöhnen durfte, fanden andere das aufgeladen mit der Stimmung von Nationalsozialismus und deutscher Leitkultur. Dass das Sommermärchen im Halbfinale gegen Italien ein jähes Ende nahm, ist nebensächlich, denn Fußballbegeisterung ist in Deutschland eine politisch-moralische Frage. 

Der Vergleich mit 2006 drängt sich deshalb auf, weil jetzt - im Vorfeld der WM - das überwältigende Medieninteresse der innerbrasilianischen Diskussion um die WM gilt, die in teils heftige Auseinandersetzungen zwischen gewaltbereiten Demonstranten und den wohl recht kompromisslos agierenden Sicherheitskräften eskaliert sind. Auch über die Einnahmen der FIFA und ihrer Funktionäre wird mindestens so viel berichtet wie über die Formkurven der teilnehmenden Mannschaften. 

Denn als Erfinder und alleiniger Copyrightinhaber von "Sommermärchen®" hat Deutschland nicht nur das Recht, sondern die Pflicht, der brasilianischen Politik, der FIFA und der Weltöffentlichkeit zu erklären, wie das so geht mit einer WM. Und bei Markenverletzung gibt es - eine Abmahnung.

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7.6.14

Putins Eigentore.

Wladimir Putin sagte kürzlich in einem Interview lt. der "Welt":
Wenn Leute Grenzen überschreiten, machen sie das nicht, weil sie so stark sind, sondern weil sie so schwach sind. Aber vielleicht ist Schwäche nicht die schlechteste Eigenschaft für eine Frau.
Es ist mehr als bemerkenswert, dass dem russischen Präsidenten nicht in den Sinn kommt, es könnten auch die Grenzen gemeint sein, die er wortwörtlich überschritt und überschreitet. Und dass seine Schwäche in der Tat die Begründung für die Annektierung der Krim sein kann. 
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6.6.14

Serien in Zettels Raum: Umweltschutz reloaded. Shell to hell oder eine Lektion in Sachen Greenpeace.


Wissen Sie, was das schöne an „Umweltskandalen“ ist, verehrter Leser ? Das sich die meisten Leute einige Monate, bzw. Jahre kaum mehr an etwas erinnern was über ein „da war ja mal was“ hinausginge. DDT, saurer Regen, FCKW, Dioxin, PCB, Acrylamid, Feinstaub, das sind Begriffe, die den allermeisten schon einmal begegnet sind, aber so richtig viel weiß man dann doch nicht darüber, außer das das alles ganz schlimme Sachen sind, die der Umwelt schaden. Meistens werden sie von „gewissenlosen Großkonzernen“ (gerne amerikanischer Herkunft) verantwortet und ihre Freisetzung und Verwendung ist irgendwie mal skandalös gewesen. Nun ist es unzweifelhaft, dass es viele giftige Dinge gibt und Umweltprobleme durchaus real existieren. Auch wenn das in Deutschland schon etwas weiter zurückliegt, so reicht ein Blick nach Indien oder China um sich dessen bewusst zu werden. Umso interessanter ist es die Skandale der Vergangenheit einmal „im Nachhinein“ zu betrachten und mal zu prüfen, was es damit genau auf sich hat, bzw. ob das alles so richtig gewesen ist. Und genau das möchte ich mit dieser Serie tun.
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Ursachensucher Mensch. Gastbeitrag von Ludwig Weimer

Mit diesem Beitrag möchte ich die Fragen zu „Die Gewißheit, den richtigen Göttern zu dienen“ (Beitrag von nachdenken_schmerzt_nicht in ZR vom 20.5.14) weiterführen.

Das Kind fragt, bis es nervt: Warum? Aber warum fragt es so? Hat der Mensch darum den Geist gefunden?

„Wenn uns einmal ein höheres Wesen sagte wie die Welt entstanden sei, so möchte ich wohl wissen ob wir im Stande wären es zu verstehen. Ich glaube nicht.“ (G. Chr. Lichtenberg, Sudelbücher K 18) Dieser große Aufklärer hielt es für möglich, dass der Begriff Entstehung nur eine menschliche Deutung von Kausal-Erfahrungen ist, also eine unzulängliche Vorstellung von der Wirklichkeit.

Das freie und selbstkritische Denken solcher Geister ist ein Wunder des Geistes. Ich möchte mich hier mit jener Vernunft befassen, die beide Parteien, die agnostische und die jüdisch-christliche, zusammenführen könnte. Bewusst habe ich nicht die Worte „religiös“ oder „gläubig“ gewählt. Denn sie sind belastet aus der Sphäre des Glaubens vor der berechtigten Aufklärung.

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2.6.14

Demokratie, Dein Name sei Juncker!


Europa steht am Scheideweg. Es hat die Wahl zwischen einem goldenen Zeitalter der Demokratie, Mitbestimmung und Repräsentation von hunderten Millionen von Unionsbürgern auf der einen Seite und der "mutwilligen Zerstörung" und politischen Pflichtverletzung der verfassungsrechtlichen Demokratiegebote.

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31.5.14

Banane gefällig ? Eine kurze Anmerkung zum Generalbundesanwalt.


Die BRD ist keine Bananenrepublik ! Das sollte eigentlich selbstredend klar sein und es gehört auch zum Ton dieses Blogs, dass daran keinerlei Zweifel  aufkommen können und sollen. Dieser Autor hat die Zweifel auch nicht wirklich. Aber manchmal wird es einem schwer gemacht und irgendwie kommt das Gefühl auf, es wäre keine dumme Idee diesen kurzen Satz vielleicht hundertmal zu schreiben, damit man auch ganz sicher ist.
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30.5.14

Tussenschnaps

Kinder zu haben mag ja teuer sein und Nerven kosten, hat aber auch gewisse Vorteile. Zum Beispiel bleibt man im Kontakt mit aktuellen Entwicklungen.

Seit jedenfalls unsere Tochter mit ihren Freundinnen auch mal engagierter feiert, habe ich gelernt, was ein "Tussenschnaps" ist. Nämlich ein alkoholreiches, aber süßes Mixgetränk meist auf Wodkabasis mit Fruchtsaft und Sahne.
Man könnte auch sagen: Die logische Antwort intelligenter moderner Mädchen auf die Bevormundungsversuche dummer alter Politiker. Die meinten, ihre große Kampagne gegen die pösen "Alkopops" würde die Jugend zu Früchtetee und Mineralwasser zurückführen.
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28.5.14

Wahldetails

Nun gut, wir haben erfahren, daß der nächste ukrainische Präsident Schokolade produziert. Und daß ein den Deutschen aus der Fernsehwerbung bekannter Boxer neuer Rathauschef in Kiew ist. Und in einigen Medien gab es sogar - ohne weitere Erläuterung - die Ergebnisse einiger weiterer Kandidaten bei der Präsidentenwahl.

Ist das nicht ein bißchen wenig bei einem so großen europäischen Land, das derzeit im Zentrum einer Krise von Weltbedeutung steht?

Da sei doch ergänzend auf einige interessante Details hingewiesen:

- Der neue Präsident hat nicht nur insgesamt eine deutliche Mehrheit, sondern wird auch in allen Landesteilen akzeptiert. Von einer angeblichen Spaltung in eine "russische" und eine "westliche" Hälfte der Ukraine kann keine Rede sein.

- Auch die nachfolgenden Kandidaten sind deutlich pro-westlich, meist noch viel deutlicher als der Wahlsieger.

- Dobkin - den man noch am ehesten als "pro-russischen" Kandidaten bezeichnen könnte - landete bei mageren 3%.

- Sowohl Tjanhybok (1,2%) von Swoboda wie auch Yarosh (0,7%) vom rechten Sektor sind völlig marginale Figuren geblieben. Nichts ist geblieben vom Phantom der faschistischen Machtübernahme, die der Kreml und seine deutschen Gefolgsleute an die Wand gemalt hatten.

- Nur in relativ kleinen Gebieten gelang es den Separatisten, die Wahl zu sabotieren. Das Ergebnis ist für die gesamte Ukraine gültig und legitimiert.

Man könnte zusammenfassend auch sagen: Das war die maximale Wahlniederlage für Putin.

R.A.

© R.A.. Für Kommentare bitte hier klicken.

26.5.14

Wie Kindsmörderinnen zu Opfern werden

Anlässlich der kürzlich in den Medien vermeldeten Tötung eines Neugeborenen, mutmaßlich durch die inzwischen festgenommene Mutter in München, veröffentlicht Süddeutsche Online aktuell ein Interview mit Eva Zattler, einer bei Pro Familia beschäftigten Diplom-Sozialpädagogin. Auf die Frage, was in einer Frau vorgehe, die sich entschließe ihr Kind zu töten, lautete die Antwort:
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25.5.14

Ein Kommentar zur Europawahl

Die deutschen Linkspopulisten um Martin Schulz können sich laut der Hochrechnung von 21:43 Uhr über einen Zugewinn von 6,4% freuen.
Allerdings reicht es nicht für die europäischen Sozialdemokraten. Die EVP (Europäische Volkspartei) der auch die Union in Deutschland angehört, wird aller Voraussicht nach stärkste Fraktion im Europaparlament.
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Hitzköppe an die Macht?


Wer in den letzten Wochen durch deutsche Städte gegangen ist, dem werden die vor Wahlen üblichen Plakate der unterschiedlichen Parteien aufgefallen sein. Es ist fraglich, in wie fern jetzt tatsächlich eine gehaltvolle Aussage auf einem kleinen Plakat untergebracht werden kann. Aber darum geht es auch nicht. Es geht viel mehr darum, sich bekannt zu machen und im Bewusstsein der Wähler präsent zu sein. Nur so bringt man potentielle Wähler, wenn überhaupt, dazu sich näher oder auch nur oberflächlich mit einer Partei auseinander zu setzen und nur so kommt überhaupt eine Partei für Stimmen in Frage. Neben der Funktion die notwendige, aber bei weitem nicht hinreichende Voraussetzung für Wählerstimmen namens Aufmerksamkeit zu schaffen, erfüllen die Wahlplakate noch einen von den Parteien nicht gewollten, aber unvermeidbaren Nebeneffekt: Sie machen einem klar, wen man auf gar keinen Fall wählen will. Sie lösen unbewusste Abwehrreflexe aus, wenn die Mentalität, die in einem Plakat zum Ausdruck kommt, einem ganz und gar unsympathisch ist. Manchmal drängen sich genau diese Plakate besonders prägnant ins Bewusstsein — aber als Negativbeispiel, dass den Kreis der noch in Frage stehenden Optionen, zwischen denen man noch bewusst abwägen muss, erfrischend einschränkt.

Eine der zur Europawahl antretenden Parteien, Pro NRW, brachte dabei, gleichwohl schon vorher keine von mir in Betracht gezogene Option, noch einmal mit einem Slogan auf ihren Wahlplakaten für jeden intuitiv verständlich die Mentalität und Gefühle ihrer Zielgruppe prägnant und einprägsam zum Ausdruck:
WUT IM BAUCH? LASS ES RAUS!
Es ist schade, dass, durch den inflationären Gebrauch des Rechtspopulismusvorwurfs von interessierter Seite sowie der Gleichsetzung von allen nicht im linksgrünen Zeitgeist schwimmenden Parteien mit einem primitiven Stammtisch frustrierter, miesepetriger Ewiggestrieger, mal wieder eine Beschreibung genau in dem Moment entwertet ist und all ihre Bedeutung verloren hat, in dem sie offensichtlich zutreffend wäre. Kein Vergleich zur gesitteten, fest in unseren zivilisatorischen und freiheitlich-demokratischen Grundwerten verankerten AfD würde Pro NRW recht tun. Wie würden Sie sich fühlen, wenn sie solch emotionale Wallungen im Alltag verspüren, das Sie es kaum noch an sich halten können wie es in der anvisierten Zielgruppe der Pro-Bewegung der Fall ist — und niemand nimmt ihr Bauchgefühl ernst? Wenn "Wut im Bauch" nur als eine Phrase für trockenes Ökonomendenken durch unaufgeregt, gesittete Professoren wie Bernd Lucke interpretiert würde, wo es in ihnen doch brodelt und Sie die ganze Welt an ihrem Gefühlsleben teilhaben lassen wollen?

Da würde Sie sich doch auch irgendwie verarscht fühlen — was eine andere parteipolitische Vertretung dieser Zielgruppe auch bereits 2013 in ihren Wahlwerbespots und auf ihren Plakaten mit der unvergleichbaren Ästhetik frustrierter, ausgegrenzter Hass- und Wutgefühle zum Ausdruck gebracht hat. Auch diese Partei trat diesmal wieder an.

Man sollte die zum Ausdruck gebrachten Wutgefühle ernst nehmen und nicht durch unangemessene Gleichsetzungen verharmlosen. Man sollte insbesondere nicht mehr Menschen durch Ausgrenzung in dieses Milieu drängen, als sich dort schon natürlich ansammeln. Linke selber haben immer wieder dargelegt, dass Ausgrenzung Menschen nur in die Radikalität führt. 

Vor allem aber möchte ich solche Wüteriche, wie auch immer sie nun dazu geworden sind, nicht in einer Machtposition sehen.

Der Slogan von Pro NRW ließe sich, angesichts seiner Platzierung auf einem Wahlplakat, nämlich auch als die Parole "Hitzköppe an die Macht" zusammenfassen.
Techniknörgler


© Techniknörgler. Für Kommentare bitte hier klicken.

23.5.14

Eine Glosse über die Angst vor Flugobjekten

Berlin ist, wo Rauchgase in einem Neubau einer Flughafenempfangshalle nicht übers Dach, sondern über den Keller abgesaugt werden sollen.
Berlin ist, wo angeblich „Wohnungsnot“ herrscht, aber auf dem stillgelegten Flugfeld des einstigen Zentralflughafens mitten in der Stadt ein Volksentscheid den Bau auch nur einer einzigen Wohnung verbieten will - um den Erhalt einer Spielwiese für Freunde von Lenkdrachen.
Und Berlin ist, wo eine Polizeidrohne nicht fliegen darf, wenn unter ihr sich auch nur ein einziger Mensch aufhält. 
Wegen Absturzgefahr!

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22.5.14

Zitat des Tages: Zerstrittene Rechte, paternalistische Linke


No matter how much outrage or sarcasm you direct at the latest racist comment from a Front National member, their message will still resound with millions of people. And this is where many European social democrats turn to counterproctive [sic!] responses:

  1. lecturing voters who keep stubbornly voting for the "wrong" parties;
  2. even more patronizingly, searching for the 'real' reasons behind anti-immigrant sentiment; and/or
  3. blaming the 'rat-catchers' and 'demagogues' and 'populists' for 'fanning the flames' of anti-immigrant sentiment (as if were [sic!] somehow dishonest to address your clientele's genuine concerns).

Egal, wie viel Empörung oder Sarkasmus man dem jüngsten rassistischen Kommentar eines Front-National-Mitglieds entgegenbringt; seine Botschaft wird bei Millionen von Menschen dennoch Resonanz finden. Und an ebendieser Stelle flüchten sich viele europäische Sozialdemokraten in kontraproduktive Antworten, indem sie:

  1. Wähler belehren, die hartnäckig immer wieder für die „falschen“ Parteien stimmen;
  2. in noch paternalistischerer Weise nach den „wirklichen“ Gründen hinter der Anti-Immigrations-Stimmung suchen; und/oder
  3. die „Rattenfänger“ und „Demagogen“ und „Populisten“ beschuldigen, das „Feuer“ der Anti-Immigrations-Stimmung „anzufachen“ (als ob es irgendwie unredlich wäre, auf die ernstgemeinten Sorgen der eigenen Zielgruppe einzugehen).

So Andrew Hammel in einem Beitrag in seinem Blog German Joys.
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21.5.14

Die spinnen, die Amis. Ein Gedankensplitter zu Spionage, Außenwahrnehmung und transatlantische Beziehungen.


Es knackt in diesen Tagen wieder recht deutlich in den chinesisch-amerikanischen Beziehungen, Amerika hat in einer bisher eher seltenen Deutlichkeit die Chinesen öffentlich der Spionage bezichtigt und ist auch derart deutlich geworden, dass man ein paar Haftbefehle ausgestellt hat von denen eher fraglich ist, ob sie je zu irgendetwas führen können, aber doch eine deutlich politische Botschaft von sich geben. Umgekehrt hat die chinesische Führung auch für ihre Art relativ offen die amerikanischen Vorwürfe zurückgewiesen und den Botschafter einbestellt. Wie auch immer das ganze ausgeht, man kann davon ausgehen, dass es die Beziehungen der beiden Länder nicht verbessern wird, da wird derzeit viel Porzellan zerschlagen das man erst langsam wieder wird kitten müssen.
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20.5.14

Die Gewißheit, den richtigen Göttern zu dienen. Ein Gastbeitrag von nachdenken_schmerzt_nicht


„Und sie dreht sich doch!“

Ob es nun Giordano Bruno ist oder Galileo Galilei, dem man dieses Zitat zuschreibt, es ist zu einem Sinnbild geworden für die Unterdrückung von Erkenntnis durch die vorherrschende Meinung, heute würde man sagen: durch den Zeitgeist. Es ist Sinnbild für die Unterdrückung des Wahrhaftigen durch die Mächtigen, welche mit ihrem Gott die Meinung diktierten und so ihre Macht sicherten. Doch sie haben es nicht geschafft, diese Mächtigen. Naturwissenschaft und Aufklärung haben schließlich den Sieg über ihr Gottesbild davongetragen.


Da war also die klassische Kirche auf der einen Seite, in ihrem antiquierten Gesellschaftsbild und ihren überholten Moralvorstellungen ein Gegner der modernen Gesellschaft. Auf der anderen Seite die moderne Gesellschaft, die es schaffte, über Naturwissenschaft und Aufklärung das "dunkle Mittelalter" und die Kirche als dessen machtbestimmenden Faktor hinter sich zu lassen.

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