3.2.16

Angst ? Nein, wir doch nicht. Aber sowas von nicht. Eine kleine Phillipika.



Angst haben wir nicht. Das ist zumindest die Parole die Henriette „Armlänge“ Reker dieser Tage ausgibt. Wovor sollte man auch Angst haben, doch sicher nicht vor ein paar grabschenden Ausländern (© J. Augstein)? Und schließlich hat man sich doch die letzten Wochen bemüht durch Broschüren die letzten Grabscher noch davon zu überzeugen, dass das in Deutschland irgendwie nicht erlaubt ist und die Vorgänge von Sylvester nicht ganz in Ordnung waren.
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31.1.16

Dummes, kurz kommentiert: Siggy Pop. Mal wieder.


Zugegben, eigentlich müsste Sigmar Gabriel inzwischen von dieser Kategorie ausgeschlossen werden, weil er normalerweise im Wochentakt Dinge von sich gibt, die reichlich dämlich sind. Aber gelegentlich legt Siggy gerne noch mal einen nach, der dann doch das normale Maß übersteigt. Diesmal glänz er mit der Aussage: 
 „Für mich gehört die AfD in den Verfassungsschutzbericht und nicht ins Fernsehen.“
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29.1.16

28. Januar 1986: Vor 30 Jahren endete der Traum der bemannten Raumfahrt in einem Feuerball

Strenggenommen ist diese Überschrift falsch. Denn der Traum von der bemannten Weltraumfahrt, der mitunter so platt wie irreführend genannten "Eroberung des Weltraum" durch Astronauten, Kosmonauten oder (das Wort war zu dieser Zeit noch nicht geprägt) Taikonauten, endete natürlich nicht in dem Feuerball der Explosion, als das Space Shuttle Challenger um 17 Uhr 38 Mitteleuropäischer Zeit (11 Uhr 38 lokaler Zeit) gut 70 Sekunden nach dem Abheben von der Startrampe in Cap Canaveral in rund 15 Kilometern Höhe zerbarst.







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27.1.16

Wenn Geschichte neu geschrieben wird. Ein Gedankensplitter zu einem Skandal der keiner mehr sein darf.


Eigentlich wollte ich nur einen unschuldigen Artikel zu Glyphosat schreiben. Glyphosat ist ein Pflanzengift, das in der Landwirtschaft eingesetzt wird, um alle möglichen Sorten von Unkraut zu bekämpfen. Es gilt in geringen Mengen als unbedenklich (da der Wirkmechanismus sich auf die Photosynthese auswirkt und die meisten Menschen, -hier muss auch der Grüne von nebenan stark sein- nicht in der Lage sind Photosynthese zu betreiben). Wie dem auch sei, Glyphosat ist das derzeitige neue Kampagnenprojekt der Landwirtschaftsveränderer, zumal damit gleich mehrere Ziele auf einmal bekämpft werden können (konventionelle Landwirtschaft, amerikanische Großindustrie, Genindustrie). 

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Über das Unwort des Jahres und die zerstörerische Kraft der Begriffshoheit. Ein Gastbeitrag von nachdenken_schmerzt_nicht

Die aktuelle Staatskrise, die der Autor Gerd Held aktuell in einem Beitrag auf der „Achse des Guten“ als einen Angriff auf die Verfasstheit der Bundesrepublik begreift, welcher die Staatlichkeit und verfassungsmäßige Ordnung unseres Landes bedroht, wird seit ihrem Beginn von drei Begriffen dominiert, die ganz selbstverständlich von jedem Diskutanten benutzt werden: "Flüchtling", "Obergrenze" und "Grenzschließung". Mit der Wahl des Wortes „Gutmensch“ zum "Unwort des Jahres", die der von mir sehr geschätzte Andreas Doeding in Zettels Raum bereits hier kommentierte, ist jetzt ein vierter Begriff hinzugekommen. 

Gerd Held läßt in seinem Artikel einen Gedanken anklingen, welcher mich schon seit einiger Zeit beschäftigt, nämlich: wie Widersprüche, Verantwortungslosigkeit und Machtmissbrauch über die Definitionshoheit bezüglich der verwendeten Begriffe unkenntlich gemacht werden. Diesen Gedanken möchte ich mit diesem Beitrag näher ausführen. 

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21.1.16

Neues von der Lügenpresse



Vor gut einem Jahr hat sich dieser Autor in diesem Raum schon einmal ein paar Gedankenzum Begriff der Lügenpresse gemacht. Und nahezu alles was seinerzeit geschrieben wurde, stimmt auch heute noch: Die Begriff ist unpassend, der gemeinte Inhalt ist dagegen sehr konkret greifbar. Vorgeschlagen wurde dann im kleinen Zimmer die Begriffe Pippi-Langstrumpf-Presse (Tiefseetaucher) und später dann Gesinnungspresse (Yossarian). Da dieser Auto die Bücher und Charaktere von Astrid Lindgren sehr schätzt, möchte ich lieber den Begriff Gesinnungspresse verwenden, der meines Erachtens nach auch sehr gut die Ursache der Problematik beschreibt. Nur möchte ich mich an dieser Stelle mit dem Pendant der Presse beschäftigen, dem Fernsehen.
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19.1.16

Über Demokratie und Absolutismus - Gastbeitrag von nachdenken_schmerzt_nicht

SPD wie auch Grüne hatten den SWR darauf hingewiesen, dass sie zu einer Fernsehdiskussion im Hinblick auf die bevorstehenden Landtagswahlen keine Teilnehmer entsenden würden, weder die amtierenden Ministerpräsidenten, noch einen Vertreter, wenn die AfD an einer solchen Diskussion teilnehmen würde. Wie man heute der Onlineausgabe der FAZ entnehmen kann, hat der SWR dem Druck der beiden Ministerpräsidenten Malu Dreyer (SPD, Rheinland-Pfalz) und Winfried Kretschmann (Grüne, Baden-Württemberg) nachgegeben und sich entschlossen, die AfD nicht einzuladen. 

Man kann diesen Sachverhalt nun unter den unterschiedlichsten Gesichtspunkten beleuchten: Wie ist die Entscheidung des SWR zu beurteilen? Wie verhält es sich faktisch mit der oft zitierten Staatsferne des öffentlich-rechtlichen Rundfunks? Ist es wahltaktisch klug, sich einer Debatte mit der AFD zu verweigern? 
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17.1.16

Kurioses, kurz kommentiert: Unworte

Seit wann wird der Begriff Stammtisch eigentlich in seiner heute gängigen, verächtlich gemeinten Bedeutung gebraucht? Ich weiß es nicht. Der rhetorische Kniff dabei ist ja ebenso simpel wie durchsichtig. Über die semantische Gleichsetzung von "einfaches Volk" mit "rechter Pöbel" sollen Argumente diskreditiert werden, um sich nicht mit ihnen auseinandersetzen zu müssen. Bei Licht betrachtet demaskiert der Begriff jedoch vor allem eine elitäre Volksverachtung, die sich häufig vor allem diejenigen erlauben, die sich sonst gerne wahlweise als Anwälte der "einfachen Leute", "des Volkes" oder auch "der Arbeiter" gerieren, mithin feinstes Orwellsches Doppeldenk betreiben. 
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16.1.16

Ist Angela Merkel die Totengräberin von Europa?


Zugegeben: Die Frage ist natürlich provokativ. Für die einen ist sie absoluter Unsinn, für die anderen geradezu eine Selbstverständlichkeit. Sowohl das Nein als auch das Ja lassen sich antworten, ohne sich auch nur einen Millimeter mit dem Inhalt der Frage auseinanderzusetzen. Doch genau das soll hier geschehen.

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13.1.16

Zitat des Tages: Der Tod des Feminismus

Womöglich sind aber auch Frauen dabei, die gar nicht Opfer geworden sind, sondern aus politischer Überzeugung der Meinung waren, dass die Täter mit Migrationshintergrund oder die Flüchtlinge, die das Chaos auf der Domplatte für sexuelle Übergriffe ausgenutzt haben, abgeschoben gehören. Das hoffen sie womöglich mit einer Anzeige zu beschleunigen. 
(Dagmar Dehmer und Andrea Dernbach im Tagesspiegel zu den Ereignissen in Köln)  

Kommentar:

Gender-Mainstreaming, Frauenquoten in Führungsgremien, "vaterlose Gesellschaft" - dem oberflächlichen Beobachter erscheint es so, dass der Feminismus in der deutschen Gesellschaft gesiegt hätte. Und doch hat - beinahe unbemerkt - sein letztes Stündlein geschlagen. 

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11.1.16

Mal wieder ein kleine Quiz: Was sagen Studenten zun den Geschehnissen in der Neujahrsnacht?

Heute, liebe Leser, gibt es zum Start in die Woche mal wieder ein kleines Quiz. 

Als, wie einige vielleicht schon Wissen, Student in einem MINT-Fach an einer deutschen Universität (nicht in Köln selber), möchte ich ihnen einen kurzen Einblick in meine Subjektive Wahrnehmung der Stimmung und Meinungen der Mehrzahl meiner Mitstudenten geben. 

Mir ist vollkommen klar, dass es sich um eine nicht-repräsentative, subjektive, quasi-anekdotische Einschätzung handelt, die auf meinen Erfahrungen und Begegnungen der letzten Tage beruht (wenn auch auf einer Vielzahl von Anekdoten). Das ist kein großes, repräsentatives Sample und trotzdem vielleicht für den ein oder anderen Interessant. 

Auch geht es hier nicht um Randgruppen unter den Studenten. Es geht nicht im Burschenschaftler und Verbindungsleute. Ich habe keinen Kontakt zu solchen. 

Es geht nicht um die Radikalfeministinnen (evt. mit Kontakt zum Genderreferat der AStA). Ich habe ein Gespräch eben solcher am Nachbartisch in der Mensa mitgehört und es ging in die zu erwartende Richtung. Natürlich sei das ganz schrecklich und unappetitlich - wie die Rassisten aus der Mitte der Gesellschaft nun diesen Vorfall ausnutzen, um gegen Flüchtlinge und Ausländer Stimmung zu machen, anstatt sich an die eigene Nase zu Fassen. Anstatt Araber zu pauschalisieren, sollte lieber über die in unserer Gesellschaft tief verankerte allgemeine Gewalt der Männer gegen Frauen geredet werden. Schließlich würden Deutsche ohne Migrationshintergrund sich am Oktoberfest genauso verhalten, wo es 10 Anzeigen wegen Vergewaltigung gegeben hätte. 

Nun, diese Legende wurde in der FAZ im Artikel "Lügenzahl vom Oktoberfest" vom 08.01.2016 widerlegt und dann noch einmal von der Kunstfigur Don Alphonso zerpflückt und in den Kontext gerückt. Denn selbst wenn sie stimmen würde, so wäre das Ausmaß in Relation zur Anzahl männlicher Besucher (1000 in Köln gegen 500.000 pro Tag beim Oktoberfest, wovon ungefähr die Hälfte Männer seien werden) eine ganz andere Größenordnung. Stimmen aber nicht einmal, sondern sind frei erfunden, unkritisch vom öffentlich-rechtlichen Übernommen, als wäre er eine Facebook-Gruppe der PEGIDA, nur unter anderen Vorzeichen - und Gebührenfinanziert, mit hoher Glaubwürdigkeit und Autorität.

Aber ich schweife ab. Denn das ist die selbe Randgruppe, welche auch den Genderstern als großen Fortschritt gegenüber dem Binnen-I feiert und genau deshalb (und nicht nur deshalb) von den meisten Studenten mit verdrehten Augen bedacht wird. 

Auch offen in der Hochschulpolitik engagierte, linke und grüne Studenten sind nicht gemeint. Bei einer Wahlbeteiligung von unter 20% und noch weniger Interesse an dem Politiksimulationszirkus stellen auch diese eine Randgruppe da und nicht den Otto-Normal-Studenten. Sehr wohl sind aber auch offen grüne und linke Menschen ohne Hochschulpolitikkontakt gemeint. 

Daher nun, Burschenschaftler, linke Studierendenparlaments- und AStA-Mitglieder und Feministinnen also ausgenommen, die Frage:


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6.1.16

Kleine Randnotiz: Eine Botschaft brennt und keinen interessiert es


In der aktuellen Situation in Deutschland gibt es sicher brennendere Themen, aber es ist diesem Autor dennoch eine kleine Randnotiz wert.
Wie die meisten geneigten Leser wissen werden, gibt es im Moment nicht nur kleinere Verstimmungen zwischen Saudi-Arabien und dem Iran. Saudia Arabien hat sämtliche diplomatischen Beziehungen zum Iran abgebrochen und alle iranischen Diplomaten ausgewiesen. 

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Jagdszenen aus Köln und Hamburg: Staatsversagen auf ganzer Linie

Drei Anmerkungen zu den unfassbaren Szenen der Menschen- genauer: der Frauenjagden, die sich vor und nach Mitternacht in der Sylvesternacht vor der Kölner Domplatte, der Hamburger Reeperbahn und wohl auch in Stuttgart abgespielt haben. Als ich gestern, am Montagmorgen dem 4. Januar, um 08:37 Uhr, im Diskussionsforum dieses Blogs, dem "Kleinen Zimmer" meinen ersten Beitrag zu diesem Thema mit längeren Zitaten zu ersten Äußerungen und Meldungen eingestellt habe, mußte ich mich auf die Netzbeträge von Michael Klonovsky sowie der Achse des Guten beschränken. Mitforist HR hat dankenswerterweise unabhängig davon ebenfalls darauf aufmerksam gemacht. Erst im Laufe des Morgens, und dann mit ansteigender Amplitude über den Tag hinweg ist das Thema zu der alles beherrschenden Causa geworden, die auch von Politikern nicht mehr mit Schweigen, Abwiegeln und zynischen tu-quoque Fingerzeigen auf PEGIDA oder andere dunkeldeutsche Manifestationen kleingehalten werden kann.

Ich habe meine Meldung im Strang "Aus der Gespensterrepublik" plaziert, die ich am 13. Oktober 2015 angelegt habe: zur sukzessiven Dokumentation von Vorfällen, Zitaten, und den zu immer höherer Amplitude ausschlagenden Anzeichen, die [Zitat] "den Beginn der finalen Agonie dieses kollabierenden Staatsgebildes nüchtern ins Auge fassen".














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Wenn das Naheliegende zur Überraschung wird


Kann es eigentlich wirklich überraschen, was an Sylvester in Köln, Hamburg und, wenn auch in geringerem Maßstab, in Stuttgart passiert ist? 

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31.12.15

2016




Ring out, wild bells, to the wild sky,
The flying cloud, the frosty light:
The year is dying in the night;
Ring out, wild bells, and let him die.
 
Ring out the old, ring in the new,
   Ring, happy bells, across the snow:
   The year is going, let him go;
Ring out the false, ring in the true.

Ring out the grief that saps the mind
For those that here we see no more;
Ring out the feud of rich and poor,
Ring in redress to all mankind.
 
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24.12.15

... die guten Willens sind

Gloria in excelsis Deo / Et in terra pax hominibus bonae voluntatis.

Ehre sei Gott in der Höhe / Und Friede den Menschen auf Erden, die guten Willens sind.

So lautet der letzte Satz des Weihnachtsevangeliums (Lk 2,  14) in der Vulgata, die zumindest bis zum II. Vaticanum maßgeblich für die liturgischen Texte in der katholischen Kirche war. Ich bin mit diesem Satz aufgewachsen, da in unserer Familie bis heute die Weihnachtsgeschichte - unter dem erleuchteten Christbaum - aus dem alten "Schott"-Messbuch meiner Mutter vorgelesen wird. 

Theologen aller Konfessionen werden nun einwenden, dass diese Übersetzung "falsch" ist, und man findet sie in keiner aktuellen Bibelausgabe mehr. Dennoch ist er für meine Vorstellung von Weihnachten zentral, und egal ob ich nun höre "den Menschen seines Wohlgefallens" (Luther) oder "den Menschen seiner Gnade" (Einheitsübersetzung) - ich werde nie anders können, als in meinem Kopf hinzuzufügen: "Die guten Willens sind".

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9.12.15

Große Klappe, reloaded: Von einem Tiger der als Bettvorleger landete

Oh, was hat er groß getönt. Jetzt zeigt einer dem Staat mal so richtig wie Asylantenheim eigentlich geht. Mit einem fröhlichen "Verpisst Euch" (gerichtet an Siggis Pack) auf den Lippen verkündete uns Till Schweiger vor knapp vier Monaten, dass er ein eigenes Asylantenheim bauen und betreiben wolle.  

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7.12.15

Aldi-Schulen

In der Schule für das Leben lernen: diesem Ideal streben viele vergeblich nach. Um so lobenswerter sind Schulen, die das hohe Ziel erreichen. Eine der wichtigsten Fähigkeiten, die der erwachsene Mensch braucht, ist offensichtlich das preisgünstige Einkaufen hochwertiger Produkte. Schulen, die diese Fertigkeit in vorbildlichem Maße vermitteln, werden von der Firma "Aldi" feierlich als "Aldi-Schulen" ausgezeichnet. Davon gibt es in Deutschland inzwischen 177.

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4.12.15

Der Datenkrake (3): Es gibt nichts Gutes, außer der Staat tut es

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hat angekündigt, nach und nach 99% seiner Facebook-Anteile (aktuell im Wert von ca. 45 Mrd. USD) in eine wohltätige Stiftung zu überführen. Damit folgt er einem uramerikanischen Prinzip, das von den Öl- und Industriemagnaten des Gilded Age wie Carnegie oder Rockefeller begründet wurde und durch den Giving Pledge von Warren Buffet und Bill und Melinda Gates in jüngster Zeit neu belebt wurde: Der Idee, große Vermögen für wohltätige Zwecke einzusetzen.

In Deutschland kommt das gar nicht gut an. Nicht, dass die Deutschen etwas dagegen hätten, dass die Reichen ihr Geld abgeben. Allerdings hat die Sache für den Geschmack des Bundesamts für das Weltgenesungswesen zwei eklatante Schönheitsfehler - es findet zum einen freiwillig und zum anderen ohne Beteiligung des Staates statt. Ganz zu schweigen vom Geburtsfehler: Es dürfte überhaupt nicht passieren, dass jemand 45 Mrd. hat. Und so versprüht der Großteil der Artikel in den Medien Gift und Galle gegen Zuckerberg, und die Kommentarspalten schäumen über vor Hass.  

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24.11.15

Adio Europa: "Warten auf die Barbaren"



[Manchmal empfiehlt es sich, innezuhalten und den einen oder anderen Text, vielleicht ein Gedicht, aus dem Bestand der Klassischen Moderne zwischen 1870 und 1940, deren Hervorbringungen zwischen Baudelaire und Gottfried Benn, W. B. Yeats und T. S. Eliot nicht nur die Formsprache der modernen Lyrik, sondern auch ihre Bildwelten geprägt haben, sine ira et studio, ohne Kommentar und Einbettung in den zeitgenössischen Hintergrund, wieder auf sich wirken zu lassen, um zu sehen, in welche andere Beleuchtung ihn die Umstände der Gegenwart tauchen. U.E.]






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21.11.15

„Wie wollen wir leben?“

„Unsere Welt wird noch so fein werden, daß es so lächerlich sein wird, einen Gott zu glauben, wie heutzutage Gespenster“, meinte Georg Christoph Lichtenberg 1774 (Leitzmann-Ausgabe D 326).

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20.11.15

Die Stunde der Bürgerrechtsfeinde


­"Those who would give up essential Liberty to purchase a little temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety."
 
                                                                             --- Benjamin Franklin, 1755

Zugegeben, das obige Zitat dürfte inzwischen eins der durchgenudeltsten (und damit meist aus dem Kontext gerissenesten) Zitate der letzten Jahrzehnte sein. Was allerdings wenig an seiner Aussage ändert.
Es war tatsächlich nur eine Frage der Zeit bis nach den Morden von Paris die Schlapphüte, Totalüberwacher, Kommunikationsspeicherer und Polizeistaatler aus ihrem Bau kriechen würden und Morgenluft wittern. Allerdings hat nicht einmal dieser Autor damit gerechnet, dass es so schnell gehen würde. Man muss das Eisen wohl schmieden so lange es heiß ist, und will man Bürgerrechte eindampfen, so muss dies im Angesicht von Panik und Angst geschehen, damit nicht all zu viele Leute darüber nachdenken, was man tatsächlich erreichen will.
Die FAZ macht hier den Anfang und stellt die schöne wie demaskierende Frage: „Darf es so was in Zukunft noch geben ?“ 
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Sind wir abwehrbereit?

Am 10. Oktober 1962 veröffentlichte der Spiegel den denkwürdigen Artikel "Bedingt abwehrbereit", in dem er die Verteidigungsfähigkeit der Bundeswehr im Falle eines Angriffs durch den Warschauer Pakt in Zweifel zog. Die Folgen sind bekannt, es gab zwar keinen sowjetischen Angriff, aber eine der geschichtsträchtigsten Affären und lebhaftesten Debatten der noch jungen Bundesrepublik. Interessanterweise spielt der Inhalt des Artikels in der Rückschau keine Rolle mehr.

Liest man ihn heute durch (was ich nur empfehlen kann), so fällt vor allem eines auf: Der aus heutiger Sicht geradezu auf militaristische Weise entschlossene Tonfall des ehemaligen Frontsoldaten und Pressesprechers des "Amtes Blank", Conrad Ahlers, sich im Verbund mit der NATO einem eventuellen Überfall auf jede nur denkbare Weise entgegenzustellen - Atomwaffeneinsatz inklusive. 

Die Zeiten haben sich geändert - heute steht mehr die unzureichende Kinderbetreuung und das Fehlen attraktiver Arbeitszeitmodelle bei den deutschen Streitkräften im Fokus der Berichterstattung des abgerüsteten Sturmgeschützes der Demokratie, denn, was Ahlers damals offenbar nicht wusste: "Krieg führen kann jeder"

Im Lichte des Terroranschlags von Paris wurde viel über Angst und Entschlossenheit gesprochen. Merkel, Gabriel, Maas und de Maizière nahmen die Debatte zum Anlass, um das zu tun, was laut Harald Schmidt die Deutschen am besten können. Mit großem Getöse kündigten sie an, zu viert zum "Freundschaftsspiel" (aus der Schwalbenperspektive betrachtet sollte man mit diesem Begriff nicht leichtfertig umgehen, immerhin sollte es gegen Holland gehen) anzureisen, um "ein Zeichen gegen den islamistischen Terror [zu] setzen"!

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14.11.15

Sans paroles...




Meister Petz


© Meister Petz. Für Kommentare bitte hier klicken.

11.11.15

Generation Facebook ? Ein Gedankensplitter zu Pioniergeist und Zufriedenheit.


Verbinden Sie etwas mit dem 23. Januar 1960, lieber Leser? Vermutlich eher nicht, zumindest nicht ad hoc. Wie steht es mit dem 29. Mai 1953? Oder dem 20. Mai 1927 ?  12. Mai 1961 ? Wenigstens den 21. Juli 1969 ?
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Zur Erinnerung an Helmut Schmidt

Den folgenden Beitrag schrieb Zettel zum 90. Geburtstag von Helmut Schmidt am 23. Dezember 2008. Wir wiederholen ihn zur Erinnerung an den gestern verstorbenen Bundeskanzler.

Kallias

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2.11.15

Über Kollektiv, Individuum und aufgehendes Saatgut. Ein Gastbeitrag von nachdenken_schmerzt_nicht

Ich möchte meine Ausführungen mit einer Äußerung unseres derzeitigen Justizministers Heiko Maas beginnen, die sich am 19. Oktober diesen Jahres auf seinem Twitter-Profil fand und die sicherlich stellvertretend für eine in Politik und Medien weit verbreite Ansicht zitiert werden kann. Zitat: „Wer Galgen und Hitlerbärten hinterher läuft, für den gelten keine Ausreden mehr. Pegida sät Hass, der dann zur Gewalt wird. Ähnlich sieht es auch die Grüne Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt, die Pegida eine Mitschuld an dem Anschlag auf die Kölner Oberbürgermeister Kandidatin Henriette Reker gibt.

Diese Formulierungen sind beide nicht ganz so offensichtlich wie eine Schlagzeile im Tagesspiegel, welche Pegida sogar als Mittäter sieht, aber sie meinen im Grunde das gleiche: Es gibt keinen Unterschied zwischen Gedanken und Tat. 

Diese Gleichsetzung mutet eigentümlich an, insbesondere in einem Land in welchem das Volkslied „Die Gedanken sind frei“ einige politische Bedeutung erlangte. Eine interessante Frage scheint mir daher zu sein, warum diese Gleichsetzung so leichtfertig gemacht wird und warum sie, so zumindest mein Eindruck anhand der Medienlektüre, auf doch einigen Zuspruch stößt.

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1.11.15

Angela Merkel: Problem oder Symptom des Problems? - Ein Gasnbeitrag von nachdenken_schmerzt_nicht

Ich habe vor ein paar Tagen den Satz gelesen, dass Angela Merkel nicht die Ursache für die aktuelle politische Krise sei, sondern das herausragende Symptom eines sehr viel tiefer liegenden Problems innerhalb unserer Gesellschaft, ohne dass dies genauer benannt worden wäre. Wenn diese Analyse zutrifft, was mir intuitiv plausibel zu sein scheint, wie läßt sich dieses tiefer liegende Problem aber fassen? Dazu gingen mir einige Gedanken durch den Kopf, an denen ich die Leser in ZR gerne teilhaben lassen möchte.
Zunächst einmal ist die Erkenntnis, Angela Merkel könnte nur Symptom und nicht etwa das Problem sein, in vielerlei Hinsicht unangenehm. - Aus offensichtlichen Gründen und weniger offensichtlichen. Zu den offensichtlichen gehört, dass es bei Richtigkeit dieser Analyse auch mit einer Abwahl Merkels keine Rationalisierung deutscher Politik geben wird. Zu den weniger offensichtlichen gehört, dass Merkel das Symptom eines beschränkten deutschen Politikverständnisses ist – wobei ich die Formulierung des „beschränkten Politikverständnisses“ im Folgenden genauer spezifizieren und darüber einen Erklärungsversuch für die aktuelle Einwanderungspolitik wagen möchte.
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30.10.15

Sterbende Dörfer

Wenn über den demographischen Wandel in Deutschland gesprochen wird, dann wird das meist an zwei Themen festgemacht. Einerseits wird die Zukunft der Rentenversicherung diskutiert, also ob die Renten für eine größer werdende Zahl von Alten von weniger werdenden erwerbstätigen Jungen bezahlt werden können. Andererseits wird der zum Teil drastische Bevölkerungsrückgang in verschiedenen Regionen angeführt, insbesondere im ländlichen Raum.

Besonders dramatisch ist die Lage in Ostdeutschland abseits weniger Ballungszentren, in Nordhessen, Nordostbayern und einigen Regionen Westfalens und Niedersachsens. Immer häufiger sind die Berichte über Dörfer, in denen nur noch ein Bruchteil der früheren Bevölkerungszahl wohnt und in denen Schulen und Infrastruktureinrichtungen geschlossen werden müssen.

Nur: Mit dem demographischen Wandel hat das eigentlich fast nichts zu tun.
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28.10.15

Schilda lebt. Eine Münsterländer Provinzposse, mit leichtem Stileinschlag

Bei den Wörtern, die es - ob nun wirklich oder nur den mangelnden Sprachgefühl von Non-native speakers geschuldet, in anderen Zungen nicht gibt und die deshalb höchstens als direkter Fremdworteinschuss ein Heimatrecht erwerben könnten, scheint das Deutsche, wenn man den angelegentlichen Ausflügen zumeist sprachpflegerischer Feuiletonisten glauben möchte, besonders gesegnet. (Oftmals handelt es sich hier leider nur um fehlbaren Lokalstolz. Vladimir Nabokov beharrte stets darauf, daß das russische "poshlost'" keine Entsprechung in einer anderen Sprache fände, auch nicht als "kitschig", "peinlich", "vulgär" oder Englisches "bathos". Portugiesen, Italiener und Türken werden jeweils eisern darauf bestehen, daß die melancholische Moll-Gestimmtheit, die eher gelassen und schwebend eine Stimmung spätherbstlichen Abendlichts evoziert, nur ihnen zugänglich sei und "saudade", "nostalgia" und "hüzün" nichts miteinander, und schon gar nicht mit dem englischen "blues" verbindet.) Bei dieser Pirsch im Wald der Worte versammelte der Pilzgänger der Frankfurter Rundschau ein gutes Dutzend Exemplare im Korb, darunter so schöne wie "Geborgenheit," "Dornröschenschlaf" und "Fernweh" (was nahelegt, daß er in den Aufforstungen des Freiherrn v. Eichendorff unterwegs war) und so prosaische wie "Torschlußpanik", "Dunkelziffer", "scheinheilig", "Bausparen", "Brückentag" und "Geschmacksverirrung".   

Woran das jeweils liegt, wird wohl, wie so oft bei den Kobolzereien der Sprache, nicht zu klären sein, aber bei der Vokabel "fremdschämen" darf man vermuten, daß im Deutschen ein verstärkter Bedarf vorliegt. Das Phänomen ist andernorts (siehe по́шлость) zwar geläufig, aber bis zum eigenen Lemma reicht es nicht. Da freut es den Beobachter, wenn einmal neben der Tristesse der erwartbaren Peinlichkeit ein Anklang an den reichlichen Vorrat entsorgter Pratfalls vernehmbar wird. Wie in dieser Provinzposse aus dem münsterländischen Gescher.





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27.10.15

Horst, was nun?

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer hat der Bundesregierung ein Ultimatum gestellt: bis "Allerheiligen" (also den 1. November) müsse eine Begrenzung der Zuwanderung her, sonst werde die bayerische Landesregierung - ja was eigentlich?

Sie werde sich dann etwas überlegen.

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21.10.15

Uhrenabgleich: Warten auf "McFly!"

Sollten sich auch hier, im Zentrum der Mitteleuropäischen Zeitzone, Zeitgenossen bereithalten, um Marty McFly bei seinem Auftauchen am unteren Ende seiner temporalen Exkursionen im pannenanfälligen DeLorean zu begrüßen, so wie es auch bei den Stationen "1885", "1955" und "1985" der Fall ist - oder sagt man war? sein wird? gewesen sein wird? - das Temporalsystem der natürlichen menschlichen Sprachen ist zur Wiedergabe der Auswirkungen fahrlässig erzeugter Chronoklasmen nur eingeschränkt tauglich - sollte also jemand planen, sich dem Begrüßungskommittee  von Biff und seinen Spießgesellen beizugesellen - deren herzhaftes und hier blogposttitelgebendes "Hey, McFly!" allerdings nur am temporalen Ground Zero 1985 A.D. dem von Michael J. Fox so kongenial gespielten Picaro gilt - sollte also...










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15.10.15

Dummes, kurz kommentiert: Berliner Politiker spielen "Flüchtlingsboot"

Vor fast genau 100 Jahren, am 5. Oktober 1915, veröffentlichte Karl Kraus in seiner Zeitschrift "Die Fackel", in der er an den Zuständen in Wien, um Wien und um Wien herum seit jeher kein gutes Haar ließ, im Rahmen einer Reihung von Zeitungszitaten eine kurze Mitteilung aus einem nicht genannten Blatt über eine neue Attraktion im Wiener Prater, mit der die k.u.k. Heeresleitung dem geneigten Publikum die Realität des Frontalltags auf den Schlachtfeldern des Weltkriegs näher bringen wollte:

"Spiele"

"Der Schützengraben wurde bis jetzt von mehr als 15.000 besucht. Nebst den großartigen Anlagen der Schützengräben fanden auch die Übungen mit den Scheinwerfern bedeutendes Interesse. Mirgen, Sonntag, werden auch die großen Scheinwerfer in Aktion treten. Das Militärkonzert beginnt bereits um 4 Uhr nachmittags. Eintritt pro Person 50 H., für Militär vom Feldwebel abwärts und Kinder 20 H. Kürzeste Abfahrt durch die Ausstellungsstraße (3. Haltestelle vom Praterstern).

"...das von Hauptmann Adolf Ott zusammengestellte Programm umfaßte neben Chorgesängen mit Schauturnen verwundeter und rekonvaleszenter Soldaten die Vorführung eines Angriffs auf die 'Festung Wulkipoff', die von diversen Feinden verteidigt wurde. Die Kleider für die 'Feinde' hatte die Brünner Theaterdirektion zur Verfügung gestellt. Natürlich wird die Festung erobert und die Feinde in ihren abenteuerlichen Kostümen dem Publikum vorgeführt. Dann wurde die Mannschaft, rund 4000 Mann, mit Bier und Gulasch bewirtet und zum Schluß ein Feuerwerk, dessen Haupteffekt die bengalische Beleuchtung des Kaiserbildes und die flammenden Initialen bildeten."
(Die Fackel, Nr. 406-412, 5. Oktober 1915, S.34)
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12.10.15

Empfehlung zum US-Wahlkampf

Es gibt leider extrem wenige politische Blogs in Deutschland, in denen nicht die Teilnehmer nur die Bestätigung des eigenen politischen Weltbilds propagieren. Saubere Analyse und offene Diskussion sind die große Ausnahme - das entspricht dem schlechten Vorbild der deutschen Medien.

Zu den lobenswerten Ausnahmen gehört Deliberation Daily. Die Autoren haben persönlich einen SPD-nahen Standpunkt, machen aber nicht in Parteipolitik, sondern bringen Fakten und Argumente.

Und aktuell bringen sie eine hervorragende Serie zu den US-Präsidentenwahlen. Besser als alles, was man in deutschen Medien lesen kann und daher von meiner Seite eine klare Empfehlung.

Vorher lohnt sich natürlich, die Grundlagen des politischen Systems in den USA nachzulesen.
R.A.

© R.A.. Für Kommentare bitte hier klicken.

6.10.15

Haltungsliteratur

Mankell war, was offenbar zur Grundausstattung guter Krimiautoren gehört, ein linker Moralist und ein engagierter Mensch. (Gerhard Spörl, SPON)
Dies soll bewusst kein Nachruf auf Henning Mankell werden. Ich habe nie ein Buch von ihm gelesen, da ich die Skandinavienkrimiwelle zwar nicht absichtlich an mir vorüberziehen habe lassen, aber mir auch keine Mühe gegeben habe, mich reitender Weise an ihr zu versuchen. Doch nach allem, was ich darüber weiß, kann ich mir nicht vorstellen, dass ich dabei irgendwelches Lesevergnügen empfunden hätte. Ich schaue ja auch keinen Tatort, und zwar aus eben jenen Gründen, die Spörl hier für Mankell anführt.

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3.10.15

Eine Lanze für Flüchtlinge. Und auch dagegen.


Dieser Post ist nicht zuletzt durch den Erlebnisbericht unseres Zimmermitgliedes Daska inspiriert, der hier seinen Weg in ein eigenes Posting gefunden hat. Ich glaube diesen Bericht. So ziemlich ohne Wenn und Aber. Und ich glaube ebenso, dass sich Vergleichbares in den vergangenen Monaten zehntausende Male so oder so ähnlich in Zügen, Bussen, auf Schiffen und auf der Strasse zugetragen hat. Menschen haben die fasznierende wie wunderbare Eigenschaft näher zusammenzurücken, umso stärker sie selber einer Bedrohung ausgesetzt sind oder gerade ausgesetzt waren. Auch die deutsche Geschichte ist voll mit Beispielen, wo wildfremde Menschen ihre Menschlichkeit gerade in Angesicht von grossen Katastrophen und Bedrohungen entdecken und ausleben.
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2.10.15

Alte Rivalen

Eine erstaunliche Schlagzeile: "Russische Luftangriffe verärgern die Türkei". Erstaunlich nicht nur inhaltlich: Sowohl Rußland wie die Türkei kämpfen offiziell gegen den IS, aber real bombardieren sie dessen Gegner. Rußland die syrische Opposition, die Türkei die Kurden. Bei so viel Gleichklang müßten die Türken sich ja freuen, nicht verärgert sein.
Aber erstaunlich auch wegen der Details des Protests. Der wurde nämlich von den Alliierten erhoben, also den USA, Frankreich, Großbritannien und dann noch diversen arabischen Staaten und eben der Türkei. Und übrigens auch Deutschland - aber das ist nur unwichtige Folklore.

Wie kommt also der Spiegel dazu, nur über die Türkei zu reden, wenn normalerweise die USA als Hauptakteur gelten? Das liegt wohl nur daran, daß die Erklärung von der türkischen Regierung veröffentlicht wurde. Es ist eher unwahrscheinlich daß der Spiegel-Reporter begriffen hat, was er da eigentlich abschreibt.

Denn eigentlich geht es um etwas ganz Anderes: Den Konflikt der beiden traditionellen Gegner Rußland und Türkei um ihre Einflußsphären im Nahen Osten.
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1.10.15

Die Nationaltracht

Die wirklich völkerverbindende Wirkung eines Erasmus-Aufenthalts entfaltet sich erst, nachdem die Beteiligten ihr Auslandssemester hinter sich haben. Denn dann kommen die gegenseitigen Besuche der aus allen möglichen europäischen Ländern stammenden Studenten. Und die wollen sich natürlich sowohl amüsieren wie auch das jeweilige andere Land kennenlernen.

Das heißt konkret: Die Belgier, Schweden, Engländer usw., die meine Tochter bei ihrem Frankreich-Semester kennengelernt hat, sagen sich zu einem Oktoberfestbesuch an. Ersatzweise, weil in München kein Platz mehr ist, werden die Cannstadter Wasen angepeilt.
Und um sich ordentlich aufs Volksfest vorzubereiten, kauft sie sich nun erst einmal ein Dirndl.
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30.9.15

Zitat des Tages: Zum Tod von Hellmuth Karasek

Ich hatte mich daran gewöhnt, dass es ihn gibt, und solange es ihn gab in meiner Umgebung, war dieses ideologisch überhitzte Deutschland weniger verbissen, weniger dumm. 

Es war lebenslustiger.
(Matthias Matussek zum Tod von Hellmuth Karasek)

Kommentar: 

Diesem geradezu zärtlichen Nachruf gibt es zur Person von Karasek wenig hinzuzufügen. Karasek war der Beweis dafür, dass ein hohes bildungsbürgerliches Niveau selbst in Deutschland nicht zwangsläufig zu Verbitterung, Elitarismus und Pöbelverachtung führen muss, wie es so häufig der Fall ist. Er war sich im besten Sinne zu nichts zu schade, kein Thema war ihm zu banal - und wenn er es behandelte, ließ er sich nicht dazu herab, sondern hob es empor.

Er, der scherzte, oft mit Grass verwechselt zu werden, überlebte seinen großen Antipoden nur um ein paar Monate. Allerdings: An literarischen Gewissen der Nation wird auch zukünftig kein Mangel herrschen. Karaseks fantastische Beschwörung der leichten Muse wird nun Willemsen übernehmen. Und das ist ein Gedanke, der fast ebenso traurig stimmt wie die Nachricht von seinem Tod.

Die Feder entschwindet, es bleibt das Blei.

R.I.P.


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Meister Petz


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23.9.15

Der Wagen des Volkes

Endlich kriegen die dreisten Manager der Autokonzerne, die unsere Luft verpesten, mal so richtig einen auf den Deckel, mag mancher Umweltaktivist denken! Endlich bekommen es die Schulmeister aus Deutschland auch mal mit der Angst zu tun, mag sich mancher im schuldengeplagten Südeuropa freuen!
So verständlich diese Haltung sein mag – eine solche Häme ist angesichts der Dramatik der Ereignisse um Volkswagen nicht angebracht. Pathetisch zugespitzt gilt: Scheitert VW, dann scheitert Deutschland. Und scheitert Deutschland, scheitert Europa. (Richard Rother, taz)  

Sie haben richtig gelesen - dieser Kommentar stammt nicht aus der Auto Bild, sondern aus der taz! Aus dem antinationalistischen Ökoblatt, dem der Niedergang eines vom Führer persönlich gegründeten Konzerns, der die Welt mit fossil betriebenen Dreckschleudern verpestet, doch eigentlich einen inneren evangelischen Kirchentag bereiten müsste!


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21.9.15

Die Atomverschwörung (2): Privatisieren und sozialisieren

Der zweite Teil der Atomverschwörung ist aufgrund des Ausstiegs eigentlich in weiten Teilen eine Braunkohleverschwörung. Aber er passt so schön zum Thema, weil es hier auch darum geht, wie ein Thema kommuniziert wird und wie die Fakten sind. Wieder geht es um RWE.

Als Aufhänger diene folgende Meldung, die aber nur der Höhepunkt einer seit dem Beginn der Energiewende andauernden Entwicklung ist: 
Um rund 60 Prozent haben RWE-Aktien an Wert verloren - in nur einem Jahr. Experten warnen: Der Konzern droht mittelfristig aus dem Dax zu rutschen. Dem Essener Energiekonzern RWE droht nach Einschätzung von Experten ein Abstieg aus dem Deutschen Aktienindex (Dax).   
"Der Abstieg von RWE ist noch nicht akut, aber es darf auch nicht mehr viel passieren“, sagte der Index-Experte der Landesbank Baden-Württemberg, Uwe Streich.

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19.9.15

Im Zug von Wien nach München. Ein Erlebnisbericht von Daska

Ich frage: Wer könnte und was könnten wir von den Flüchtlingen lernen?

Am Samstag, den 5.9. wurde ich mit den Flüchtlingen zusammen, mit denen ich im selben Regionalzug aus Osten kommend saß, bei der Ankunft im Münchner Hauptbahnhof beklatscht. Ich suchte schnell das Weite und verschwand in der Menge der Schaulustigen, bevor einer auf die Idee gekommen wäre, mich vor laufender Kamera nach meinem Woher und Wohin zu fragen.

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18.9.15

Wer könnte und was können wir schaffen?

Die deutsche Vergangenheit weist Deutschland eine besondere Pflicht zu, die echten Flüchtlinge aufzunehmen. Unser Asylgesetz wurde vom Wissen um vergangene Verfolgungen von Millionen geschrieben. Sind es verrückte Gutmenschen gewesen, die mit Obst und Teddybären an die Bahnhöfe eilten, um die Fremden zu bewillkommnen? Vielleicht wollten die Deutschen nicht nur wiederum die Besten sein, wie andere Europäer spotteten.

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17.9.15

Von denen da oben und denen da unten


­Es ist schon ein seltsames Erlebnis in diesen Tagen die Zeitungen liest: Egal ob man Interviews, Reportagen, Berichte oder Kommentare liest, überall findet man ein nahezu einheitliches Bild: Deutschland heißt die Flüchtlinge willkommen. Deutschland zeigt Mitgefühl. Deutschland ist das Fanal der Humanität. Deutschland führt Europa in eine bessere Zukunft. Deutschland löst sein Demographieproblem.

Nun kann das –theoretisch- ja alles sein. Irritierend ist aber, dass es, nicht nur nahezu sondern ganz praktisch, keinen Gegenstandpunkt mehr gibt. Und nicht nur das, auch die Faktenberichterstattung zeichnet inzwischen ein sehr interessantes, um nicht zu sagen seltsames, Bild der Realität. 
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15.9.15

Über die Pflicht und das Recht in einer multikulturellen Gesellschaft zu leben und dem Wunsch nach Demokratie.


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Vor einigen Tagen habe ich mir Gedanken zum gemeinen deutschen Pack gemacht, das Siggi Pop ganz gerne aus Deutschland ausschließen, zumindest dem gegenüber er seine Augen gerne verschließen möchte. Andere Autoren sind dann noch einen Schritt weiter gegangen und haben halb Sachsen zum Pack erklärt, womit der Begriff Dunkeldeutschland eine fragwürdige Renaissance erleben durfte. Und wie immer, wenn man etwas skalieren kann, so macht das in aller Regel nicht an einer Ländergrenze halt: Es gibt nicht nur Dunkeldeutschland, es gibt inzwischen auch Dunkeleuropa, zumindest in Teilen. Die Nummer eins der Dunkelmänner (Dunkelfrauen gibt es bekanntlich nicht) sind inzwischen wohl die Ungarn, die es angesichts des Elends dieser Welt tatsächlich gewagt haben, auf bestehende Verträge und Gesetze zu verweisen. Aber auch andere Europäer sind nicht so ohne, gibt es doch Länder die mehr oder weniger offen verkünden, dass sie eben keine oder nur bestimmte „Flüchtlinge“ (neudeutsch: Migranten) aufnehmen wollen. Und manchmal (aber nur manchmal) gibt es auch mal ein ehrliches Wort darüber, dass man seine kulturelle Homogenität gerne erhalten möchte. Das ist dann schon ziemlich Pack. Um nicht zu sagen Autobahn.
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14.9.15

Wir schafften das nicht

Was für ein Rausch, was für ein Höhenflug: Kaiserinnenwetter im Frühherbst! "Wir schaffen das!", ruft die Kanzlerin, liebevolle Menschen strömen zu den Bahnhöfen mit Geschenken und Gesängen, Mama Merkels neue Untertanen freuen sich, die Dichter in den Redaktionsstuben schreiben Huldigungen.

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11.9.15

Zitat des Tages: Keine Obergrenze

"Das Grundrecht auf Asyl für politisch Verfolgte kennt keine Obergrenze; das gilt auch für die Flüchtlinge, die aus der Hölle eines Bürgerkriegs zu uns kommen."
(Angela Merkel, Rheinische Post vom 11.9.2015.)

Mit dem ersten Satz hat die Kanzlerin recht. Wobei allerdings dieses Grundrecht seit langem so gut wie abgeschafft ist: denn wer nicht gerade mit dem Boot an der Nordseeküste anlandet, ist zwangsläufig über einen sicheren Drittstaat eingereist und kann sich damit nicht mehr auf eine politische Verfolgung berufen. So steht's im Grundgesetz, Artikel 16(2).

Das gleiche müsste dann freilich auch für die Flüchtlinge gelten, die aus der Hölle eines Bürgerkriegs kommen. Auch diese haben Aufnahme und Sicherheit in Drittstaaten gefunden, bevor sie sich auf den Weg zu uns begeben haben.

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10.9.15

Die Kolonialherren

Eigentlich sollte der Vortragende über Geschichte sprechen, über 200 Jahre Wiener Kongreß. Aber die Parallele lag halt nahe: Damals durfte man ja noch Länder erobern und aufteilen, und der russische Zar war dabei geschätzter Partner. Und heute sind diese schönen Sitten außer Mode gekommen und der arme Wladimir muß deswegen draußen bleiben. Was dem Vortragenden überaus mißfiel und nach den üblichen Klagen über den Verfall von Bildung und Moral zur Aufzählung des großen Sündenregisters führte: "Wir" wollen den Russen wie schon damals im Krimkrieg ihre Gebiete wegnehmen, und "wir" haben den Zerfall Jugoslawiens verursacht und "wir" haben das osmanische Reich zerschlagen und damit die Konflikte in Nahost verursacht.

Wenn man deutsche Medien verfolgt, bekommt man von linker Seite Ähnliches serviert: "Wir" haben die Taliban und ISIS gegründet und unterstützt, "wir" hatten auch seinerzeit zu verantworten, daß die Mullahs den Iran übernommen haben. "Wir" sind schuld an der Armut in weiten Teilen der Welt und "wir" sind schuld an Afghanistan, Irak und Libyen, weil "wir" interveniert haben und an Eritrea, dem Sudan und Burundi, weil wir nicht interveniert haben.
In Syrien sind sich die Kommentatoren noch uneinig, ob "wir" schuld sind wegen Intervention oder "wir" schuld sind wegen Nicht-Intervention. Auf jeden Fall sind sie eich einig: Die Einheimischen haben mit dem Bürgerkrieg sicherlich nichts zu tun.
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7.9.15

Spielgeld

Es war der große Hype. Pünktlich zur "Eurokrise" wurde eine Währung propagiert, die top-modern daher kam und alle Nachteile der klassischen Zentralbank-Währungen vermeiden sollte.
Es verstand zwar kaum jemand, wie diese Bitcoins eigentlich genau funktionierten. Aber die EDV-Nerds hatten Tools bereitgestellt, mit denen auch Amateure sich ein Bitcoin-Konto anlegen und benutzen konnten.

Die Eigenschaften von Bitcoin trafen genau die wunden Punkte, die die Zentralbank-Kritiker und Staatsskeptiker am Euro und anderen Währungen störten:
- Bitcoin ist eine völlig neutrale Währung, "gehört" niemanden und ist daher von niemand, auch keinem Staat, beeinflußbar.
- Insbesondere ist die Zahl der Bitcoins vom System her beschränkt, d.h. es kann keine Inflation geben oder eine Entwertung durch "Quantitative Easing", wie das die EZB derzeit praktiziert.
- Das ganze Bitcoin-Zahlungssystem läuft völlig anonym. Kein Geheimdienst kann herausfinden, welcher Eigentümer hinter einem Konto steckt. Und ohne den kryptographischen Schlüssel des Eigentümers kann auch niemand auf das Geld auf diesem Konto zugreifen.

Inzwischen hat Bitcoin einige Höhen und Tiefen, insbesondere auch einige Krisen hinter sich.
Und es wird immer klarer: Es bleibt ein Spielzeug für bestimmte Nischengruppen und wird keine Alternative zu normalen Währungen sein.
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5.9.15

Können wir das schaffen ?


Wer kleine Kinder in seinem Umfeld hat, kommt oftmals unweigerlich um zwei Sätze nicht herum: „Können wir das schaffen ? Jo, wir schaffen das.“. Es ist die Parole von Bob dem Baumeister und immerhin hat eine Abwandlung des zweiten Satzes einen weit überforderten Hinterbänkler ins Amt des amerikanischen Präsidenten befördert.
Nun war es unsere Frau Bundeskanzler die in der letzten Woche mit einem ähnlichen Satz glänzte. Genaugenommen sagte Sie wohl: "Wir schaffen das, und wo uns etwas im Wege steht, muss es überwunden werden." Bezogen hat Sie sich dabei –selbstredend- auf den derzeitigen Zustrom an Flüchtlingen in die Bundesrepublik. 
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4.9.15

Dumpfer Hass und klare Kante. Zweite Ergänzung zu Llarians Pack-Zettel-Beitrag

Nach Sigmar Gabriels Auftritt in der Packstation Heidenau legte er in einem SZ-Interview nach, und diese Aussage ist ebenfalls sehr aufschlussreich:
Ihn besorgten zwei Dinge, sagte Gabriel der "Süddeutschen Zeitung": "Das eine ist die Vermutung der Neonazis wie in Heidenau, dass sie dem sogenannten gesunden Volksempfinden Ausdruck verleihen und dass sie sich dabei für nichts mehr zu schade sind - also mittlerweile auch unter Klarnamen übelste Hetzparolen verbreiten." Noch mehr Sorgen mache ihm aber, "dass in der Mitte der Gesellschaft der Anteil derjenigen wächst, die Politik, Politiker und Parteien verachten".
Nun sage noch einer, dass unser Siggi das Herz nicht auf der Zunge trägt. Schon schlimm, dass es Neonazis gibt - aber viel schlimmer: Die Leute können die Politiker nicht leiden. Also mich! Diese Reaktion erinnert an einen anderen bekannten deutschen Staatsmann vor fast 25 Jahren.

Überhaupt ist es auffällig, dass Gabriel mit dem Pack durchzukommen scheint, ja gar damit punktet. Denn seit Strauß mit seinen "roten Ratten", der damals auch innerhalb der Union für seine Wortwahl scharf kritisiert wurde, hat es kaum ein Politiker der ersten Reihe mehr gewagt, sich derart zu äußern. Aber Chapeau, er hat die Stimmung richtig eingeschätzt und vorausgesehen, dass ein Politiker momentan am meisten gewinnen kann, wenn er seinen Stil denen anpasst, die er eigentlich genau dafür ächten will.

Denn die Beobachtung ist ja nicht falsch, dass immer mehr Hass und Verachtung wahrnehmbar ist. Aber dazu stellt sich die Frage: 

Beißen die bellenden Hunde auch? Ich glaube, in den seltensten Fällen. Denn die Mehrheit, die aktuell jeder hinter sich zu wähnen scheint, der sich politisch äußert, ist im Grunde genommen weder an der Revolution noch an der nationalen Erweckung interessiert. Es ist das gute alte "Man müsste halt mal...". 

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3.9.15

Humanismus? Erste Ergänzung zu Llarians "Pack"-Zettel-Beitrag

Habt Dank, dass Ihr nie fragt / Was es bringt, ob es lohnt / Vielleicht liegt es daran / Dass man von draußen meint / Dass in Euren Fenstern / Das Licht wärmer scheint. (Reinhard Mey, 1972)

Es fällt mir zunehmend schwerer, mich zur Flüchtlingsproblematik zu äußern. Nicht nur, dass die Debatte völlig polarisiert ist. Es gibt nur noch zwei Positionen: "Alle rein" oder "Alle raus". Jeder Zwischenton, jeder Hinweis auf die Komplexität der Situation wird gnadenlos zerrieben. Aber ich möchte hier auch nicht meine Position darlegen, das hat der Kollege Herr in so überzeugender Weise hier getan, dass ich mich vollständig darin wiederfinde. 

Außerdem möchte ich keinesfalls zu den gefühlt 99% Mitbürgern gehören, die ganz genau wissen, was zu tun ist, und das in schlüssigster Weise damit begründen, dass sie es ja schon immer gewusst haben. Um es ganz offen zu sagen: Ich habe keine Ahnung, wie man das Problem am besten in den Griff bekommt. Und von den out-of-the-box-Argumenten hat mich bisher noch keines überzeugt. Ich hänge nicht so sehr an der Deutschtümelei, dass ich sie vermissen würde, auch bin ich kein Karl-May-Fan, der sich wünscht, auf der A9 von Bagdad nach Stambul zu fahren. Kurz gesagt, weder die bevorstehende Bereicherung des Abendlandes noch dessen dräuender Untergang will mir einleuchten. Und von beidem wird mir zu viel dahergefaselt.

Genau genommen will ich mich damit persönlich gar nicht mehr beschäftigen, weil es mich so frustriert. Ich zahle der deutschen Verwaltung jedes Jahr einen fünfstelligen Betrag allein an Einkommenssteuer, und dafür möchte ich doch erwarten können, dass eine bestehende Situation legislativ, juristisch und administrativ bewältigt werden kann. Wenn ein ganzes Mittelmeerland scheinbar problemlos alimentiert werden kann, dann muss es doch auch für dieses Flüchtlingsproblem eine Lösung geben. Wie gesagt, ich habe mich daran gewöhnt, dass mit meinem Steuergeld ziemlich viel Unsinn angestellt wird, und den Gedanken aufgegeben, dass man ja auch auf die Idee kommen könnte, es mir zu lassen, um damit meinen ganz persönlichen Unsinn anzustellen. Wenn's also ein paar Mark fuffzig mehr kostet, sei's drum. 

Wenn mich aber etwas an der Debatte aufregt, ist es ihre unsägliche Verlogenheit, das schier unerträgliche Ausmaß an Hybris und Selbstbetrug, dem ich tagtäglich ausgesetzt bin. Dies möchte ich in zwei Artikeln tun, dabei beginne ich mit der Bereicherungsfraktion.

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28.8.15

Du bist Deutschland. Du bist das Pack. Ein Gedankensplitter zu Pflichten und den Pflichten anderer.



SiggiPop, der ja immer wieder für den einen oder anderen Satz ausgesprochener Blödheit gut ist, hat einen interessanten Satz von sich gegeben, in seiner „Rede“, in der er erklärt hat, welches Pack demnächst eingesperrt werden muss. Er sagte: „Das sind Leute, die haben mit Deutschland nichts zu tun."
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Prankenhieb: Erstaufnahmeeinrichtungen

Um den unkontrollierten Strömen auf die völlig überlasteten Flüchtlingsunterkünften Herr zu werden, wird vorgeschlagen, jetzt Erstaufnahmeeinrichtungen zu errichten - für Politiker.

"Wir sind am Ende unserer Kräfte", so eine Sozialpädagogin, die zusammen mit ehrenamtlichen Helfern in einer Flüchtlingsunterkunft tätig ist. "Wir haben hier sowieso schon alle Hände voll zu tun. Und dann vergeht kein Tag, an dem nicht mindestens ein Landrat oder eine Wahlkreisabgeordnete mit Fotografen und Reportern im Schlepptau hier aufkreuzt".

Dem soll nun entgegengewirkt werden. "Eine zentrale Aufnahmeeinrichtung würde uns sehr entlasten", erklärt der Geschäftsführer des Caritas-Verbandes in einer mittleren Großstadt, der ebenfalls anonym bleiben möchte. Auch dem Vorschlag, die Mandatsträger dort nach Parteien zu trennen, kann er etwas abgewinnen: "Es kommt öfter zu hitzigen Diskussionen, einmal wäre beinahe ein Handgemenge entstanden, als ein Linken-MdL eine Seite aus dem CDU-Programm gerissen hat".

Als Standorte für die Einrichtung sind Mainz oder Berlin-Mitte im Gespräch, vorrangig aufgrund der guten Erreichbarkeit für Medienvertreter. Zusätzlich sollen in einem Pilotversuch 100 Flüchtlinge mit einer provisorischen Arbeitserlaubnis ausgestattet werden, um für gemeinsame Fototermine bereitzustehen. "Das schafft Arbeitsplätze und ist zugleich ein wichtiger Schritt zur Integration", betont der Caritas-Mann. "Denn so lernen die Flüchtlinge, die Anliegen der Politiker besser zu verstehen".
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Meister Petz

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27.8.15

JA – ABER

Eine Online-Petition begleitet die Amtseinführung des neuen Bischofs der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, Dr. Carsten Rentzing: „JA-zur-Amtseinführung-ABER“. Die Unterzeichner möchten deutlich machen, dass sie für eine andere Kirche stehen, als Rentzing sie repräsentiert, der u. a. erst unlängst seine Vorbehalte gegen die Gleichbehandlung von Homosexuellen in der Kirche zum Ausdruck gebracht hatte. Nun halte ich grundsätzlich nicht viel von dieser wohlfeilen Art der Online-Mobilisierung, wo man schnell für dies oder das unterschreibt. Hier wird aber nicht mehr als eine Befindlichkeit artikuliert. Also – was soll’s! Ich wünsche meinem neuen Landesbischof Gottes Segen ohne Wenn und Aber. Und wenn es an seiner Amtsführung etwas zu kritisieren geben sollte, dann kann ich das zu gegebener Zeit auf verschiedenen Wegen immer noch artikulieren.

Eigentlich geht es mir in diesem Beitrag um etwas ganz anderes, um ein anderes JA-ABER. Und das beginnt mit einer Äußerung des scheidenden sächsischen Bischofs, Jochen Bohl. Evangelisch.de berichtet:

"Flüchtlinge haben ein Recht darauf, als Menschen in Not Hilfe und Unterstützung zu erhalten", sagte der stellvertretende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Jochen Bohl, der "Rheinischen Post" in Düsseldorf. "Wir werden uns durch Brandstifter in unserem Engagement nicht einschüchtern oder entmutigen lassen", fügte der sächsische Landesbischof angesichts der jüngsten Brandanschläge hinzu. Es könne keine Rede davon sein, dass der Wohlstand des Landes durch Flüchtlinge bedroht wäre.

Das ist ein JA ohne ABER. Ein Bekenntnis zur Hilfe für Menschen in Not, ein Bekenntnis zum Einsatz und zur Unterstützung für die, die als Flüchtlinge zu uns kommen – gegen Kritik und Krawall.
Ich stehe dazu und finde das selbstverständlich.
Am kommenden Sonntag ist das bekannte Gleichnis vom Barmherzigen Samariter Predigttext in den Evangelischen Kirchen, und ich weiß eigentlich gar nicht, was ich angesichts der Ereignisse in Heidenau, Freital, Nauen usw. als Pfarrer anderes tun sollte, als diese Geschichte mehrmals hintereinander laut vorzulesen.
Wo Menschen in existenzielle Not geraten sind, unter die Räuber gefallen sind, da ist es Christen- und Menschenpflicht zu helfen, zu verbinden, Raum und Geld zur Verfügung zu stellen. Und ebenso ist es Christen- und Menschenpflicht, denen entgegenzutreten und zu widersprechen, die diese selbstverständliche Hilfe in Not ablehnen, behindern, bekämpfen und verunglimpfen.

ABER, und auf dieses ABER kommt es mir an: Wir haben kein Recht und keine Pflicht, uns und die anderen zu belügen über die Größe der Probleme, der Aufgaben und der Kosten, die da auf uns zu kommen.
Es könne keine Rede davon sein, dass der Wohlstand des Landes durch Flüchtlinge bedroht wäre. – So ein Satz ärgert mich. Hilfe für Hunderttausende, mittelfristig mehrere Millionen Flüchtlinge kann keiner aus der Portokasse bezahlen. Darum MUSS nachgerade endlich davon die Rede sein, was die Flüchtlingskatastrophe uns kostet.
Und damit meine ich nicht nur die finanziellen Kosten für die öffentlichen Haushalte und das Wohlstandsniveau eines Landes, sondern viel mehr auch die Kosten für die Demokratie und für den öffentlichen Frieden. Es muss davon gesprochen werden, was es bedeutet, wenn von den Millionen, die zu uns kommen, Hunderttausende kein Verständnis für demokratische, rechtsstaatliche und freiheitliche Verhältnisse und Lebensformen mitbringen, oder was es heißt, wenn sie die Konflikte, denen sie in ihren Herkunftsländern entflohen sind, mit zu uns bringen. Die Ereignisse in Suhl sollten da wach und hellhörig machen. Und nicht zuletzt muss auch im Blick sein, dass mit den Flüchtlingen auch islamistische Kämpfer und Terroristen kommen bzw. bewusst eingeschleust werden.
Nach Jahrzehnten ist es nur teilweise gelungen, Immigranten aus bestimmten Herkunftsländern und -regionen in die deutsche Gesellschaft zu integrieren. Wie schwierig wird das erst mit den Millionen werden, die jetzt kommen?
Mit den hilfsbedürftigen Menschen kommen Kosten und Probleme, riesige Kosten und Probleme, von den wir heute nicht wissen, ob wir ihnen gewachsen sein werden. Das ist das große ABER.
Wer dieses ABER nicht sagt, der macht sich mitverantwortlich dafür, dass sich die „besorgten Bürger“ belogen und betrogen vorkommen.

Wenn wir das menschlich geforderte JA zur Hilfe für Menschen in existenzieller Not sagen, dann erfordert das für unsere Gesellschaft eine gewaltige Kraftanstrengung. Dass alles so bleiben könnte, wie es ist, ist eine Illusion, und mit dieser Illusion die Beunruhigten ruhig stellen zu wollen, wird nicht funktionieren. Das würde ich meinem Noch-Bischof und all den Willkommens-Enthusiasten dieser Tage gerne sagen.
Und den „besorgten Bürgern“ würde ich gerne sagen: „Vielleicht habt ihr mit allen euren Befürchtungen recht; und trotzdem habt ihr als Menschen die verdammte Pflicht, eure Mitmenschen in Not menschlich zu behandeln!“

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21.8.15

Eine kleine Anmerkung zur Moral und warum einem nicht jeder leid tun muss.



Eine Geschichte, die es vielleicht nicht in die Top-Schlagzeilen dieser Tage geschafft hat, aber immerhin dennoch in den meisten Zeitungen zu finden war, ist der vor gut einem Monat ausgeführte Hack der Ashley-Madison Webseite. Oder vielmehr weniger der Hack als die Veröffentlichung der Nutzerdaten.
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19.8.15

Begegnung in Kazimierz

Bei einer Polenreise ist der Besuch in Krakau auf jeden Fall ein Höhepunkt. Historisch eines der glänzendsten Kulturzentren Europas und von Kriegen unzerstört. Die Altstadt, die Museen, der riesige Marktplatz, der Dom mit dem Veit-Stoß-Altar, die Königsburg - eine Fülle von touristischen Leckerbissen.

Und Kazimierz, das alte jüdische Viertel. Vor dem Krieg die größte jüdische Gemeinde in Europa mit einer großen kulturellen Tradition.
Dann kamen die Massenmörder. Von 3 Millionen Juden in Polen überlebten nur einige hunderttausend die Nazi-Herrschaft. Die aber ebenfalls nicht bleiben konnten. Beim Thema Antisemitismus waren sich die meisten Polen recht einig mit den deutschen Besatzern. Kurz nach dem Ende der KZ-Morde gab es schon wieder Pogrome, spätestens nach der antisemitischen Kampagne der kommunisten Führung 1968 war das Land "judenrein".
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16.8.15

Serien in Zettels Raum: Umweltschutz reloaded. Die Sache mit dem Dosenpfand.


Können Sie sich noch an das Dosenpfand erinnern, lieber Leser ? Natürlich können Sie das, schliesslich werden Sie Tag für Tag damit konfrontiert (zumindest wenn Sie ihren Wohnsitz noch in Deutschland haben).

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13.8.15

Das Universum stirbt


Eigentlich handelt es sich bei der Meldung, die uns aus den Kreisen der Wissenschaft über das Universum erreicht, um eine Nachricht, die alleroptimalst geeignet scheint, das Sommerloch mit leichtem Wellenschlag zu beleben, eine roßbreitenähnliche mediale Kalmenzone, in der sonst nur das Ungeheuer von Loch Ness, die Kleinen Grünen Männchen (als es sie, Jahrzehnte ist das her, noch gab), Claudia Roth oder ähnliche Phänomene für folgenlose Kurzweil sorgten, deren Irrlichtern ohne Bedeutung für das wirkliche Leben in der sublunaren Sphäre am Grunde des Luftozeans ist. Somit handelt es sich auch um das natürliche Biotop der Astronomie, jedenfalls den Teil der Sternenguckerei, von dem die Großen Medien glauben, daß es für das breite Publikum von interesse sein könnte. Vom amerikanischen Regisseur Cecil B. DeMille, dem Vater des Breitwandspektakels, stammt der Ratschlag, daß ein guter Film mit einem Erdbeben anzufangen und sich dann langsam zu steigern habe: "Start with an earthquake and work to a climax." Großformatiger als mit dem gesamten Universum kann man wirklich nicht beginnen, und sein Untergang stellt die denkbar dramatischste Wendung dar.

Und so lauteten denn auch die Aufmacher in diversen Medienportalen wie folgt:
"The Universe Is Dying" (IFL Science, 10. August 2015)
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9.8.15

Zitat des Tages: Der Realitätssinn der Grünen

"Für uns Grüne ist das leider ein harter Realitätstest. Es hat uns schon öfter erwischt, dass wir mit großem Enthusiasmus hehre Ziele verfolgt haben und dann hat die Wirklichkeit sich nicht danach gerichtet."

Boris Palmer, grüner OB in Tübingen, zum Thema Abschiebungen.

Kommentar:

Jedem, der sich auch nur ein bisschen in der Philosophie auskennt, springt beim Lesen dieses Satzes sofort eine eindeutige Assoziation ins Auge. Diese Denkfigur Palmers hat nämlich einen sehr berühmten Vorläufer, witzigerweise sogar einen Landsmann Palmers, der zwar ziemlich genau 200 Jahre früher, aber keine 20 Kilometer entfernt von ihm das Licht der Welt erblickt hat - Hegel.
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7.8.15

Kein ganz schlechter Eckpunkt

Die SPD hat eine Idee, wie man das Asylverfahren entlasten könnte. Wie die "Rheinische Post" mitteilt, sollen Einwanderer aus dem "Westbalkan" Arbeitsvisa erhalten, wenn sie einen Arbeitsvertrag haben, "der ein Einkommen oberhalb des Mindestlohns (1460 Euro brutto im Monat) sichert und nach Tarif oder branchenüblich bezahlt werden". So steht es in einem "Eckpunkte-Papier", das die Ministerpräsidenten und der Bundesvorsitzende am 3.8. beschlossen haben. (Rheinische Post, 6.8.2015)

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6.8.15

Das nackte Gute

Wenn mich gestern jemand gefragt hätte, was ich an diesem Tag vor fünf Jahren erlebt habe, hätte ich passen müssen. Da aber die Wikipedia-Startseite eine Rubrik "Jubiläen" hat, habe ich mich zumindest daran erinnert, was ich exakt 69 Tage später erlebt habe, und es war eine schöne Erinnerung.

Ich habe morgens vor dem Fernseher gesessen und mit Tränen der Rührung und Freude die Ausfahrt der 33 chilenischen Bergleute aus dem Schacht in San José verfolgt, die zuvor drei Monate dort gefangen waren. Komplett, auch nach der zehnten Ausfahrt habe ich mir zu keinem Zeitpunkt gedacht, "jetzt habe ich es gesehen, jetzt kann ich wegschalten".

Warum hat mich das so fasziniert? Ich erkläre es mir damit, dass diese Bilder in ihrer unmittelbaren Wucht etwas transportieren, das ich mangels eines besseren Begriffes "das nackte Gute" nennen möchte. Religiöse Menschen könnten es auch als Gotteserfahrung bezeichnen.
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5.8.15

Vom Bundesanwalt und der Unerträglichkeit.

 „Es entbindet Journalisten nicht von der Einhaltung der Gesetze“.
 
                                               --- Harald Range, 2015

Einen schönen Satz hat Herr Range da getan. Der Journalist ist nicht von der Einhaltung der Gesetze entbunden. So trivial wie richtig. Und dennoch ein Satz der ganz hervorragend in das Rechtsverständnis lupenreiner Demokratien unserer Tage passt, wie man sie am Bosporus oder in Vorderasien finden kann. 

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4.8.15

Meckerecke: Die PRD

Das sogenannte System Merkel wird ja vorrangig dadurch charakterisiert, dass die Kanzlerin sich "vom Volk entfernt", "unserem Ansehen Schaden zufügt" (hauptsächlich in einer bestimmten Mittelmeerrepublik) usw., vor allem aber, dass sie bevorzugt gar nichts tut oder erst dann, wenn die Sache schon gelaufen ist. 

Für Angela Merkel mag letzteres in gewisser Hinsicht sogar zutreffen. Und ich habe den Verdacht, dass das der Grund dafür ist, warum sie der Großteil des medial-politischen Berlins nicht leiden kann. Weil sie nicht über jedes Stöckchen springt, das ihr hingehalten wird. Und wenn sie es in der Vergangenheit getan hat, hat sie in der Regel daraus gelernt. Jedenfalls hat man seit dem Atomausstieg keine energiepolitische Äußerung mehr von ihr gehört - da lässt sie lieber den Kollegen Gabriel mit schöner Regelmäßigkeit ins offene Messer rennen, genauer gesagt in den offenen Hirschfänger aus München.

Ähnliches gilt noch für Schäuble, der einfach sein Ding durchzieht, ob es irgendwem passt oder nicht.

Ansonsten gleicht das politische Berlin, das in einer nie da gewesen Symbiose mit dem journalistischen Berlin lebt, einem aufgescheuchten Hühnerhaufen, das vor nichts mehr Angst zu haben scheint als vor dem Shitstorm, den irgendein Redaktionspraktikant lostritt und von seinen genauso unbedeutenden Followern geteilt wird.

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