Zettels Raum Vernünftige Gedanken von Gott, der Welt und der Seele des Menschen, auch allen Dingen überhaupt

19.6.13

Kurioses, kurz kommentiert: Gendergerechte Sprache in Country-Texten

Wie SPON heute berichtet, hat sich eine feministische Aktivistin in den USA endlich einer wirklich dringenden Aufgabe gewidmet: Die Country-Songs der Sängerin Taylor Swift werden via Twitter in eine gendergerechte Sprache übersetzt. Das liest sich dann so:

She wears high heels

I wear sneakers

We're each expressing our gender identities

in ways that make us feel comfortable

Solche Aussagen hätten Sie nicht in einem Country-Text erwartet? Sie kennen noch die herkömmliche Art der Country-Musik, in der die Sängerin über Liebe und andere Gefühle singt? Dann sind Sie vermutlich völlig von gestern.

Ein Country-Text kann doch heute unmöglich ohne die Erwähnung von »gender identities« verfasst werden. Man fragt sich: Wie konnten es die Leute nur so lange mit den alten Texten aushalten? Mit Texten ohne diese Zeilen:

It feels like a perfect night

For breakfast at midnight

To acknowledge that sex doesn't imply gender

Or vice versa

Uh-huh

Ist dieser Rhythmus nicht wunderbar?

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17.6.13

Meckerecke: Herr Lehmann


"Ich heiße Harry Lehmann, bin von Ausbildung her Physiker und Biophysiker, habe in der Grundlagenforschung sehr lange gearbeitet und nach einer Sinnkrise bin ich in die Umweltwissenschaften gegangen." 
Wer sich immer schon gefragt hat, was das für Leute sind, die von Amts wegen verkünden was richtig und was falsch ist und den-Menschen-da-draußen offenbaren wollen, wer "die Verursacher des Zweifels an der anthropogenen Erwärmung des Klimas (sind), sowie deren Methoden" entlarven, wird durch dieses kleine Video aufgeklärt. 
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16.6.13

Der 17. Juni 1953: Zündfunke der Freiheit

Heute jährt er sich zum sechzigsten Mal, der "Volksaufstand" in der DDR, der seinen Höhepunkt und seine blutige Niederschlagung am 17. Juni 1953 erlebt hat. Im Jahr zuvor hatte Staatschef Walter Ulbricht verkündet, den "Sozialismus planmäßig aufbauen" zu wollen. Die "Diktatur des Proletariats" sollte den Übergang bilden hin zum sozialistischen Himmelreich auf Erden. Tatsächlich erlebten die Menschen jedoch vor allem Mangelwirtschaft. Durch die Enteignung und Zwangsvereinigung der Bauern in Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften war der seit Jahrhunderten freie Berufsstand des Bauern zunehmend zu einer Ansammlung abhängig beschäftigter Lohnarbeiter geworden. Jahrhundertealte Höfe verfielen; die Versorgungslage der Bevölkerung wurde immer schlechter. Und nun kam auch noch die Erhöhung der Arbeitsnormen  um 10% ohne Lohnausgleich. Das Regime hatte den Bogen überspannt.
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15.6.13

Mal wieder ein kleines Quiz, diesmal als Doppelquiz: Wer hat es gesagt?

1. „Wir brauchen ein besseres Währungssystem, in dem es auch nationale Währungen wieder geben kann, zum Beispiel in Zypern und Griechenland.“ 
(A) Frank Schäffler
(B) Winfried Kretschmann
(C) Oskar Lafontaine
(D) Guido Westerwelle

2. „Ein zweistelliges Ergebnis wie bei der Wahl 2009 ist möglich.“ [Mit Bezug auf die Bundestagswahl; Anmerkung Noricus]
(A) Frank Schäffler
(B) Winfried Kretschmann
(C) Oskar Lafontaine
(D) Guido Westerwelle

Die Auflösung gibt es hier.

Noricus

© Noricus. Für Kommentare bitte hier klicken.

12.6.13

Zitat des Tages: Wir wollen den Preis ganz einfach nicht und lassen uns nicht für politische Statements mißbrauchen

So die Rektorin der Düsseldorfer Hulda-Pankok-Gesamtschule, Alexandra Haußmann, zur Begründung der Ablehnung des diesjährigen Aachener Friedenspreises. Die Schule sollte, neben zwei weiteren Schulen in Berlin und Offenbach, den Preis erhalten, und zwar
stellvertretend für alle Schulen, die per Schulkonferenzbeschluss festgelegt haben, die Bundeswehr nicht an ihre Schule einzuladen.
Gemeint sind jene Informationsveranstaltungen, die  über Arbeit, Aufgaben und Berufsmöglichkeiten der Bundeswehr aufklären, und denen zukünftig, zumindest in NRW, Friedensaktivisten, gleichsam als Aufpasser, zur Seite gestellt werden. In der Begründung der Preisverleihung heißt es:
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10.6.13

Wann es Schwarmintelligenz gibt - und wann nicht

Ich weiß nicht, wann ich angefangen habe, bei Amazon Bewertungen zu schreiben. Ach ja, doch: meine erste Bewertung handelte von einem Computerspiel, das ich über alle Maße liebte. Ich schrieb die Bewertung, um andere ebenfalls von dem Spiel zu überzeugen. Inzwischen stehe ich irgendwo knapp über der Position 2000 in der Rezensenten-Rangliste. Ja, so was gibt es bei Amazon: die Rezensenten bekommen Punkte (nach einem System, das Amazon geheim hält) und die Punkte ergeben eine Rangliste. Warum macht Amazon das? 
Stellen wir diese Frage kurz zurück und beschäftigen uns zuerst damit, warum Amazon überhaupt die Kundenbewertung eingeführt hat. Amazons Erfolg ist wesentlich durch dieses ausgefeilte System der gemeinschaftlichen Bewertung und Rezension von Produkten gegründet. Erinnern wir uns: es ist noch keine Generation her, da wurden Produktempfehlungen von (teilweise selbsternannten) Experten verkündet. Zum Beispiel bei Büchern. Die Einzelmeinungen sollten so fundiert sein, dass viele sich an den intellektuellen Vorkostern orientieren konnten. Diese Form der Rezension war so beliebt, dass sich ein eigener Berufszweig entwickelte: der Literaturkritiker. Ähnliches gab es auch bei Technikprodukten, wo sich in Deutschland insbesondere Stiftung Warentest hervortat. Oder bei Restaurants, wo beispielsweise der Michelin-Restaurantführer Ton angebend war. 
Inzwischen sind alle diese Expertengremien im Niedergang begriffen und werden ersetzt durch anonymisierte Kundenbewertungen: die "Schwarmintelligenz". 
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KKK: Hunde beissen. Menschen lügen. Regierungen bespitzeln. Überraschung!

PRISM - dieses Thema beschäftigt die Medien seit einigen Tagen. Die Journalisten sind empört und vielleicht auch die Bevölkerung auf der Straße (wobei es schwer ist herauszubekommen, was der Mann auf der Straße wirklich denkt).
Ich bin nicht überrascht. Überrascht wäre ich, wenn man mal die Nachricht bekäme, eine Regierung würde freiwillig auf Steuern verzichten. Oder wenn wir lesen könnten, eine Regierung hätte freiwillig Ministerien geschlossen und Bürokratie abgebaut. DAS wäre eine Sensation! Und ich erwarte auch nicht lesen zu können, dass eine Regierung von allein beschließt, Überwachungsmittel abzuschaffen.
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9.6.13

Kaskadeneffekte. Über die Folgen eines großflächigen und langandauernden Stromausfalls

Unter einer Kaskade (von ital. cascare "fallen") versteht man gemeinhin einen in Stufen angeordneten Wasserfall. Man mag hier an Wasserspiele im Garten von Versailles denken oder an Händels Wassermusik. Spricht man dagegen, etwa in technischen Zusammenhängen, von einem Kaskadeneffekt, dann ist damit eine Stufenfolge von Ereignissen gemeint, wobei Ereignis A Ereignis B auslöst oder verursacht; Ereignis B wiederum zu Ereignis C führt usw. Kaskadeneffekte lassen sich in einer Vielzahl von Zusammenhängen entdecken. So kann (oder muß) man wohl bei der Berichterstattung über den havarierten Atomreaktor von Fukushima 2011 von einem medialen Kaskadeneffekt sprechen. Die Dramatik und zunehmende Irrationalität, in der ein Bericht versuchte, noch das Katastrophisieren des vorangegangenen Berichts zu übertreffen, was zu einem Wiedererstarken der Anti-AKW-Bewegung führte  an deren Ende die Regierung Merkel nachgab und die "Energiewende" ausrief: kaskadierende Unvernunft, gegen die Zettel, der Begründer dieses Blogs, sich seinerzeit sichtbar die Finger wund geschrieben hat. 
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8.6.13

Möchte-gern-Propheten des Untergangs

Der Club of Rome hat mal wieder in die Glaskugel geschaut und gesehen, was er immer sieht, wenn er über die Zukunft dozieren will: 
Die Apokalypse. 

Es drohe ein Rückfall in vorindustrielle Zeiten, schreibt er in "Der geplünderte Planet". So weit, so bekannt, so langweilig. Wäre da nicht ein eigenartiger Widerspruch. 
Soll die Menschheit nicht ablassen von der industriellen Landwirtschaft, von Kraftwerken, von Auto- und Flugverkehr? Wieso droht dann solch ein Rückfall, wenn dies doch die einzige Rettung ist? 

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7.6.13

Protestkultur in Düsseldorf

Die Firma Vodafone eröffnet kommende Woche ihre neue Konzernzentrale in Düsseldorf, einen Glaspalast, in dem 5000 Angestellte arbeiten werden. Gefeiert wird die Eröffnung jedoch nicht, aus Furcht vor gewerkschaftlichem Protest. Vodafone ist nämlich gerade dabei, 500 Arbeitsplätze nach Rumänien zu verlagern und eine "Service-Gesellschaft" zu gründen, die mit niedrigen Einstiegsgehältern dient.

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6.6.13

Zitat des Tages: Kongo sorgt sich um die „Zerstörung des deutschen Naturerbes“

Frisch aus dem Newsticker:

Kinshasa: Die Regierungsfraktionen des kongolesischen Parlaments wollen die „Zerstörung des deutschen Naturerbes“ verhindern. Photovoltaikplantagen und Windparks, insbesondere in Ostdeutschland, seien eine der zentralen Quellen der Gewalt gegen Mensch und Natur, schreiben die Abgeordneten in einem Antrag, der am Freitag erstmals auf der Tagesordnung des Parlaments in Kinshasa steht. Darin wird unter anderem auch auf deutsche Pläne für einen „systematischen, großflächigen Ausbau der Solarmodulfelder“ für die Energiewende verwiesen. Die institutionellen Grundlagen dafür aber seien nicht gelegt; zu befürchten sei vielmehr, dass der Ausbau nicht zum Nutzen der Bürger, sondern zum Nutzen „einzelner einflussreicher Personen und Gruppen bei gleichzeitiger Zerstörung der Natur“ erfolgen könnte. Die Abgeordneten besorgt, dass die Bundesrepublik Deutschland den Aufbau von Windparks auch in Schutzgebieten, „einschließlich des Naturschutzgebiets Butendiek in der Nordsee mit seinen unermesslichen Seevögel- und Robbenvorkommen“ gesetzlich erlauben will.
Die kongolesische Regierung wird in der Vorlage unter anderem aufgefordert, auf die EU-Länder und insbesondere auf die Bundesrepublik Deutschland mit dem Ziel einzuwirken, dem Biodiversitäts- und Waldschutz oberste Priorität einzuräumen. Weiterhin soll sie gegenüber der Regierung in Berlin dafür eintreten, vom „vorliegenden Gesetzentwurf zum Ausbau von Windkraftanlagen in Schutzgebieten Abstand zu nehmen“. Die deutsche Seite soll ferner darin unterstützt werden, „nachhaltige Lösungen für drängende Energiefragen zu finden, die den künftigen Schutz der Nationalparks und Schutzgebiete nicht in Frage stellen“.

Das bedarf eigentlich keines Kommentars. Lesen Sie aber bitte unbedingt die Quelle dieses Zitats nach.

Kallias

© Kallias. Für Kommentare bitte hier klicken.

5.6.13

Rundfunk und Freiheit: Der Ursprung des öffentlich ‐ rechtlichen Rundfunks



Wie für viele öffentliche Strukturen in Deutschland, so gab es auch für den Rundfunk nach Ende des zweiten Weltkrieges eine Stunde Null, von der an der Rundfunk quasi gänzlich neu aufgebaut werden musste. Es war klar, dass die gleichgeschalteten, von den Nazis kontrollierten und durchsetzten Medien gegen etwas gänzlich neues ersetzt werden mussten.

Natürlich bestanden noch technische Einrichtungen, die schnellsmöglich von den Alliierten besetzt und übernommen wurden, denn organisatorisch und inhaltlich war ein Neuanfang notwendig. Nach ursprünglicher Planung sollte das Programm nach der Übernahme zu Beginn ausschließlich von Radio Luxemburg mit eingestreuten Programmbeiträgen der BCC und Voice-of-America produziert werden, doch die zuständigen Rundfunktrupps der Alliierten begannen sofort damit – eigenständig – selbst produzierte Beiträge zu erstellen. Ein fertig ausgearbeiteter Plan zum Wiederaufbau des Rundfunks in Deutschland bestand zuerst nicht, einen solchen gab es lediglich für die Neugestaltung der Presselandschaft, wobei auch hier jede Besatzungszone eine etwas andere Strategie verfolgte. Die zur damaligen Zeit wichtigste Regelung, sowohl für die Presse, als auch für den Rundfunk, war jedoch der Ausschluss und das Berufsverbot für Journalisten und Redakteure, die zwischen 1933 und der Kapitulation 1945 in Deutschland tätig waren, von Ausnahmen abgesehen. Wer am gleichgeschalteten Rundfunk der Nazis beteiligt war, sollte nicht direkt wieder die Medien unterwandern dürfen. Zumal regimetreue Journalisten vorher ohne Unterbrechung Berufserfahrung sammeln und auffrischen konnten, während Regimegegner, wenn sie nicht ins Exil gingen, eine Zwangspause einlegen mussten.

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4.6.13

Hilfspakete

Wenn Menschen in Not geraten, dann sollte man ihnen helfen - soweit man kann. Das gilt besonders bei Unfällen und Naturkatastrophen. Und deswegen ist es gut und richtig, wenn den aktuell vom Hochwasser Betroffenen geholfen wird.

Hilfskräfte aus ganz Deutschland verstärken die Deiche und helfen beim Evakuieren. Wer sein Haus verlassen mußte wird mit einer Unterkunft versorgt, mit Kleidung und Essen. Und Politiker fliegen ein und versprechen Geld. Viel Geld, unbürokratisch und schnell. Das kommt gut an bei den Wählern, die dieses Geld bezahlen sollen.

Mit diesem Geld soll aber nicht nur die aktuelle Katastrophenhilfe bezahlt werden, nicht nur die Unterkünfte, die Sandsäcke, das Benzin der Rettungsfahrzeuge. Sondern das "schnell und unbürokratisch" bezieht sich auf eine Entschädigung der Leute, deren Häuser von der Flut beschädigt wurden.

Wieso eigentlicht?
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2.6.13

Was ist eigentlich aus der Exhumierung des Jassir Arafat geworden? Eine Spurensuche.

Er war wohl eine der schillerndsten Figuren der arabischen Welt des 20. Jahrhunderts. Mitbegründer der PLO und Fatah, bekennender Terrorist, der jahrzehntelang Attentate, insbesondere gegen israelische Ziele, verübt hat -ein Verbrecher also- und Träger des Friedensnobelpreises: Jassir Arafat. 

Vor allem aber war er, dessen politischer Stern seit dem Einmarsch des Irak in Kuweit 1990 und endgültig mit der Zweiten Intifada gesunken war, in den letzten zehn Jahren seines Lebens eines: eine Symbolfigur. Symbol für die Palästinenser und die Arabische Welt. Symbol für den Kampf für ein "freies Palästina", wenngleich die Forderung nach einem "freien Palästina" sich meist im Bekämpfen und Vernichtenwollen des Staates Israel erschöpfte, und sich gegen Zivilisten richtete; also eben kein Freiheitskampf war, sondern Terrorismus. Symbolfigur aber auch für die internationale Linke. Die von Arafat mitbegründete Fatah ist bis heute beratendes Mitglied der Sozialistischen Internationalen (aktueller Präsident: der sozialistisch hochbegabte Georgious A. Papandreou) und der Sozialdemokratischen Partei Europas
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1.6.13

Katholischer Wissenschaftsbeirat lehnt vorehelichen Sex als als unnütz ab.

Würden Sie eine solche Meldung ernst nehmen, verehrter Leser? Vermutlich ebenso wenig wie ich, da von einem solchen Gremium wohl kaum eine sachliche, neutrale Stellungnahme zu erwarten wäre. Natürlich soll die Überschrift nur auf das eigentliche Thema vorbereiten, das gestern von den Medien mit breiter Resonanz aufgenommen wurde. Die hier zu kommentierende Meldung lautete, daß der Sachverständigenrat für Umweltfragen von der Gasgewinnungsmethode Fracking (Hydraulic Fracturing) abrät.
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31.5.13

Einheit ohne Basis

Die zunehmend kritisierte EU-Kommission möchte sich etwas beliebter machen. Und billigeres Handy-Telephonieren würde natürlich vielen EU-Bürgern gefallen. Also fordert EU-Kommissarin Kroes, daß die Roaming-Gebühren EU-weit wegfallen sollen. Mobiles Telephonieren soll immer gleich viel kosten, egal wo sich der Bürger in Europa aufhält.

Einmal abgesehen davon, daß staatliche Preisfestsetzungen dieser Art mitnichten die Bürger entlasten können. Planwirtschaft führt immer nur zu mehr Ineffizienz und mehr Ungerechtigkeit. Im konkreten Fall hieße das, daß die Roaming-Kosten dann nicht mehr von den Verursachern getragen werden, sondern von den Providern auf alle Handy-Nutzer umgelegt werden müssen.

Darüber hinaus übersieht die Kommissarin, daß für ihre Vorstellung vom gemeinsamen Binnenmarkt für Handy-Gespräche die Basis fehlt.
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Menschenklon – Nicht die Naturwissenschaft ist zu fürchten, sondern das Versagen der Kirchen. Ein lehrreicher Blick auf eine vergleichbare historische Stunde. Gastbeitrag von Ludwig Weimer

Niemand will Menschen klonen. Ziel des Projekts ist nicht das Kopieren kompletter Menschen, sondern die Zucht von Ersatz-Organen für kranke Kinder. Aber allein die Möglichkeit, dass man es jetzt tatsächlich machen könnte, jagt vielen Schauder ein. Sie wünschen, die Ehrfurcht vor dem Schöpfer würde nicht angetastet. Aber die Wissenschaft wünscht, den Kindern zu helfen. Meine These ist: Wenn die Sicht des Menschen als eines je einmaligen Ebenbilds Gottes – so die Christen – fällt, wenn die Würde der Person – so die Agnostiker und die Humanisten – einstürzen wird, dann nicht wegen des Triumphs der Naturwissenschaft, sondern durch die Saft- und Kraftlosigkeit der Kirchen im ehemaligen christlichen Abendland. Wie ist diese These begründet?

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30.5.13

Zitat des Tages: Die Einigung zur Stärkung des Schengenraums zeigt, dass wir in Europa auch hier in der Lage sind, Fehlentwicklungen entgegenzuwirken.


Dieses Zitat stammt vom Bundesinnenminister Friedrich und bezieht sich auf die Reform des Schengenraumes. Jedenfalls wird das von ihm so genannt, wenn Deutschland wieder Grenzkontrollen einführen will und das bisher nicht konnte, sondern die Kontrollen auf die Autobahn verlagern musste. 
Zur Politik gibt es mit "Achtung Kontrolle!" schon lange die passende Aufklärungssendung. 
Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. 
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29.5.13

Von letzten Dingen. Und von Vorletzten.

Am vergangenen Sonntag habe ich einen Friedhof besucht. Genauer gesagt die letzte Ruhestätte eines Bekannten. Es war eine sehr schöne Friedhofsanlage, eigentlich mehr ein Park.  Der Ruhe solcher Orte kann ich mich nur schwer entziehen; eine gewisse Entschleunigung innerer Prozesse stellt sich dann bei mir fast automatisch ein. Und manchmal stellt sich dann die Frage nach den letzten (und den vorletzten) Dingen.
Ich habe beruflich bisweilen mit Menschen zu tun, deren zeitliche Lebensperspektive nach vorne hin begrenzt ist. Alte Menschen, kranke Menschen.

Wenn ich diesen Menschen zuhöre, wenn sie über ihr Leben sprechen oder gar Bilanz ziehen, dann fällt mir oft ein Bedauern, manchmal sogar Reue, in ihren Schilderungen auf.

Was aber bedauern Menschen, die nicht mehr lange zu leben haben?

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28.5.13

(Nicht) Kurioses, kurz kommentiert: Ein Lebensweg. Ein ungewöhnlicher?


Regelmäßige Tatort-Zuschauer mögen sich noch an den saarländischen Kommissar Stefan Deininger erinnern, der zunächst als Assistent von Max Palu und schließlich bis 2012 neben dem bayerischen Neuzugang Franz Kappl auf Mörderjagd ging. Gespielt wurde Deininger von Gregor Weber, der einem breiten Publikum zweifellos auch noch als Sohn der Familie Heinz Becker in Erinnerung ist.
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26.5.13

Fußballpazifismus

Ich sehe selten fern, noch seltener Sport. Und schon gar nicht die Eröffnungsshows vor großen Sportereignissen. Die sind oft nur Kitsch mit Massenszenen, irgendeine Inszenierung von Frieden, Freude, Eierkuchen. Dann doch lieber ein gutes Buch lesen.

Es sei die Eröffnungsshow wird von Engländern gemacht. Dann wird das durch guten britischen Humor aufgelockert, das ist immer sehr kreativ. Man denke da nur an die Olympia-Eröffnung 2012 mit der Kurzdarstellung der britischen Geschichte, hervorragend choreographiert, mit den Auftritten von Mister Bean und James Bond.

Auch die Eröffnung des Champions-League-Finale gestern war originell. Da ließen die Briten zwei mittelalterliche Heere gegeneinander antreten. Erst die Langbogenschützen, dann die Fußkämpfer mit Axt und Schwert. Gekleidet in den Farben der beiden Mannschaften des Abends, Dortmund gegen München.

Da sind Weihnachtswünsche geboren worden. Die 80.000 Fans im Stadion und viele mehr vor den Fernsehen werden sich gesagt haben: So einen Schild mit dem Wappen meines Vereins, den will ich zu Weihnachten.

Und dann noch der Auftritt des alten Recken Paul Breitner im silbernen Harnisch, der mit einem englischen Kollegen zusammen die große Trophäe auf dem Ehrentisch platzierte - wie die Siegesprämie eines Ritterturniers.

Gut, Rüstungen und Waffen sahen deutlich nach Plastik und Kindergeburtstag aus. Der Harnisch Breitners hätte eher zu napoleonischen Zeit gepaßt als ins Mittelalter. Und wenn die englischen Truppen im Mittelalter eine so lausige Schlachtformation geboten hätten wie ihre Nachfahren im Stadion - da hätten sie wohl keine Schlacht gewonnen.
Aber was solls, es geht um den Spaß.

Aber Spaß darf natürlich nicht sein. Jedenfalls nicht für deutsche "Qualitätsmedien". Igitt, Waffen - wenn auch aus Plastik. Es wird nicht mit Wattebäuschchen geworfen. Das kann doch nur die Jugend verderben.
Und wie gemein etwas kriegerisches zu inszenieren, nur weil die Deutschen im Finale sind.

Was natürlich Unsinn ist: Die Inszenierung wird schon seit vielen Wochen geplant, da waren die Finalisten noch völlig unbekannt. Nur die Farben auf den Schilden sind erst in den letzten Tagen aktualisiert worden.

Und auch sonst ein lächerlicher Kommentar. Fußball und ähnliche Sportarten sind domestizierter Krieg, auch das macht ihren Reiz aus und deswegen fiebern die Fans mit ihrer Mannschaft.
Das in der Eröffnungsfeier ironisch darzustellen mag zwar für Gutmenschen nicht ertragbar sein - aber wer Humor hat, wird es schätzen.

R.A.

© R.A.. Für Kommentare bitte hier klicken.

25.5.13

Werden die Eltern immer ehrgeiziger?

In Diskussionen höre ich immer wieder mal die Behauptung, Eltern wären heute in Bezug auf ihre Kinder ehrgeiziger als früher und würden ihre Kinder mehr antreiben und einspannen. Meine Kinder sind hohem Druck ausgesetzt und zeitlich stark eingespannt. Aber liegt das an an meiner Frau und mir? Oder gibt es da ganz andere Faktoren, die den elterlichen Einfluss übersteuern?
Zunächst sollten wir uns verdeutlichen, dass zu diesem Thema gutes Zahlenmaterial rar ist. Wir können uns dem Thema nur argumentativ annähern. Was für Fakten haben wir überhaupt?

  1. Wir wissen, dass sich die Art der Familien geändert hat. Ein-Kind-Familien haben stark zugenommen und sind inzwischen der Normalfall. Nur noch etwas mehr als ein Viertel der Familien haben drei oder mehr Kinder
  2. Wir wissen, dass die Anzahl der Schüler im Ganztagsunterricht zugenommen hat
  3. Wir wissen, dass die Anteile der Schulformen sich verschoben haben. Die Hauptschule hat deutlich Anteile verloren.
  4. Wir wissen, dass sich die Anzahl der Schuljahre bis zum Abitur (in vielen Fällen) durch G8 verkürzt hat
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24.5.13

Investitionen in Infrastruktur: Gedanken zum politischen Gefangenendilemma

Fast jeder Mensch besitzt etwas, was man als "Anlagevermögen" bezeichnet: langfristig eingesetzte Wirtschaftsgüter. Also Dinge, die man a) nicht um ihrer selbst willen hat, sondern als Mittel zum Zweck und b) die deutlich länger durchhalten als zwei Jahre. Solches Anlagevermögen wäre zum Beispiel ein Auto. Oder ein Kühlschrank, ein Herd und so weiter. Anlagevermögen haben die unangenehme Eigenschaft, dass sie durch die Nutzung verschleißen und in vielen Fällen sogar allein durch Ablauf der Zeit im Nutzwert abnehmen (also sogar bei Nichtgebrauch). Deswegen muss man diese Anlagevermögen regelmäßig warten. Und irgendwann muss man die Anlagegüter ersetzen. 
Jeder weiß, dass es so ist. Irgendwann gibt der Herd den Geist auf; dann ist ein Neuer fällig. Trotzdem kenne ich eigentlich niemanden, der für solche absolut unvermeidlichen Ausgaben gesondert vorsorgt; man geht davon aus, dass das nötige Kleingeld da ist, wenn einen wie ein Blitz aus heiterem Himmel das Unglück trifft. Das war nicht etwa ein jahrelanger, schleichender Prozess; nein: das war einfach Pech. So ein Mist! Von jetzt auf gleich Totalschaden! Warum muss immer ausgerechnet mir so etwas passieren? Trösten Sie sich: das passiert jedem. Weil es unvermeidlich ist. 
Anlagegüter müssen gewartet und irgendwann ersetzt werden. 
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23.5.13

Man wird nichts über uns wissen. Über die Zukunft der historischen Forschung in Zeiten des Datenschutzes

Meinen Großvater habe ich nie kennengelernt. Meine Mutter und selbst meine Großmutter hatten als Folge von Krieg, Vertreibung und Neuanfang den Kontakt zu ihm verloren, und er starb, als ich ein Kleinkind war. Als ich mich dann dafür interessierte, wer mein Großvater war, welche Berufe er hatte, wie und wo er gelebt hatte, war niemand da, der mir von ihm hätte erzählen können.

So habe ich mich daran gegeben und habe nach und nach sicher ein Dutzend Eiwohnermeldeämter und Stadtarchive in Deutschland bemüht, um wenigstens die Eckdaten seines unsteten Lebens zu ermitteln. Es war nicht einfach, aber jetzt weiß ich doch einiges über das Leben meines unbekannten Großvaters - und dank eines freundlichen Beamten eines Einwohnermeldeamts in Bayern habe ich sogar seine fünfte und letzte Ehefrau gefunden, die mir Fotos und Schriftstücke überlassen hat.

Unsere Nachkommen hingegen werden nicht mehr in der Lage sein, auch nur einfachste Informationen über uns Heutige zu erfahren.

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Die Mordtat von London und die plötzliche Vorsicht der Medien bei der Verwendung des Begriffes "Terrorismus"

Gestern gegen 14.20 Uhr wurde im Stadtteil Woolwich im Osten Londons, 400 Meter von der Kaserne "Royal Artillery barracks" entfernt, ein britischer Soldat auf offener Straße brutal ermordet. Hierbei riefen die beiden Täter nach übereinstimmenden Medienberichten "Alahu Akbar" (Allah ist groß). Unmittelbar nach der Tat forderte einer der beiden Täter Passanten auf, dies auf Video zu dokumentieren. In diesem, gleichsam Bekennervideo, äußerte sich der Täter, noch das blutverschmierte Beil in der Hand:
I apologize that women had to witness this today. But in our land women have to see the same. You people will never be safe! Remove your governments, they don´t care about you!
Ich bedaure, daß Frauen dies heute mit ansehen mußten. Aber in unserem Land müssen Frauen dasselbe sehen. Ihr werdet niemals sicher sein! Stürzt eure Regierungen, sie scheren sich nicht um euch!
Die jeglicher reaktionärer politischer Tendenzen gänzlich unverdächtige deutsche Wikipedia definiert "Terrorismus" folgendermaßen:
Unter Terrorismus (lat. terror „Furcht, Schrecken“) sind Gewalt und Gewaltaktionen (wie z. B. Entführungen, Attentate, Sprengstoffanschläge etc.) gegen eine politische Ordnung zu verstehen, um einen politischen Wandel herbeizuführen. Der Terror dient als Druckmittel und soll vor allem Unsicherheit und Schrecken verbreiten oder Sympathie und Unterstützungsbereitschaft erzeugen. Terrorismus ist keine militärische Strategie, sondern primär eine Kommunikationsstrategie. Terroristen streben zwar nach Veränderungen der bestehenden Ordnung, doch greifen sie nicht militärisch nach Raum (wie z. B. der Guerillero), sondern wollen das Denken besetzen und dadurch Veränderungsprozesse erzwingen. 
Vor diesem Hintergrund scheint die erkennbare Zurückhaltung der deutschen Medien, anläßlich dieses Anschlages offen von "Terror" zu sprechen, doch auffällig. So titelt Spiegel online lediglich einen Soldatenmord, der nur möglicherweise ein Terrorakt sei. Auch SZ-Online spricht in der Überschrift des entsprechenden Artikels lediglich von einer "Bluttat" und "Soldatenmord".

Ebenfalls begrifflich distanzierend berichtet die "Zeit", daß die "Tötung eines jungen Mannes" (lediglich, soll man wohl denken?) vom britischen Premier Cameron als Terrorakt eingestuft würde. Auch die "Taz" spricht von "Mord" und "Hinrichtung". Einen gänzlich anderen Schwerpunkt setzt die Frankfurter Rundschau mit der Überschrift "Mord provoziert anti-islamistische Ausschreitungen". Schließlich sprechen auch die Tagesschau und die Bild lieber von brutalem Mord. Deutlicher in Richtung Terrorismus titeln dagegen die Welt und die Neue Osnabrücker Zeitung.

Zwar ist in den Berichten deutscher Medien jenseits der Überschriften von "Terror-Angst", insbesondere mit Blick auf das Champions league-Endspiel am Wochenende, die Rede und davon, daß die britische Regierung die Bluttat als Terroranschlag betrachte, aber der offensichtlich islamistisch-terroristische Hintergrund findet sich in Berichten und Kommentaren nur am Rande wieder. Dabei scheint dies doch das zentrale Moment, im Sinne der obigen Definition der Wikipedia, zu sein.

Hier wurde in der Tat "kommuniziert". Westlichen Gesellschaften wurde, wieder einmal, der Kampf angesagt. Schrecken soll verbreitet werden, wie immer wenn es sich um Terror handelt. Es geht den Terroristen dabei nicht um den oder die Ermordeten, seien es Einer oder 3000. Es geht darum, bei den nicht Getöteten Angst und Schrecken zu verbreiten und so politischen Einfluß zu gewinnen. Die Ziele sind hierbei evident: die globale Ausbreitung, des radikalen, politischen Islam sowie die offene Bekämpfung westlicher Werte und freiheitlich-demokratischer Gesellschaften. Wie viel Zurückhaltung in der Benutzung des Begriffes "Terror" ist hier angebracht?

Wie viel weniger zurückhaltend sind deutsche Medien dagegen mit den Begriffen "Terror" und "Terrorismus" in der Bewertung des mutmaßlichen rassistisch motivierten Serienmordes des NSU vorgegangen, obgleich, zumindest im Sinne obiger Definition, von einer deutlichen Überdehnung des Begriffes in diesem Fall wohl die Rede sein muß?

Aber, bitte, nicht schon wieder das Thema...
 

Andreas Döding


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22.5.13

Zitat des Tages: "Berufskriminelle als V-Leute"

Was nicht sein kann, ist, dass wir Berufskriminelle als V-Leute einsetzen, die womöglich auch noch selber im großen Stil Straftaten begehen oder sich quasi ihren Lebensunterhalt von der V-Leute-Tätigkeit bestreiten.
Boris Pistorius (SPD), Innenminister von Niedersachsen

Kommentar: Die Innenministerkonferenz entwickelt zur Zeit neue "Qualitätsstandards" für V-Leute. Dazu gehört die zitierte Forderung des Ministers Pistorius, der auch der Bundesinnenminister zustimmt. Wohlgemerkt, es geht dabei, wie man wohl annehmen kann, nicht um die Anstiftung zu Straftaten zum Nutzen des Staates, sondern um solche, die sie auch begehen würden, wären sie keine V-Leute.

Vermutlich sind solche V-Leute die nützlichsten, die ergiebigsten Informanten. Die sollen also nicht mehr befragt werden. Das wird die Rechtsextremisten freuen.

Der Vergleich mit dem Ankauf von Steuerdaten-CDs drängt sich auf. Hier beteiligt sich der Staat finanziell an kriminellen Handlungen. Dabei soll es bleiben.

Zweierlei Maß? Nicht doch. Die Priorität wird klargestellt. Bei den V-Leuten in der Extremistenszene geht es nur darum, Bürger vor Schaden an Leib und Leben zu bewahren. Bei den Steuer-CDs geht es um die Staatseinnahmen.

Kallias

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Mal wieder ein kleines Quiz: Für wessen Höllenfahrt ohne Rückfahrtschein wird hier gebetet?


In ihrem Artikel "U.S. military should put religious freedom at the front" auf der Website der Washington Post berichtet die Journalistin Sally Quinn von zunehmenden Versuchen seitens Militärgeistlicher und militärischer Vorgesetzter im amerikanischen Militär Soldaten anderer Religionen, Konfessionen oder religiöser Überzeugungen zu missionieren. Dabei kommt es auch zu Nachstellungen, persönlichen Abwertungen (wie Beleidigungen), Drohungen oder gar gewalttätigen Übergriffen. Es werden in dem Artikel einige von der Military Religious Freedom Foundation, eine von Michael Weinstein im Jahr 2005 gegründete Bürgerrechtsorganisation, die sich auf Grund der Erfahrungen ihres Gründers und seiner Mitstreiter für eine stärkere Trennung von Religion und Staat auch im Militär einsetzt, vorgetragene Fallbeispiele aufgelistet. 
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20.5.13

Das Wesen von Politik

Kollege Noricus hat mit seinem Beitrag auf interessante Aspekte der Selbstkorrektur in modernen Demokratien hingewiesen.

Ein Zitat aus dem zugrunde liegenden Interview mit Michael Ignatieff hat mich dagegen nicht überzeugt:
Es ist ein sehr schmutziges Spiel, sicher. Der Aspekt an der Politik, der mich am meisten stört, ist dass es fast nie um politische Inhalte geht. Alle Kämpfe in der modernen Politik gehen um Standing.
Das ist eine sehr gängige Klage. Die "schmutzige" Politik, in der es nicht um Lösungen geht, sondern "nur" um Machtkämpfe. Oft hört man auch die Vorstellung, man solle die Parteien und Politiker ersetzen durch Experten, die würden dann nur von Sachüberlegungen geleitet die jeweils beste Lösung finden.

Diesen Vorstellungen liegt ein ganz grundsätzliches Verständnisproblem zugrunde.
Denn es geht in der Politik nicht um Lösungen!

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Werte in einer Revolution



Die 68er sind sehr stolz auf ihren gesellschaftlichen Einfluss, den zu betonen sie nicht müde werden. Ohne sie rängen wir immer noch in einem prüden, patriarchalen, postdiktatorischen Staat um Bürgerrechte. Freiheit und Emanzipation als Grundlage der deutschen Bürgergesellschaft verdanken wir angeblich den Trägern des „kleinen roten Buches“.

Bestehende Werte wurden dafür in Frage gestellt und angegriffen. Manche nannten dies eine Revolution. Ein Teil davon war die Sexuellen Revolution welche auch für einen Kindesmissbrauch jenseits der Pädophilie zu stehen scheint.

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18.5.13

Papst Franz

Die Tschechen nennen ihn Frantisek.
Die Dänen nennen ihn Frans.
Die Engländer nennen ihn Francis.
Die Spanier nennen ihn Francisco.
Die Basken nennen ihn Frantzisko.
Die Franzosen nennen ihn Francois.
Die Ungarn nennen ihn Franjo.
Die Italiener nennen ihn Francesco.
Die Polen nennen ihn Franciszek.

Wo immer es überhaupt eine lokale Variante des Namens gibt, nennt jedes Volk den Papst mit dem Namen in seiner Sprache.

Warum nur benutzen die Deutschen, und offenbar nur die, die lateinische Form?
R.A.

© R.A.. Für Kommentare bitte hier klicken.

16.5.13

Zitat des Tages: Wie moderne Politik und der Rechtsstaat funktionieren

Wer den Verfall der politischen Kultur in unserem Lande beklagt, kann sich immerhin damit trösten (oder aber seine Verzweiflung vertiefen), dass die Verhältnisse andernorts auch nicht besser sind:
Der Aspekt an der Politik, der mich am meisten stört, ist dass es fast nie um politische Inhalte geht. Alle Kämpfe in der modernen Politik gehen um Standing. Man attackiert nicht, was Leute sagen, sondern wer sie sind. Oder genauer, man attackiert ihr Recht, überhaupt etwas zu sagen.
Dies äußert Michael Ignatieff, Politikwissenschaftler und ehemaliger Kandidat der Liberal Party of Canada / Parti Libéral du Canada für das Amt des Premierministers, in einem lesenswerten Interview mit dem Verfassungsblog.
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14.5.13

Werden wir immer gestörter? Skeptische Gedanken zur vermeintlichen Zunahme psychischer Erkrankungen

Allenthalben ist von einer bedeutsamen Zunahme psychischer Erkrankungen in unserer Gesellschaft zu lesen, die bisweilen auch deutliche Wellen in den Medien schlägt. In der Tat muß man feststellen, daß in den letzten 20 Jahren die Fälle, etwa der vorzeitigen Berentungen, aufgrund diagnostizierter psychischer Erkrankungen, deutlich zugenommen haben und inzwischen den Spitzenplatz einnehmen, was zu erheblichen volkswirtschaftlichen Folgekosten führt. Auch die Anzahl krankheitsbedingter Fehltage am Arbeitsplatz, aufgrund diagnostizierter psychischer Störungen, hat rasant zugenommen.

Es läge nun nahe anzunehmen, daß dies mit einer "echten" Zunahme psychischer Erkrankungen in der Gesamtbevölkerung korrespondiert, wir also in der Tendenz psychisch immer "gestörter" werden. Diese Interpretation ist im politischen Diskurs gang und gäbe. Auch mit Ursachenzuschreibungen ist man schnell dabei. Schon wird gewerkschaftsseitig gefordert, Arbeitnehmer durch eine Antistreß-Verordnung zu entlasten, und die Politik scheint durchaus nicht abgeneigt.
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13.5.13

Westjordanland (israelische Siedlungen)

Wie heute der Bundestag mitteilt, hat die Fraktion "Bündnis90/Die Grünen" eine Kleine Anfrage an die Bundesregierung gerichtet, bezüglich der Kennzeichnung von Importwaren. Israel unterscheidet nämlich nicht zwischen Gütern, die in Produktionsstätten innerhalb der Grenzen von 1967 hergestellt werden und solchen, die in Siedlungen der Westbank entstehen. Überall steht "Made in Israel" drauf.

Es kommt sogar vor, dass Firmen, die ihren Sitz im israelischen Kernland haben, Waren in Siedlungen herstellen lassen, und auf diese Weise deren "tatsächliche Herkunft verschleiern", wie die Grünen sagen.

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12.5.13

Zitat des Tages: Mein Ziel ist immer noch, die Welt zu verbessern

So die Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, Hannelore Kraft, in einem heute auf Welt Online veröffentlichten Interview. Im weiteren verdeutlicht die SPD-Regierungschefin, was sie konkret unter Weltverbesserung versteht:
Wir halten, wie die Mehrheit der Bürger, Steuersenkungen für falsch. Wir brauchen einen handlungsfähigen Staat. Der muss gut finanziert sein, und das ist er zurzeit nicht. Wir müssen dringend in die Zukunft Deutschlands investieren. Auch ich würde gerne Geschenke verteilen, aber Ländern und Kommunen fehlen dafür die notwendigen Finanzmittel.
Man liest und staunt. Steuersenkungen als Geschenke zu betrachten war schon immer ein ganz besonders reizendes Stück sozialistischer Sprachkultur. Denn es besagt nichts weiter als das, was Sozialisten mutmaßlich wirklich denken: eigentlich gehört alles privat erwirtschaftete Geld dem Staat. Und was dem Bürger bleibt, ist als Geschenk des Staates an den Bürger zu betrachten. Ich danke ergebenst im Namen der Mehrheit der Bürger.
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11.5.13

Aufmerksamkeitsökonomie: Der Boykottaufruf als Geschäftsmodell?

Jede Darstellung des Menschen in der Kunst kann das Publikum polarisieren. Wir können das Werk mit Begeisterung, Gleichgültigkeit oder Ablehnung aufnehmen. Wir können die Intention des Künstlers verstehen oder missverstehen. Manche Menschen behaupten, dass man Kunst grundsätzlich nur missverstehen kann.

Jede Darstellung des Menschen in der Kunst kann und wird bei mindestens einem Menschen Ablehnung hervorrufen: Er kann sich verletzt, ausgegrenzt oder gar diskriminiert fühlen. Die Übergänge sind fließend.



Tatsächlich müssen Sie meist nicht lange nach solchen Reaktionen suchen. Wenn Sie aber behaupten, dass Sie niemanden finden können, der sich durch ein spezielles Kunstwerk diskriminiert fühlt, dann übernehme ich diese Rolle.





Jede Darstellung des Menschen in der Kunst kann also mindestens einen Betrachter diskriminieren; meist finden sich kleine oder größere Gruppen von Diskriminierten. Wer sich dieser Tatsache nicht bewusst ist, muss an der Rezeption von Kunst scheitern.

Wer diese Tatsache allerdings kennt und sich zunutze macht, hat ein sehr gefährliches Werkzeug gegen die Kunst in der Hand. Er muss nur einen Aspekt des Kunstwerks finden, von dem sich subjektiv jemand diskriminiert fühlen könnte. Und er muss eine aktive Gruppe organisieren, die öffentlichkeitswirksam gegen das Kunstwerk vorgeht:

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10.5.13

Über die Schwierigkeit den Anderen zu ertragen. Gedankensplitter zu einem mir wichtigen Thema. Ein Gastbeitrag von Llarian

In der westlichen Zivilisation gilt – mit wenigen Ausnahmen – seit langer Zeit die Meinungsfreiheit als ein ehernes und zentrales Grundrecht. Das Bundesverfassungsgericht fasste es in einem Urteil von 1958 mal treffend: Das Grundrecht auf Meinungsfreiheit ist als unmittelbarster Ausdruck der menschlichen Persönlichkeit in der Gesellschaft eines der vornehmsten Menschenrechte überhaupt. Für eine freiheitlich-demokratische Staatsordnung ist es schlechthin konstituierend.

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9.5.13

Meckerecke: Die Schuldvermutung

­ Durch die Befangenheitsanträge der Verteidigung ist eine Zwangspause eingekehrt - nicht nur für die NSU-Prozessbeteiligten, sondern auch für die Medien. Diese haben sich nach nur einem Prozesstag neben den Geschehnissen im und vor dem Gerichtssaal vor allem für das Privat- und Seelenleben und auch für die äußere Erscheinung der Angeklagten interessiert und sich dabei mit Spekulationen gegenseitig übertroffen.

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8.5.13

Gauck. Eine Zwischenbilanz

Am Tag, an dem Joachim Gauck zum deutschen Bundespräsidenten gewählt wurde, schrieb Zettel in diesem seinem Blog:
Wohl nie ist ein Bundespräsident mit so vielen Vorschußlorbeeren, mit so vielen positiven Erwartungen in sein Amt gestartet.
In der Tat: Nachdem ein ins Schloss Bellevue weggelobter Merkel-Konkurrent nicht viel mehr übrig gelassen hatte als den ungeschickten Umgang mit einem Skandälchen und eine applaussichere Äußerung, in der – für die Integrationsdebatte in diesem Land symptomatisch – einer Religion und nicht deren Anhängern das Heimatrecht verliehen worden war, nach jenem Wulff’schen Intermezzo schien der ehemalige Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen genau der richtige Mann zu sein, um dem Amt des Bundespräsidenten wieder die angemessene gravitas zu verleihen. Viele Bürger mochten auch hoffen, dass der Querdenker trotz aller Zugeständnisse an die ausgleichende Rolle, die er zu übernehmen im Begriffe war, mit der Freiheit eines Christenmenschen bestimmte tabuisierte Themen ansprechen und in den von Dauerempörung und maximaler Erregung völlig entstellten öffentlichen Diskursen als Stimme der Vernunft auftreten würde.

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7.5.13

Grenzen des Wachstums - über den Saatgutstreit in der EU


Ich habe das Privileg, ein kleines Reihenhäuschen zu besitzen. Im Vorgarten steht eine Kirsche, im Garten ein Apfelbaum und eine Felsenbirne. Außerdem besitze ich Tomaten, Erdbeeren und manchmal Salat. Diese Nutzpflanzen stammen alle entweder von Züchtern (Gärtnereien) oder von Samenhändlern. Damit bin ich schon mittendrin. Im Saatgutstreit. Manche würden sagen: SaatgutkriegOb nun Streit oder Krieg: die Emotionen schlagen hoch und es geht um viel Geld. 
Saatgut: das ist zunächst mal im weitesten Sinn alles, woraus man die nächste Generation der Produkte erzeugt, die später in unserem Mund landen. Ups, Stop: Produkte. Was war das für ein böses Wort? Geht es nicht um Lebewesen, um das Leben selbst, um das Natürlichste überhaupt? Lebensmittel? Steckt das Wort "Leben" doch schon drin. Ist es nicht bereits ein Fehlschritt, diesen Bereich so kommerzialisieren zu wollen, dass man statt von "Lebensmitteln" von "Produkten" spricht? Um eins bereits vorweg zu nehmen: die Antwort wird nicht leicht. Weder für die Befürworter der... äh, jetzt wollte ich irgendwas mit "Seite" schreiben so was wie "liberal-marktwirtschaftliche Seite gegen...". Dann merke ich, dass ich nicht mal in der Lage bin, Namen für die beiden verfeindeten Lager zu finden. Also halten wir fest: es wird nicht einfach. 
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6.5.13

Zitat des Tages: Ich hoffe, dass es am Ende ausreicht, um die Schuldigen auch zu bestrafen.

So der gelernte Jurist und Bundesminister des Innern, Hans-Peter Friedrich, am vergangenen Wochenende laut Welt Online auf dem Hamburger Kirchentag. Eine etwas kryptisch anmutende Bemerkung, die zu einer kurzen Betrachtung einlädt.
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Mal wieder ein kleines Quiz: Wer gibt dem Geld ein Vaterland?


In der Ausgabe des Ciceros vom Mai 2013 wird in einem Beitrag unter der Überschrift "Opiate sind keine Lösung" die Position dargestellt, auch Geld habe ein Vaterland und die in einem Land erwirtschafteten Gewinne in ein anderes Land zu bringen, sei etwas verwerfliches. Von wem stammt diese Ansicht?
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5.5.13

Die großen Missverständnisse über Kierkegaard. Ein Gastbeitrag von Ludwig Weimer

Sören Kierkegaard war einer der schöpferischsten Philosophen und Kirchenkritiker. Er blieb vielfach missverstanden oder wurde verkürzt auf einen psychologischen Entdecker der modernen Angst, der Masse und der Macht der Presse. Sein 200. Geburtstag im Mai 2013 bietet den Anlass, die Hauptpunkte der Irrtümer über diesen Dichter und Propheten aufzulisten und richtigzustellen.

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Zitat des Tages: Die Schmiererei ist eine unsägliche Aktion, für die es keine Begründung gibt.



Doch, es gibt eine Begründung.
Berlins Regierender Bürgermeister kennt sie mit Sicherheit auch. Und das Beunruhigende an der Begründung ist wohl wiederum der Grund warum Klaus Wowereit ihre Existenz bestreitet.

Vor 80 Jahren gab es das, was im Zitat als "Aktion" bezeichnet wird, auch. Nur im Rückblick würde man dies wohl kaum so nennen, es sei denn man will sich der Nähe zum rechtsradikalen Spektrum verdächtig machen. 

Das "Kauft nicht bei Juden" wurde zu einem Synonym für den Beginn der Judenverfolgung und der späteren Vernichtung.
Doch es begann mit der Einschüchterung und Vertreibung von Ladenbesitzern.

Das heutige "Kauft nicht bei Schwaben" steht für ein Gefühl der Überfremdung das in dem Begriff Gentrifizierung aufgeht. Im Grunde geht es um Sozialneid, wie damals. Es geht um Missgunst gegenüber Gewerbetreibenden die etwas anders sprechen, auch das gab es damals schon. Und es geht um Fremdenfeindlichkeit gegenüber anderen Deutschen.
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4.5.13

NörgelEi: Kampagne mit Doppelstandard - fair und transparent müssen die Anderen sein

Gerne hört man aus Kreisen organisierter Netzaktivisten die Forderung nach Transparenz in der Werbung der Internetzugangsanbieter. Das Fahren einer Kampagne sei darin begründet, die Internetunternehmen mögen doch bitte nur richtige, netzneutrale Datenanschlüsse als Internetanschlüsse vertreiben, alles andere sei kein richtiges Internet. So wurde die Kampagne gegen Vodafone begründet,  da ihre, als mobile Internetanschlüsse angebotenen, Tarife nicht Netzneutral sind.
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3.5.13

Ehrlich essen

Es ist wieder Kirchentag, diesmal in Hamburg, und über 100 000 Teilnehmer wollen kulinarisch versorgt werden. Nach christlichen Maßstäben selbstverständlich.

Wobei sich diese Maßstäbe erstaunlich verändert haben. Christus setzte laut Bibel vor allem auf Brot, Fische und Wein. Das ginge heute gar nicht. Vegetarische Ernährung wird gefordert, Alkohol ist verpönt.

Die moderne Maxime lautet: "Gekocht wird nur mit saisonalen, regionalen, ökologisch angebauten und fair gehandelten Lebensmitteln."
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2.5.13

Von Vulkanen, Demenzen und Denunzianten: eine Meckerecke

Der "Vesuv von Neuss", so die griffige Namensgebung durch die Medien, will weiter qualmen. Dies war in den letzten Tagen verschiedenen Medienberichten zu entnehmen. Gemeint ist der 66jährige Bürgermeister der Stadt Neuss, Herbert Napp. Er ist beliebt, dieser Bürgermeister, und offenbar erfolgreich. Seit 1998 und noch bis 2015 im Amt, ist er der dienstälteste Bürgermeister in der Geschichte der Stadt.   Aber dergleichen ist uninteressant, wenn die Tugend- und Gesundheitswächter sich auf den Plan gerufen fühlen. Napp weigert sich nämlich hartnäckig, das Rauchen in seinem Dienstzimmer zu unterlassen. Hierdurch fühlt sich die Nichtraucher-Lobbyorganisation ProRauchfrei e. V. derart provoziert, daß sie eine Fachaufsichtsbeschwerde beim örtlichen Landratsamt eingeleitet hat.

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1.5.13

Eine Minderheitenposition


Minderheitenpositionen zu vertreten hat einen gewissen Reiz. Für manche ist er sogar unwiderstehlich. Das führte Mitte der 80er bei einigen politisch interessierten Bürgern zu einer sehr skeptischen Betrachtung der Nutzung von Kernenergie und, etwas zeitversetzt, zur gleichen Betrachtungsweise hinsichtlich der Abkehr von dieser Art der Bereitstellung von Elektroenergie. Durchaus auch in ein und demselben Leben.
Bei der Suche nach einem Grund für diesen Reiz stellt sich die Frage, wie sich  Minderheitenpositionen zu Mehrheitspositionen entwickeln. Wie es eine Minderheit schafft bei der Mehrheit einen Einfluss zu erzeugen, der stark genug ist um eine Akzeptanz dieser Position dauerhaft zu etablieren.

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30.4.13

Neutrale Einmischung

Beim FDP-Landesparteitag wurde ein umfangreicher und qualitätvoller Antrag zu Internet-Themen behandelt und beschlossen. Neben der üblichen Polit-Lyrik ging es um Ablehnung von Zensur und Vorratsdatenspeicherung, um ACTA und die Verfügbarkeit öffentlicher Daten.
Und es ging um "Netzneutralität", die vom Gesetzgeber sichergestellt werden soll.

Die Wikipedia definiert das so:
Netzneutralität bezeichnet die wertneutrale Datenübertragung im Internet. Netzneutrale Internetdienstanbieter (englisch internet service provider) senden alle Datenpakete unverändert und in gleicher Qualität von und an ihre Kunden, unabhängig davon, woher diese stammen, zu welchem Ziel sie transportiert werden sollen, was Inhalt der Pakete ist und welche Anwendung die Pakete generiert hat.
Das wirft für mich zwei Fragen auf.
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Kurioses, kurz kommentiert: Grüne Dialektik

Die deutschen Medien befassen sich seit Sonntag mehr oder weniger seriös mit dem Wahlprogramm der Grünen. Dabei werden fast überall — ohne kritisches Hinterfragen — zwei Aussagen kolportiert:

»Alle Bürger mit einem Jahreseinkommen bis 60.000 Euro werden entlastet.«

»Vom neuen Spitzensteuersatz wären nur die obersten sieben Prozent betroffen.«

Beide Aussagen stammen aus den Verlautbarungen der Grünen. In beiden Aussagen steckt ganz wenig Wahrheit und ganz viel Propaganda.

Richtig ist so viel: Die Steuerpläne der Grünen sehen ab einer bestimmte Einkommensgrenze eine Steuererhöhung vor. Diese Einkommensgrenze liegt bei 60.000 Euro.

Richtig ist aber auch: Diese Steuererhöhung soll durch eine Abgabenerhöhung flankiert werden, die auf einem viel niedrigeren Niveau ansetzt: Die Bemessungsgrenze der Kranken- und Pflegeversicherung soll drastisch erhöht werden. Das trifft alle Beschäftigten mit einem Jahreseinkommen ab ca. 47.250 Euro brutto im Jahr.

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29.4.13

Willkommen im Alltag

Bei neuen Parteien gibt es neben der inhaltlichen Komponente meist auch eine allgemeine Erneuerungskomponente. Ziemlich jede Parteigründung der letzten Jahrzehnte erhob den Anspruch, Politik neuer, besser, demokratischer und vor allem ehrlicher zu betreiben als die "Altparteien". Es dauert meist nur wenige Jahre, bis die Neulinge in der Realität ankommen und feststellen, daß die meisten üblichen Methoden und Verhaltensweisen ihren Sinn haben und für den Erfolg einer Partei nötig sind. Und was nicht sinnvoll oder nötig ist, das hat meistens seinen Grund darin, daß eben Menschen agieren, mit ihren unvermeidlichen Fehlern und Schwächen.

Auch die AfD steht in dieser Tradition und propagiert einen neuen Politikstil. Ehrlichkeit, Transparenz, Demokratie - ganz anders als die "etablierten" Politiker mit ihren falschen Versprechen und gebrochenen Zusagen.

Nur: Natürlich will auch die AfD erst einmal bei der Bundestagswahl punkten. Also Wähler anziehen - und nicht mit unangenehmen Themen verschrecken. Da müssen die guten Vorsätze schnell zurückstehen ...
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Flatrate Ade: Wie ein (mögliches) neues Marktgleichgewicht zum Marktversagen erklärt wird


Die Ankündigung der Telekom in Zukunft eine Volumenbeschränkung in ihre Tarifverträge einzubauen und das Konzept der klassischen, reinen Flatrate aufzugeben, hat hohe Wellen geschlagen. Inzwischen erreichen diese sogar die Bundespolitik und die Regierungsparteien. Offenbar treibt die Sorge vor der Veränderung viele Menschen um und viele offenbar so sehr, dass sie sich besonders lautstark an die Politik wenden. Besonders aus einem bestimmten Milieu der Netzaktivisten, die in aller Regel wegen ihres deutlichen und lauten Auftretens als die Netzaktivisten angesehen werden, erregt sich starker Widerstand. Dieses Milieu versteht es, eine Debatte anzuheizen und in ihrem Sinne zu verschärfen.

Doch worum geht es? Was möchte die Telekom denn nun im Ganzen betrachtet ändern?
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27.4.13

Hanns Martin Schleyer Preis für Helmut Schmidt: eine große Geste der Versöhnung und einige kleine persönliche Erinnerungen

Nach der streitbaren und umstrittenen Entscheidung der Theodor Heuss Stiftung, ihren diesjährigen Preis an Daniel Cohn-Bendit zu verleihen, gibt es aktuell eine weitere Preisverleihung, die nach einem Kommentar ruft, jedoch dem Inhalte nach ungleich versöhnlicher und begrüßenswerter:

Die Hanns Martin Schleyer Stiftung verleiht ihren diesjährigen Preis an Helmut Schmidt.

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24.4.13

Demagogie und Sprache in der Eurokrise

Untergehend im Getöse um den mutmaßlichen Steuerhinterzieher Uli Hoeneß und übertönt vom Jubel über "seine" Mannschaft, dem FC Bayern München, die sich offensichtlich spielerisch geweigert hat, für ihren Präsidenten und Aufsichtsratsvorsitzenden kollektiv Buße zu tun, findet sich gegenwärtig in den Medien eine bemerkenswerte Meldung.
 
EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso fordert, so ist aktuell zu lesen, ein Ende der strikten Austeritäts- und Konsolidierungspolitik für notleidende Euro-Mitgliedsstaaten. "Genug gespart!" titelt das Handelsblatt in der Überschrift zu einem der wenigen kritischen Kommentare zur Sache.
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23.4.13

Zitat des Tages: Steuern sind die neue Volksobsession der Deutschen


­Der schreckliche Bomben-anschlag von Boston mit der anschließenden erfolgreichen Jagd der Polizei auf die Verdächtigen hatte als Top-Thema in der Medienberichterstattung eine kurze Halbwertszeit. Selbst die teils abstrusen Thesen (gerne genommen: die NRA war's) müssen die Aufmerksamkeit des Publikums nun teilen. Aber was kann so bedeutend und beeindruckend sein, dass dieser Anschlag so in den Hintergrund gedrängt wird? Ein kaputtes Kernkraftwerk? Nein - Uli Hoeneß hat seine Steuerschulden nicht beglichen und sich nun selbst angezeigt!

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22.4.13

Zitat des Tages: NPD vor dem Ende? Nebst einem kurzen Kommentar


Wollte man die Relevanz einer Partei – ganz unideologisch – an den Örtlichkeiten ihrer Parteitage messen, man müsste der rechtsextremen NPD wohl einen historischen Tiefpunkt attestieren.


Entnommen ist das Zitat einem Artikel des FAZ-Autors Justus Bender, der sich sachlich und informativ mit den organisatorischen und ökonomischen Schwierigkeiten der Nationalradikalen auseinandersetzt. So findet die in internen Querelen verfangene und unter Mitgliederschwund leidende NPD kaum noch Lokalitäten für ihre Veranstaltungen. Die Mitarbeiter in der Bundesparteizentrale können nicht mehr bezahlt werden. Offenbar sind Konten der Partei gekündigt worden.
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20.4.13

Zitat des Tages: Demokratische Vorbilder

"Wir bekommen den Saal trotzdem voll."

Ludwig Theodor Heuss, Enkel des ersten Staatsoberhauptes der Bundesrepublik Deutschland und Vorstand der Theodor Heuss Stiftung, bemerkte dies zur erklärten Nichtteilnahme mehrerer Gäste an der heutigen Verleihung des Theodor Heuss Preises an Daniel Cohn-Bendit. Auf der Internetpräsenz der  Stiftung findet sich folgende Erläuterung zum alljährlich vergebenen Preis:
 
Der Theodor Heuss Preis und die ihm ebenbürtigen Theodor Heuss Medaillen werden seit 1965 in regelmäßigen Abständen für Beispiele und Vorbilder demokratischen Verhaltens und freiheitlicher Gestaltung des Zusammenlebens verliehen.

In einer kurzen Begründung der heute erfolgenden Vergabe des diesjährigen Preises an Daniel Cohn-Bendit heißt es ebenda:
Vorstand und Kuratorium der Theodor Heuss Stiftung haben beschlossen, den Politiker und Publizisten Daniel Cohn-Bendit mit dem 48. Theodor Heuss Preis auszuzeichnen. Er erhält die Auszeichnung angesichts seines langjährigen außerordentlichen Engagements, als Ideengeber und Politiker immer wieder auf Veränderung einzugehen, Lösungen zu suchen und dadurch stets neue Wege in der Demokratie zu beschreiten.
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19.4.13

Kurioses, kurz kommentiert: Völkerrecht gegen Menschenrecht

Der "Ausschuss für die Beseitigung der Rassendiskriminierung" (CERD) der Vereinten Nationen hat die Bundesrepublik Deutschland gerügt, weil sie Thilo Sarrazin wegen Äußerungen über Einwanderer nicht verklagt hat. Antragsteller war der "Türkische Bund in Berlin-Brandenburg" (TBB), der im Herbst 2009 gegen Äußerungen Sarrazins in der Zeitschrift "Lettre International" klagen wollte (ZR vom 6.10.2009.) Die Staatsanwaltschaft lehnte damals die Eröffnung eines Strafverfahrens ab, worauf der TBB sich an die UNO gewandt hat. Nach mehrjährigem Hin und Her der Stellungnahmen (hier nachzulesen), hat CERD dem "Türkischen Bund" nunmehr vollständig Recht gegeben.

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18.4.13

Wenn aus einem Plenum eine Partei wird: Gründungsparteitag der AfD (TEIL 2)

Finanzordnung. Lassen Sie ruhig dieses Wort ein paar Sekunden auf sich wirken. Fi-nanz-ord-nung... man, klingt das trocken. Und ja, das ist trocken, so staubtrocken, dass man kaum weiß, wie man diese Sammlung von Paragraphen mit seinem politischen Engagement in Übereinstimmung bringen kann. 
Erinnern wir uns. In Teil 1 dieser Artikelserie hatte ich Sie eingeladen, mit mir den 14. April zu durchwandern. Sie haben sich mit mir durch die Tagesordnung und die Geschäftsordnung gekämpft; die Begrüßungsrede von Herrn Adam erlebt und einige Wahlen überstanden. Schließlich haben Sie miterlebt, wie wir eine Finanzordnung beschlossen haben - und gleich wieder einsehen mussten, dass der Teufel im Detail steckt. Die Finanzordnung steht im Widerspruch zur Beitrags- und Kassenordnung. Die Juristen haben angeboten, sich darob zu beraten; in der Zwischenzeit soll die Eröffnungsrede von Herrn Lucke erfolgen. 
Doch bevor wir uns anhören, was der Prof zu sagen hat, sehen wir uns die Finanzordnung mal genauer an. Die Finanzordnung steht in der Paragraphenhierarchie eigentlich über der Beitrags- und Kassenordnung; konsequenterweise gibt es in der Finanzordnung dann auch einen "Dritten Abschnitt: Beitragsordnung", wo auf die Beitrags- und Kassenordnung verwiesen wird. Im Grund ist das eine also Bestandteil des anderen. Warum kam es dann dazu, dass die Beitrags- und Kassenordnung zuerst entstand? Weil man sonst keine Mitgliedsbeiträge hätte erheben dürfen. OK, genug Paragraphenreiterei. Sehen wir uns mal eine praktische Auswirkung des ganzen an: 
Auf Grund der fehlenden Finanzordnung gab es bisher keine finanzielle Unterstützung von Landesverbänden durch die Bundesorganisation. Jeder Landesverband bezahlt alles - von der Cola während der Sitzungen bis zum Wahlkampfmaterial - aus eigener Tasche. War da nicht was? Ach ja, heute Morgen haben wir doch diesen Haufen Wahlkampfmaterial gesehen, der verkauft werden sollte. Schünemann erläuterte, wo der eigentlich herkommt: samt und sonders stammt das ganze Material vom bayerischen Landesverband. Das haben die paar Mitglieder in Bayern quasi aus eigener Tasche gezahlt. Schünemann betont, sie wollten (ja, ich meine, er hätte "wir" gesagt) also sie wollten damit mal zeigen, was so möglich wäre. Damit ist auch die Vermutung gerechtfertigt, dass die Slogans auf diesem Wahlkampfmaterial nicht mit der Bundesorganisation abgestimmt waren. Wie auch immer: ich verstehe jetzt etwas besser, warum der Kram verkauft werden sollte. Wenn die Bayern das selbst bezahlt haben, dann fänden die das vielleicht komisch, wenn ihr Material kistenweise im Wahlkampf eines anderen Bundeslandes versenkt würde. 
Lucke hat etwas später dazu noch Stellung genommen. Im Grunde wird es in Zukunft nicht anders aussehen, als bei anderen Parteien: die Landesverbände sollen möglichst autonom handeln; erhalten aber eine "Grundausstattung" von der Bundesorganisation. Ganz ähnlich bei den politischen Mitbewerbern: eine bayerischer SPD-Landesverband steht inhaltlich rechts von einem Berliner CDU-Landesverband. Jeder Landesverband hat sein eigenes Mikroklima. Schwer zu sagen, was man von Schünemann und seinen Aktionen halten soll. Sein Aktionismus ist bei den bayerischen AfD-Sympathisanten ja nicht nur auf Gegenliebe gestoßen. Aber da ich kein Bayer bin behalte ich meine Gedanken für mich und höre mir jetzt lieber Luckes Rede an.

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Marginalie: Das Stimmverhalten der Bundestagsfraktionen hinsichtlich der Frauenquote und der Finanzhilfe für Zypern

Heute war auf den meisten deutschen Nachrichtenkanälen zu hören, sehen oder lesen, dass der Bundestag die Frauenquote für Aufsichtsräte abgelehnt, die Finanzhilfe für Zypern hingegen beschlossen hat. Da über beide Angelegenheiten namentlich abgestimmt wurde, lässt sich das Verhalten der Fraktionen und der einzelnen Abgeordneten bei diesen in der Gesellschaft kontrovers diskutierten Themen ohne weiteres an den Statistiken auf der Parlaments-Website ablesen.
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17.4.13

Das Unzufriedenheits-Paradoxon

Auf Zeit Online wurde kürzlich unter dem Titel "Jedem Zweiten fehlt Verständnis vom Chef" eine Studie vorgestellt, die das Verhalten von Führungspersonen in Unternehmen gegenüber Untergebenen und dessen Auswirkung auf die Motivation der Mitarbeiter zum Gegenstand hatte. Dort heißt es unter anderem:
Die Mehrheit der Befragten gab an, daß sie teilweise nur halb so produktiv arbeiten können, wie sie wollten, weil ihnen die Unterstützung durch den Chef fehlt. 37 Prozent sagten, selten oder sogar niemals motiviert zu sein. Auch die Effizienz ihres Vorgesetzten schätzte gut ein Drittel der Befragten als schlecht ein.
Und weiter:
Befragt nach den inhaltlichen Kritikpunkten an ihrem Chef nannte jeder Zweite die fehlende Möglichkeit, Probleme eigenständig lösen zu können. 45 Prozent nannten fehlendes Feedback und Lob als Manko. 
An der Methodik dieser Studie gäbe es Manches zu kritisieren. Gleichwohl reiht sich das Ergebnis durchaus in einen Tenor ein, der von einer offensichtlich tatsächlich abnehmenden subjektiven Arbeitszufriedenheit vieler Menschen während der letzten Jahrzehnte zeugt.

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16.4.13

Wenn aus einem Plenum eine Partei wird: Gründungsparteitag der AfD (TEIL 1)

Am 14. April 2013 wurde der sowieso schon lange Wahlzettel der Bundestagswahl um eine weitere Zeile verlängert: die AfD. Obwohl: so ganz stimmt das nicht, denn noch hat die AfD nicht alle Hürden überwunden, um tatsächlich auf dem Wahlzettel der Bundestagswahl zu stehen. 
Aber beginnen wir vorne: die Alternative für Deutschland (Kurzform: AfD) ist eine Organisation, die ganz wesentlich auf das bereits Ende 2010 gegründete "Plenum der Ökonomen" zurückgeht. Dieses Plenum war eine bundesweite Debattenplattform für die knapp über 40 deutschen volkswirtschaftlichen Fakultäten. Je nach Thema beteiligten sich ungefähr 240 bis zu über 320 Ökonomen an dieser Diskussion, was grob geschätzt bis zu 20% der Ökonomen aller VWL-Fakultäten entspricht. Nach einer mehrmonatigen Diskussion kam dieses Plenum mit großer Mehrheit zu dem Schluss, dass die damalige Gründung einer Bankenunion und eines ESM zwingend zu einer gemeinschaftlichen Haftung für länderspezifische Schulden führen wird. Im Nachgang kam es zu einem öffentlichen Aufruf. Wer diesen Teil der AfD-Vorgeschichte noch mal nachlesen möchte, kann das in dem FAZ-Artikel tun. Exemplarisch zitiere ich aus dem FAZ-Artikel nur einen Satz: 
"Die Kanzlerin bestritt, dass auf dem EU-Gipfel irgendeine zusätzliche gemeinschaftliche Haftung vereinbart worden sei."
Es bleibt dem Leser überlassen zu beurteilen, welche Seite in diesem Streit zwischen den Ökonomen und der Politik recht behalten hat. Nachdem die Politik, allen voran die CDU, an der Euro-Rettungspolitik und dem ESM festhielt, verließ Lucke nach 33 Jahren die CDU, der er bis dahin angehörte. Aus seiner Zeit bei der CDU hatte Lucke einige Freundschaften, die zusammen mit ihm die "Wahlalternative 2013" gründeten. Diese Organisation wollte selbst aber noch nicht als Partei auftreten, sondern verstand sich als intellektuelle Unterstützerplattform für die freien WählerAus dieser Zeit stammt die enge Beziehung zu Alexander Gauland und Konrad Adam, kurz darauf kommt noch Frauke Petry dazu. 
Die freien Wähler sind eine relativ alte Organisation in der deutschen Politik und haben mit ungefähr 280.000 Mitgliedern eine Basis, die so groß ist wie die Mitgliederzahl von Piraten, Grünen, FDP und der Linke zusammen. Trotzdem spielen die freien Wähler auf Landesebene nur eine geringe und auf Bundesebene gar keine Rolle - und das schien sich auch durch die Unterstützung durch die "Wahlalternative" nicht zu ändern. Darauf hin entfremden sich die obigen Personen von den freien Wählern. In Interviews deutet sich ein Grund dafür an: die freien Wähler wollen wohl weiterhin ihren Schwerpunkt auf ihre historischen Wurzeln auf der Kommunalebene legen, während Lucke et al. sich auf die Bundespolitik konzentrieren wollen. Trotzdem sollte die Zusammenarbeit mit den freien Wählern Spuren hinterlassen, die sich heute bei der AfD finden - dazu später mehr. 
Jedenfalls entschließen sich oben genannten Personen, nicht länger auf die politische Schlagkraft der freien Wähler zu setzen, sondern eine eigene Partei zu gründen. Dazu gibt es am 11. März 2013 in Oberursel ein erstes Treffen. Im Nachgang zu diesem Treffen entstehen erste Vorschläge für die Parteisatzung und das Wahlprogramm.

Mit dieser Vorgeschichte stehen Sie nun zusammen mit mir am 14. April vor dem Hotel InterContinental Berlin. Begleiten Sie mich durch den Tag.
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Zur "Aufstocker-Statistik". Ein Gastbeitrag von Sebastian Dettmer

Derzeit kann man Artikel lesen, dass der Anteil der sogenannten "Aufstocker" unter den Hartz IV Beziehern auf gut 30% gestiegen ist.

Hintergrund ist eine aktuelle Untersuchung der Universität Duisburg Essen, zu der gleich die "richtige Interpretation" mitgeliefert wird.

Diese Meldung ist allerdings die übliche tendenziöse Zahlen-Interpretation, die keinesfalls belegt, dass immer mehr Niedrigstlöhne gezahlt werden
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Der Kanzler des Euro



Deutschland hat Einfluss auf die Politik innerhalb der EU. Was ja auch nicht verwunderlich ist, angesichts seiner Wirtschaftskraft.
Nur, wenn dieser Einfluss zum tragen kommt, wie z.B. beim Glühlampenverbot (Sigmar Gabriel) oder bei der Euro-Einführung (Helmut Kohl), entzieht er sich der Wahrnehmung. 
Es wurde in der deutschen Presselandschaft oft spekuliert, dass die Euro-Einführung Frankreichs Bedingung für die Zustimmung zur deutschen Wiedervereinigung war. Also, dass der Euro Deutschland von außen, von anderen aufgenötigt wurde.
In einem nunmehr sechs Jahre alten Interview, welches Bestandteil der sehr bemerkenswerten Dissertation "Bilanz einer gescheiterten Kommunikation" von Jens Peter Paul ist, beschreibt Bundeskanzler Kohl die damaligen Vorgänge ganz anders.
Und ich denke, er sollte wissen wovon er da, mit einer guten Portion Nonchalance, so redet mit Herrn Paul. (Seite 284 - 301)

Die immer wieder aufgeworfene Frage ob Deutschland den Euro braucht oder nicht, ist meines Erachtens falsch gestellt. Helmut Kohl war der Ansicht, dass der Frieden in Europa den Euro braucht. Den aber kann man nicht fragen. Gefragt wurde der Bundestag.

Bei der ganzen Diskussion um den Verbleib im oder um den Erhalt des Euro wird das Pro und Contra viel klarer, wenn man die Prämisse zugrunde legt, dass Deutschland, dass Helmut Kohl maßgeblich die Euroeinführung betrieb. Nicht nur in Deutschland sondern auch in Europa.
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14.4.13

Marginalie: Der Bundestagswahlkampf hat begonnen


Sieht man sich diese Synopse der letzten Umfragen zum föderalen Urnengang im September an, so dürfte unschwer zu erraten sein, aus welchen beiden Parteien der erste heftige und deftige Schlagabtausch des Wahlkampfes hervorgegangen ist. Natürlich nicht aus den Reihen der Union, die auf ein für heutige Zeiten astronomisches Ergebnis hoffen darf, und klarerweise auch nicht aus dem Gewächshaus der Grünen, deren Ideologie-Angebot für ein bestimmtes Segment der Mittelschicht immer attraktiver zu werden scheint.

Den Startschuss zum offenen Ringen um die Gunst der Stimmberechtigten hat niemand anderer gegeben als Guido Westerwelle. Auf dem Landesparteitag der nordrhein-westfälischen FDP ließ der Bundesaußenminister die Versammelten wissen, der SPD-Wahlkampfslogan „Das Wir entscheidet“ erinnere ihn an das SED-Motto „Vom Ich zum Wir“. Und weiter:
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