9.1.13

Christenverfolgung in kommunistischen und islamischen Ländern


Die Hilfsorganisation Open Doors hat ihren Jahresbericht 2013 zur Verfolgung von Christen vorgelegt. Hier ist die Liste der 25 Staaten, in denen Christen am meisten in der Ausübung ihrer Religion behindert werden:
1. Nordkorea
2. Saudi-Arabien
3. Afghanistan
4. Irak
5. Somalia
6. Malediven
7. Mali
8. Iran
9. Jemen
10. Eritrea
11. Syrien
12. Sudan
13. Nigeria
14. Pakistan
15. Äthiopien
16. Usbekistan
17. Libyen
18. Laos
19. Turkmenistan
20. Katar
21. Vietnam
22. Oman
23. Mauretanien
24. Tansania
25. Ägypten
Natürlich sind solche Reihungen immer problematisch. Hier wurde eine sorgfältige Methode verwendet, deren Einzelheiten Sie in diesen Erläuterungen zur Methodik nachlesen können. In den einzelnen Ländern wurden Auskunftspersonen, die mit den örtlichen Verhältnissen vertraut sind, gebeten, einen Fragenkatalog zu beantworten; zusätzlich wurden auswärtige Experten - Forscher, Journalisten - befragt. Die Fragen umfaßten fünf Bereiche (das Folgende gekürzt aus dieser Aufstellung):
1. Privatleben: Können Christen zu Hause ungestört beten oder Bibel lesen? Müssen sie unangemeldete Haus­besuche fürchten?

2. Familienleben: Versuchen Staat oder Angehörige, einen Christen innerhalb seiner Familie an der Ausübung oder Weitergabe seines Glaubens zu hindern?

3. Gemeinwesen: Können sich Christen im täglichen Leben ungehindert bewegen und am Gemein­schafts­leben teilnehmen, z.B. den Dorfbrunnen nutzen? Nehmen lokale Behörden oder einflußreiche Einzel­personen – etwa lokale religiöse Führer – den Glauben der Christen zum Anlaß, sie zu diskriminieren oder gar die Gemeinschaft gegen sie aufzuhetzen?

4. Die staatliche Ebene: In diesem Bereich wird die Rolle der Zentralregierung und der Provinzregierungen untersucht: Kontrollieren sie das Leben ihrer Bürger? Sind Christen frei und können ungehindert an der Zivilgesellschaft und am öffentlichen Leben teilhaben? Kommt es im Bereich der Gesetzgebung oder der Rechtsprechung zu Einschränkungen der Glaubens­freiheit?

5. Gemeinsame Glaubenspraxis: Haben die Christen die Freiheit, ihren Glauben in einer Gemeinschaft zu praktizieren? Wie stark sind die Einschränkungen?

6. Physische Gewalt: Hier fließen Fragen aus allen Lebensbereichen ein, bei denen es um tätliche Übergriffe gegen Menschen und Gebäude mit Bezug zum christlichen Glauben geht.
An der Spitze liegt also Nordkorea; der vermutlich schlimmste Polizei- und Unterdrückungsstaat der Welt (siehe "Sie leben und sterben in Lumpen". Über den Gulag Nordkoreas; ZR vom 26. 7. 2009). Zu Nordkorea heißt es in dem Bericht:
Die öffentliche Religionsausübung ist strikt verboten. (...) Entdeckte Christen werden verhaftet, gefoltert oder getötet. (...) In China haben nordkoreanische Flüchtlinge keinen Rechtsstatus. (...) Aufgegriffene Flüchtlinge werden gemäß einem Abkommen mit China an Nordkorea ausgeliefert. Dort kommen die Abweichler in der Regel in ein Arbeitslager. (...)

Nach neuesten Berichten über das System der Arbeitslager zählt man schätzungsweise rund 150 000 bis 200 000 Insassen, abgesehen von all denen, die in den anderen Gefängnisarten des Landes inhaftiert sind. Davon sollen 50.000-70.000 Christen sein. Allein für das Gefängnis Nr. 15 schätzen Experten aufgrund der Erläuterungen von Überläufern, dass dort bis zu 6 000 Christen eingesperrt sein könnten.

Christen gelten als politische Straftäter. Folter, Hinrichtungen und barbarische Experimente sind in den Lagern an der Tagesordnung. Bis zu 18 Stunden täglich arbeiten die Gefangenen wie Sklaven. Wenn in einem Haus eine Bibel gefunden wird, kann die gesamte Familie in ein Arbeitslager kommen.
Neben Nordkorea stehen noch zwei weitere kommunistische Staaten auf der Liste; Laos und Vietnam. Alle anderen sind islamische Länder.



Es sind islamische Länder, in denen Christen unter Diktaturen wie denen des Arabischen Sozialismus oft den Repressionen ausgesetzt gewesen waren, die alle Bürger zu ertragen gehabt hatten; aber keinen speziellen, nur weil sie Christen waren. Mit dem Sturz dieser Regimes hat sich das geändert.

Über den Irak beispielsweise heißt es in dem Bericht:
Seit dem Sturz des Saddam-Regimes im März 2003 hat sich die Situation der Christen im Irak zunehmend verschlechtert. (...) Anfang der 1990er-Jahre lebten noch 850.000 Christen im Irak; (...) Heute sind die schätzungsweise etwa 330.000 bis 350.000 im Land verbliebenen Christen der Verfolgung krimineller Banden und radikaler Islamisten ausgesetzt, die offensichtlich den Irak von "Ungläubigen reinigen" wollen. (...)

Aus ganzen Stadtteilen in Bagdad oder Mosul wurden und werden Christen systematisch nach Mord­drohungen oder Anschlägen vertrieben. (...) Da die Regierung nicht willens oder auch nicht in der Lage ist, die Christen wirksam zu schützen, wissen diese nicht, wohin sie sich wenden sollen.
Ich habe das stark gekürzt und beschränke mich auf die beiden Länder Nordkorea und Irak. Auf dieser Seite finden Sie neben den oben aufgeführten 25 Ländern noch 25 weitere und zu jedem von ihnen ausführliche Informationen, wenn Sie auf den Namen des Landes klicken.

Es ist schwer nachvollziehbar, daß diese Christenverfolgung in unseren Medien so wenig Aufmerksamkeit findet; während eine vorgebliche oder tatsächliche "Islamophobie" mit viel Sorge kommentiert wird. Eine erfreuliche Ausnahme ist der Artikel, den Dietrich Alexander gestern in der "Welt" publiziert hat. Alexander hat Islamwissenschaft studiert und ist stellvertretender Leitung des Auslandsressorts der "Welt".



Auf der jetzigen Liste steht Ägypten auf Platz 25. Noch, wird man sagen müssen; denn diese Einordnung bezieht sich auf das Ägypten des Präsidenten Mubarak und unmittelbar danach. Inzwischen wächst die Wahrscheinlichkeit, daß auf die Diktatur Mubaraks ein von Islamisten dominiertes Ägypten folgen wird, in dem es mit der Freiheit der Christen schlechter bestellt sein wird als unter Mubarak.

Der Präsident Morsi treibt die islamistische Umgestaltung Ägyptens mit erstaunlicher Geschwindigkeit voran (siehe die Links in Zitat des Tages: "Diese Abkömmlinge von Affen und Schweinen müssen vertrieben werden". Was Präsident Morsi im September 2010 über Israel sagte; ZR vom 6. 1. 2013). Schon jetzt wird die Lage der Christen in Ägypten immer prekärer (siehe Aufruhr in Arabien (31): Christenverfolgung in Ägypten; ZR vom 18. 9. 2012). Unter der neuen Verfassung werden sie offiziell Bürger zweiter Klasse sein.

Im Middle East Forum hat am vergangenen Freitag der Nahostexperte Raymond Ibrahim auf eine mögliche Parallele zur Entwicklung im Sudan aufmerksam gemacht. Auch dort hatte das islamistische Regime zunächst Religionsfreiheit versprochen. Davon ist dort nichts geblieben.
Zettel



© Zettel. Für Kommentare bitte hier klicken. Titelbild vom Autor Open Doors zur Verfügung gestellt.
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