19. Januar 2017

Insel im Nebel

Endlich hat Theresa May ihre große Rede zum Brexit gehalten. In einem "12-Punkte-Konzept" legt sie ihren Wählern dar, was die britische Regierung nun eigentlich sieben Monate nach dem Referendum zu tun gedenkt.

Die Reaktionen waren vorhersehbar: Diverse Politiker auf dem Kontinent zeigen sich wieder einmal geschockt darüber, daß das UK austreten möchte. Und die Brexit-Anhänger auf beiden Seiten des Kanals jubeln, weil es May ihrer Ansicht nach den EU-Offiziellen mal so richtig gegeben hätte.

Aber wenn man sich die Rede mal genauer anschaut, dann findet man da: Gar nichts. Jedenfalls nichts Neues.

18. Januar 2017

Ein klarer Verstoss gegen das Schienbein

Man sollte meinen mit ein paar Tagen Abstand würde auch die altehrwürdige FAZ bemerken, dass der "etwas" weinerliche Artikel von Herrn Hanfeld zur Ausladung seines Kollegen eher etwas über die FAZ verrät als über die AfD. Und das man angesichts einer solchen Selbstdemontage vielleicht doch etwas stiller zu dem Thema sein könnte. Doch weit gefehlt, die FAZ legt nach, oder, wie der Kollege Danisch wohl schreiben würde, dreht jetzt endgültig hohl.

17. Januar 2017

Die NPD wird nicht verboten. Was das für den Kampf gegen Rechts bedeutet

Die NPD wird nicht verboten. Dies hat das Bundesverfassungsgericht in seinem heute verkündeten, mehr als 1000 Randnummern umfassenden Urteil entschieden. Wer sich nicht durch den Entscheidungsvolltext quälen möchte (der Verfasser dieser Zeilen wollte dies jedenfalls bislang auch nicht), kann mit der Pressemitteilung und/oder der Kurzbesprechung von Sven Jürgensen auf dem Verfassungsblog vorliebnehmen.

16. Januar 2017

Der Holzweg linksliberaler Europäer

"Ich heirate eine Familie" hieß das vermutlich erste matrimoniale Patchwork-Experiment im deutschen Unterhaltungsfernsehen, damals in den 1980er-Jahren, in die nach Ansicht des hiesigen Qualitätsjournalismus das dem Rechtspopulismus nahestehende Bevölkerungssegment wieder zurückmöchte.

"Ich heirate den Islam" ist ein in der ZEIT Nr. 51/2016 vom 8.12.2016 erschienener, auf ZEIT-Online offenbar noch leicht veränderter Beitrag überschrieben, der von der schwierigen Liebesgeschichte zwischen einem "deutschen Atheisten mit christlichen und jüdischen Wurzeln" und einer muslimischen Tunesierin erzählt. Der Text zeigt in erschreckender Art und Weise auf, dass seit den 1980er-Jahren im linksliberalen Milieu ziemlich viel in die falsche Richtung gegangen ist.

15. Januar 2017

Marginalie: Die spielen nicht mit mir

­"Die spielen nicht nicht mit mir, die sind alle doof" dürfte vielleicht einer der Sätze sein, die nahezu jeder Vater oder jede Mutter vom Nachwuchs in der einen oder anderen Form schon einmal gehört hat. Meistens von einem verheulten Kind, dass die Welt nicht mehr versteht und nun ganz dringend getröstet werden muss. Das Kind möchte in dieser Situation nicht darüber diskutieren, dass es vielleicht nicht so clever war den Ball in den Fluss zu schiessen oder die anderen eben alle als doof bezeichnet zu haben, es will eigentlich nur getröstet werden und sucht nicht zuletzt auch eine Bestätigung beim liebenden Vater, respektive der liebenden Mutter, dass "die anderen" tatsächlich alle blöd sind. Und wenn der Vater oder die Mutter das Kind auch lieb hat, dann wird es im ersten Moment dem nicht nur nicht widersprechen, sondern eher zustimmende Worte finden.

12. Januar 2017

Und wenn sie nicht gestorben sind, so kapieren sie es immer noch nicht.

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In der FAZ ist ein interessanter Artikel zur politischen Entwicklung in einer Kleinstadt (Haßloch) irgendwo in Deutschland. Es ist ein Rührstück über zwei Lokalpolitiker (CDU & SPD) die ausziehen um dem Bürger aufs Maul zu schauen und sich zu erkundigen, warum ihnen die Wähler wegbrechen. Das Motiv der beiden mag ehrenhaft sein (schließlich sollte es die Aufgabe von Politikern sein, sich auch für das zu interessieren, was die Bürger eigentlich wollen), aber Vorgehensweise wie insbesondere Berichterstattung darüber sind in sich selbst ein wunderbarer Eulenspiegel warum das ganze vollkommen schief geht.

10. Januar 2017

Zum Tod von Roman Herzog

Es gibt viele, allerdings völlig unsachliche Gründe, weshalb der Verfasser dieser Zeilen den heute verstorbenen Altbundespräsidenten Roman Herzog mochte. Einigermaßen objektivieren lässt sich vielleicht noch die Anerkennung, die der Endunterfertigte dem früheren Verfassungsrichter für seine federführende Rolle bei der Ausarbeitung der Europäischen Grundrechtecharta zollt.

Herzog war das vorletzte Staatsoberhaupt, das nicht - wie später Horst Köhler und Christian Wulff - infolge von Medienkampagnen zurücktrat und das nicht wie der derzeitige Amtsinhaber zur Spaltung der deutschen Gesellschaft auch noch beitrug.

Herzog stand dem Land während des Reformstaus in der späten Kohl-Ära vor. Seine sogenannte Ruck-Rede ist Teil des kollektiven Gedächtnisses der Bundesrepublik. Es seien daraus nur einige Passagen zitiert, die auch heute noch Gültigkeit besitzen:
Wer bestimmt überhaupt noch den Gang der Gesellschaft: diejenigen, die die demokratische Legitimation dazu haben, oder jene, denen es gelingt, die Öffentlichkeit für ihr Thema am besten zu mobilisieren?
[...]
Wäre es nicht ein Ziel, eine Gesellschaft der Selbständigkeit anzustreben, in der der Einzelne mehr Verantwortung für sich und andere trägt, und in der er das nicht als Last, sondern als Chance begreift?
[...]
Bildung muß das Megathema unserer Gesellschaft werden. Wir brauchen einen neuen Aufbruch in der Bildungspolitik, um in der kommenden Wissensgesellschaft bestehen zu können.
Roman Herzogs Stimme wird fehlen.

Noricus

© Noricus. Für Kommentare bitte hier klicken.

Der Aufstand um den Anstand und das Hauptgebot der Fairness

Der Verfasser dieser Zeilen hat das Wort "Anstand" in den vergangenen Monaten sicher häufiger im öffentlichen Diskurs gehört und gelesen als im Vierteljahrhundert zuvor. Oft begegnete die Vokabel in einem Kontext mit dem Wahlkampf Donald Trumps, obwohl seine Konkurrentin auch den einen oder anderen Ordnungsruf verdient hätte. Bei den Umkleidekabinenparolen des designierten US-Präsidenten stellte sich das aparte Ergebnis ein, dass Altkonservative (die in den Medien freilich so gut wie nicht repräsentiert sind) und das linksliberale Mehrheitsmilieu (das in der Presse überproportional vertreten ist) in der Ablehnung dieser Aussagen übereinstimmen dürften, wenn auch mit unterschiedlicher Begründung.

9. Januar 2017

Miszelle: Die Antithese zu Frau Merkel. Ein Phantombild.





Wie immer auch das Wahljahr 2017 ausgehen wird - mit den Landtagswahlen im Saarland am 26. März, am 7. Mai in Schwesig-Hohlstein und eine Woche darauf in Nordrhein-Westfalen und nach der anstehenden Sommerpause mit der Bundestagswahl am 24. September (die GRÜNEN scheinen aktuell im Distinktionswettbewerb um die Terminierung mit dem schlechteren Blatt gepokert zu haben) - eins kann man bereits konstatieren, ohne sich als Prophet zu verausgaben: Frau Merkel wird weiterhin den Kurs des Staatsschiffes "Deutschland" bestimmen, egal, in welchem Verhältnis die Offiziere und Mannschaften aus nominell unterschiedlichen Lagern rekrutiert werden, ob zwei, vier oder gar sechs Parteien im Kabinett Merkel IV auf ihr Kommando hören werden (zum sechsten Rad am Wagen könnte in diesem Fall "Die Partei" werden - da die Piraten, wie es sich für eine Spaßpartei im #Neuland gehört, ihre Selbstversenkung schon vor diversen subjektiv gefühlten Ewigkeiten erfolgreich ins Werk besetzt haben). Das Zusammenstehen gegen den altbösen Feind, gekoppelt mit der eigenen kompletten inhaltlichen Entkernung aller satisfaktionsfähigen Parteiungen (nicht nur in der gegenwärtigen Krise Nr. 1, sondern schon in den beiden vorangegangenen Akten des Kollektivtrauerendspiels, übertitelt "Eurorettung" und "Energiewende"), läßt andere Erwartungen als so komplett realitätsenthoben erscheinen wie die Politik unserer gegenwärtigen (und zukünftigen) Regierung. Nur für den Fall, daß jene alt- (oder besser: neu-)bösen Kräfte ein Wahlergebnis jenseits der absoluten Mehrheit einfahren sollten und keinerlei elektive Affinitäten auf der hellen Seite der Macht ihnen ein wirksames "Expelliarmus" neutralisierend entgegensetzen könnten, wäre dies anders. Aber mit dieser Möglichkeit rechnet man wohl selbst im innersten Zirkel der Finsternis - wo man dem Vernehmen nach zumeist mit der Lektüre der Bücher II bis IV von John Miltons "Paradise Lost" (1667) beschäftigt ist - niemand ernsthaft. 

(Als Fußnote sei noch erwähnt, daß sich das Erscheinen von Miltons Epos - dem William Blake bekanntlich beschied he was of the Devil's party without knowing it - beim Londoner Verleger Samuel Simmons in diesem Jahr zum 350. Mal jährt.)

3. Januar 2017

Köln war sicher

Nun, jetzt ist Sylvester vorbei und man kann hoffen, dass dieses Jahr die Berichterstattung wohl etwas besserer Qualität sein dürfte als im vergangenen. Köln hat, so wie andere deutsche Großstädte auch, einen vergleichsweise friedlichen Jahreswechsel erlebt. Da macht es, gerade in Bezug auf die Prognosen, die auch in diesem Blog standen, durchaus Sinn zu diskutieren, warum es ruhig blieb. Und warum das trotzdem nicht viel Hoffnung auf die Zukunft macht.

31. Dezember 2016

MMXVII - 2017



1. Abermals ist eins dahin /
Von der zeiten anbeginn /
Abermal ist dieses jahr /
Wie wir selber / wandelbar /
Es ist nunmehr alt und kalt:
Höret / wie die zeitung bald /
Von dem neuen jahr erschallt.

2. GOtt sey lob / daß abermal /
Eins dahin ist von der zahl /
Unser jahre / die wir sehn /
Schneller als der rauch vergehn /
Da von unser pilgramschafft /
Aber eins ist hingerafft /
Durch so schneller zeiten krafft.

3. HErr / wie groß ist deine gut! /
Ach / wie fromm ist dein gemuht! /
Hast du doch zu tag und nacht /
Dieses jahr an uns gedacht /
Da doch wir nur staub und koht /
Nichts verdienet als den tod/
Ja sogar der höllen noht.

4. HErr / dein nachtmahl / rat und wort /
Hastu noch an unserm ort /
Rein erhalte und dazu /
Den gewünschten fried und ruh /
Und so mildiglich beschert /
Ja was unser herz begehrt /
Hastu reichlich uns gewährt.

5. Willig sagen wir dir danck /
Für die kleidung / speis und tranck /
Für gesundheit ehr und gut: /
Lob sei dir / doch auch die glut / /
Noch das wasser / noch der wind /
Uns / die wir so sträfflich sind /
Nicht verderbt so gar geschwind.

6. Daz hat du uns lassen sehn /
Was den Sündern muß geschehn /
Aber deine gut und treu /
War doch alle morgen neu.
Ach! regier uns hertz und sinn /
Daß wir itzt zum anbeginn /
Alle bosheit legen hin.

- Johann Rist (1607-1667)



Die Verse finden sich als Lied Nr. 215 im von Caspar Hermann Sandhagen (1639-1697) zusammengestellten Lüneburgisches Gesangbuch : Darinn 2000. so wol alte als neue geistreiche Lieder, Aus den besten Autoren gesamlet, und mit vielen neuen wolgesetzten Melodeyen und Kupffern gezieret, nebst angefügtem Gebetbüchlein, Welches tägliche Morgen- und Abend-Segen, auch kurtzen Unterricht von der Busse, Beichte und Abendmahl, samt zugehörigen Gebeten, und andere mehr begreiffet, aus geistreicher Männer Schrifften kurtz verfasset, verlegt 1686 bei Johann Stern in Lüneburg.



Zettels Raum wünscht alles Lesern ein friedliches und hoffnungsvolles 2017.


Ulrich Elkmann

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2016 - Das Jahr, in dem der Mehltau schwand

Wenn es nach den Reaktionen so mancher Menschen geht, denen man zuhört, dann ist das sich verabschiedende Jahr ein annus horribilis (gewesen). Einige der öffentlichen Ablehungsbekundungen sind in einem Interview zusammengefasst, das Felix Dachsel für ZEIT-Online mit dem Jahr 2016 [sic!] führte. (Man kann diesen postfaktischen Einfall freilich albern finden. Er ist jedoch gewitzter als vieles andere, was unsere Mainstream-Journalisten gemeinhin für geistreich halten.)

In den Massenmedien, insbesondere auch in deren Online-Ablegern, wird zum Jahresende traditionell auf die wichtigsten Ereignisse und auf prominente Todesfälle der vorangegangenen 52 Wochen zurückgeblickt. Die nachstehende Rekapitulation soll sich dagegen mit dem Wandel des geistigen Klimas beschäftigen, den der Verfasser in den heurigen 366 Tagen festzustellen geglaubt hat. Diese Veränderung ging natürlich nicht im luftleeren Raum vor sich, sodass einiges, was heuer geschehen ist, in den nachstehenden Zeilen Erwähnung findet.

30. Dezember 2016

Tetzel 2.0

Es gibt sie noch, die guten Nachrichten.
Kurz vor Jahresschluß verkündet uns Margot Käßmann, daß sie ganz persönlichen Einsatz bringen wird:
Margot Käßmann begrüßt das Reformations-Jubiläumsjahr 2017 im Südpazifik. Sie verbringe den Jahreswechsel auf den Chatham-Inseln, teilte die Reformationsbotschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) am Mittwoch kurz vor ihrem Abflug mit.

Also nicht in Deutschland, wo Luther wirkte und die Reformation ihre wesentlichen Schauplätze hatte.
Nicht im heiligen Land, weil sich deutsche Bischöfe da so gerne blamieren.
Nein, in den Südpazifik geht der Urlaub mit Gottesdienst, maximal weit weg von den Kirchensteuerzahlern, die den Spaß finanzieren müssen.

Nur etwas hat die fröhliche Bischöfin übersehen:
Das Reformationsjahr hat längst begonnen, nämlich am 31. Oktober 2016.
Und das Kirchenjahr hat ebenfalls schon begonnen, nämlich am 1. Advent.
Nicht daß man von evangelischen Amtskirchenfunktionären heutzutage noch besondere Theologie-Kenntnisse erwarten würde. Aber die Startfeier zu vergessen? Mit Festgottesdienst, Staatsakt und Rede des Bundespräsidenten? War vielleicht doch ein Glas zuviel ...

Aber das Wichtigste hat Käßmann nicht vergessen: Für "klimaschädliche" Sünden wie einen Langstreckenflug ans andere Ende der Welt muß natürlich Ablaß bezahlt werden. Das geschieht ganz modern durch einen "Kompensationsfonds", in den Käßmann einen sündengerechten Betrag zahlt. Oder genauer: Bezahlen läßt - denn mit der Übernahme der Reisespesen ist der treue Kirchensteuerzahler noch lange nicht ausgelastet.

Das Lutherjahr mit einem amtskirchlichen Ablaßhandel zu beginnen: Das hat schon eine gewisse Symbolik.
R.A.

© R.A.. Für Kommentare bitte hier klicken.

Gedanken zur Rhetorik der Alternativlosigkeit

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Etwas mehr als ein Jahr ist nun vergangen, seit die Kanzlerin, mit dem wohl am häufigsten zitierten Satz der letzten Jahre - "Wir schaffen das." -, sehr erfolgreich den Ton der Debatte um die Migrationskrise gesetzt hat. Erfolgreich deswegen, da der durch ihre Aussage für gewöhnlich induzierte Widerspruch, "Wir schaffen das nicht", welcher sogar als Überschrift den Weg in Zettels Raum fand, keine inhaltliche Debatte zu ihrer wohl, gemeinsam mit der Energiewende, weitreichendsten politischen Entscheidung zulässt. Dieses geschickte Umgehen der inhaltlichen Diskussion wirkt bis heute und mag mit ein Grund dafür sein, dass die Konsequenzen aus dem Handeln der Kanzlerin für sie selbst bisher überschaubar blieben: Denn warum sollte jemand Konsequenzen für ein Handeln ziehen sollen, welches keine Alternativen hatte?

Köln ist sicher. In diesem Jahr.

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Man muss es kaum rekapitulieren: Die allermeisten erinnern sich inzwischen sehr gut daran, was sich vor einem knappen Jahr, in der Sylvesternacht 2015, auf der Kölner Domplatte ereignete. Und auch wenn es vier Tage lang versucht wurde totzuschweigen (schönen Gruss vom Thema Fakenews), kam es nach und nach ans Licht. Die Ereignisse in Köln, für die der Ort inzwischen unfreiwillig Namenspate gestanden hat, zeigten ein anderes Bild des "neuen und so weltoffenen Deutschlands" (Helldeutschlands). Und es war ein sehr verheerendes und schlimmes Bild. Und es schepperte das erste mal seit langer Zeit im deutschen, politischen Gebälk.

28. Dezember 2016

Im Zweifel falsch zitiert

In der am 22.12.2016 erschienenen Ausgabe seiner SPIEGEL-Online-Kolumne Im Zweifel links tischt Jakob Augstein ein Zitatenmenü auf, als deren Köche er in der Öffentlichkeit stehende Personen, überwiegend bekannte Politiker und Publizisten, identifiziert. Der Kontext legt nahe, dass der Tenor der angeführten Passagen Kritik an Merkels Politik der offenen Grenzen und deren Folgen sei. Jedenfalls in zwei stichprobenartig überprüften Fällen zitiert Augstein nicht korrekt oder ohne die zu einem adäquaten Verständnis erforderliche Texteinbettung.

27. Dezember 2016

Satyrs Saitenspiel: Die beste aller möglichen Regierungen

Berlin ist eine weltoffene, tolerante und bunte Stadt. Damit dies so bleibt, haben ihre Bewohner richtig gewählt und sich mit einer rot-rot-grünen Koalition (im coolen Journo-Newspeak: R2G) im Senat beschenkt. Die neuen Besen kehren bereits sehr gut.

26. Dezember 2016

Weihnachtswunschkonzert

"Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an!", rief der heilige Stephanus, dessen wir heute gedenken, vor seinem gewaltsamen Tod (Apostelgeschichte 7, 60) und flehte damit um Vergebung für seine Peiniger. "Ich wollte, es wäre Nacht oder die Preußen kämen", soll der Duke of Wellington vor der Schlacht von Waterloo geäußert haben. Und George Bailey, der von James Stewart verkörperte Protagonist in Frank Capras Tragikomödie Ist das Leben nicht schön? lässt sich, akut suizidgefährdet, von einem Engel die Entwicklung der Kleinstadt Bedford Falls vor Augen führen, welche diese ohne Georges segensreiches Wirken genommen hätte.

25. Dezember 2016

Christfest und Weihnachten: Eine Ruhestörung

Als Ausweis für die religiösen Bildungsdefizite seiner Schäfchen zitiert der katholische Theologe meines Vertrauens gerne den ihm gegenüber geäußerten Satz, dass Weihnachten auf den 24. Dezember falle. Natürlich ist das Datum des Christfestes der 25. Dezember. Was bei der Osternacht (die häufig schon am Karsamstag gefeiert wird) noch allgemein intellektuell nachvollzogen wird, rückt beim Jahresendfest in den Bereich des Unbegreiflichen.

Hat der Autor gerade wirklich vom "Jahresendfest" gesprochen?

23. Dezember 2016

Politische Paralleluniversen

Man kann den sogenannten Rechtspopulisten viel vorwerfen. Aber wenigstens eine positive Entwicklung muss man ihnen zugutehalten. Ihre Erfolge haben nämlich dafür gesorgt, dass die bisher immer so grämlichen Linken, bei denen es stets fünf vor zwölf schlug, die von sozialen Scheren phantasierten und allenthalben Anfänge sahen, denen es zu wehren galt, plötzlich eine schon fast unglaubwürdig gute Stimmung an den Tag legen.

22. Dezember 2016

Der Riss. Ein kleiner Brief an den Bundespräsidenten.


Vielfach ist derzeit in Politik und Medien die Rede davon, dass wir uns jetzt nicht spalten lassen dürfen. Wir sollen zusammenstehen, niemanden ausschliessen (am besten noch Kumbaya singen) weil ansonsten "die Terroristen ihr Ziel erreicht haben". Den vordersten aller Vereiniger macht unser Bundespräsident und führte aus: "Unser Deutschland bleibt ein Land der Freiheit, des Zusammenhalts und des inneren Friedens"­. Deshalb habe ich ein paar Zeilen an ihn.

19. Dezember 2016

Marginalie: Das neue Jobwunder

Was haben wir heute einen schönen Tag, der Focus titelt: "Flüchtlinge schaffen neue Arbeitsplätze für Deutsche". Na, das ist doch was. Die Flüchtlinge (eigentlich neudeutsch Geflüchtete) schaffen neue Arbeitsplätze. Endlich mal eine positive Nachricht. 

Zweifelt, aber verzweifelt nicht - Eine Weihnachtsbesinnung

Die Exegeten stellten in den letzten Jahrzehnten fest: Jesus von Nazareth war und blieb Jude und war kein Christ. Ob diese historische Wahrheit künftig etwas am christlichen Antijudaismus ändern wird?

Dieser Jude definiert das Wesen des von den Kirchen verehrten Gottes. Reduziert sich dann nicht der Unterschied zwischen Juden und Christen auf den Satz: Juden leben nach ihrem Gesetzbuch, - Christen folgen einer Person, welche dieses Gesetzbuch lebte?

18. Dezember 2016

Freiheit ist Salami. Eine Widerrede gegen Zensursulas Epigonen

"Die Reu ist kurz, der Wahn ist lang", ließe sich in Umkehrung eines bekannten Schiller-Verses (aus dem Lied von der Glocke) die Reaktion der politisch-medialen Eliten auf das Ergebnis des Brexit-Referendums und die Wahl Donald Trumps zum amerikanischen Präsidenten (respektive die Kür der entsprechenden Wahlmänner) zusammenfassen. Wenig nachhaltige Momente der Unsicherheit, in denen sich der eine oder andere Angehörige des Establishments fragte, ob man in den letzten Jahren am Publikum vorbeiregiert beziehungsweise -publiziert hatte, wichen sofort wieder der Gewissheit, dass man selbst nichts falsch gemacht hatte. Die Schuld wurde den alten, weißen Männern zugeschoben, die angeblich mit der schönen, neuen, diversifizierten Welt nicht zurechtkamen und ihre eigene historische Marginalisierung verzögern wollten.

16. Dezember 2016

Randbemerkung: Darf man einem Dieb glauben?

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Stellen Sie sich folgende Situation vor, lieber Leser: Es gibt einen kleinen Ort, nennen wir ihn Obastein, und in Obastein regiert ein alter Bürgermeister schon eine ganze Weile vor sich hin. Er ist nicht unbeliebt und lebt vor allem davon, dass die meisten Bürger ihn für einen integren Menschen halten. Nun gibt es im Dorf auch ein altes Unternehmen das von einem Herrn Putz geführt wird. Und der Herr Bürgermeister und der Herr Putz, die mögen sich nicht. Warum spielt keine wirkliche Rolle, nur das die beiden sich absolut nicht leiden können. Nun ist der Herr Putz ziemlich sauer, aber vor allem ist er nicht arm. Er engagiert einen Privatdetektiv, der herausfinden soll, was der gute Herr Bürgermeister alles so treibt. Und nach einiger Suche stösst der Detektiv auf eine Verbindung zu einer schweizer Bank. Er besticht einen Mitarbeiter der Bank und dieser händigt ihm Unterlagen aus, die recht gut belegen, dass der gute Herr Bürgermeister seit Jahren ein erhebliches Bankkonto bei der Schweizer Bank führt. Soweit, so "normal".